Neben der erblichen Veranlagung gibt es zahlreiche Risikofaktoren, die eine Koronare Herzerkrankung und Gefäßverkalkung fördern. Dazu zählt vor allem Bluthochdruck, der heute als Volkskrankheit gilt und einen eigenen Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall darstellt. Gefährlich hohe Werte machen sich aber oft nicht als Vorwarnung bemerkbar, insofern ist eine vorbeugende Medikation mit Blutdrucksenkern insbesondere für Patienten mit KHK von großer gesundheitlicher Bedeutung. 

Nachteule oder Lerche? Der richtige Zeitpunkt 

Bisher empfehlen offizielle Leitlinien keinen optimalen Zeitpunkt, aber Patienten mit Bluthochdruck sollen meist ihre Medikamente morgens früh direkt nach dem Aufstehen nehmen. Nur bei einer nicht gut zu behandelnden "therapieresistenten Hypertonie" wird zur abendlichen Einnahme geraten oder wenn die normale nächtliche Absenkung des Blutdrucks fehlt. Das wichtigste Argument dafür lautet: "In den frühen Morgenstunden ab 6 bis 12 Uhr mittags  kommt es häufiger als sonst zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dieses Risiko würde durch die Einnahme am Morgen gesenkt." An dieser Empfehlung gibt es jetzt aufgrund einer umfangreichen Studie aus Spanien Zweifel. 

Studie im European Heart Journal

Forscher der spanischen Universität in Vigo untersuchten bei mehr als 19.000 Patienten mit Bluthochdruck, welche Auswirkungen die Einnahme der Medikamente morgens oder im Vergleich dazu abends hat. Das Ergebnis war erstaunlich. Im Vergleich zur morgendlichen Einnahme war bei Teilnehmern, die ihre blutdrucksenkenden Medikamente abends nahmen: 

  • der Blutdruck durchschnittlich niedriger
  • das Risiko an Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben um fast 50 Prozent geringer.

Außerdem fanden die Forscher heraus, dass die nächtlichen Blutdruckwerte im Durchschnitt und der Grad des Blutdruckabfalls im Schlaf aussagekräftige Parameter sind, um das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall einzuschätzen und durch eine geeignete Behandlung zu senken. 

Fazit

Für eine Einnahme vor dem Frühstück fehlen bisher geeignete wissenschaftliche Nachweise. Die Studie zeigt aber laut Experten deutlich, dass die Einnahme am Abend selbst das Risiko morgens senkt und das spricht gegen die bisherigen Empfehlungen. Dennoch scheint es nicht sinnvoll, den Zeitpunkt ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu verändern. Wer unsicher ist, sollte dies bei der nächsten Kontrolluntersuchung besprechen. 

Wichtig zu wissen: Eine Langzeitmessung des Blutdrucks ist zwar lästig, aber aufgrund der neuen Erkenntnisse für Risikopatienten mit KHK besonders wichtig. 

Von morgens bis abends: Blutdruckschwankungen 

Innerhalb der festgelegten Grenzwerte darf der Blutdruck leicht schwanken und das ist auch sinnvoll. Tageszeitliche Schwankungen von 10 bis 20 mmHg tagsüber oder nachts sind normal. 

Typischerweise steigen Blutdruckwerte vor dem Wachwerden und unmittelbar danach deutlich an, um dann im Mittagstief wieder abzufallen. Dann folgt nachmittags bis abends der zweite Blutdruckanstieg, nachts wenn der Körper nichts mehr leisten muss, sinken sie wieder ab. Dieses "Dippen" fehlt bei manchen Betroffenen (Non-Dipper) oder kehrt sich ins Gegenteil und es kommt zu einem nächtlichen Blutdruckanstieg (Reverse-Dipper). Wenn diese Normvariante in der 24h-Blutdruckmessung auffällt, ist besondere Vorsicht geraten: Das Risiko für Komplikationen ist bei diesen Patienten erhöht.