Zehn Prozent der Erwachsenen leiden unter einem sogenannten atopischen Ekzem, das auch als Neurodermitis oder atopische Dermatitis bezeichnet wird. Die schuppenden, juckenden und entzündeten Hautstellen galten bisher als lästig und unangenehm, aber ungefährlich.

Hautentzündungen beeinflussen möglicherweise den Rest des Körpers

Mittlerweile häufen sich die Verdachtsmomente, dass sich die chronischen Entzündungen bei der Neurodermitis nicht nur in der Haut, sondern auch im Rest des Körpers bemerkbar machen. Untersuchungen aus Dänemark und Taiwan sowie eine Auswertung der Krankenkasse AOK hatten gezeigt, dass Neurodermitis-Patienten häufiger folgende Krankheiten bekommen:

  • Angina pectoris (Brustenge): Typisch sind Schmerzen in der Brust, die die Patienten häufig als dumpf, einschnürend oder drückend beziehungsweise auch als brennend empfinden. Die Unterversorgung des Herzmuskels verursacht diese Schmerzen, die in andere Körperteile, zum Beispiel in Arm oder Unterkiefer ausstrahlen können.
  • Bluthochdruck: Bei Bluthochdruck sind die Blutdruckwerte dauerhaft zu hoch. Der Blutdruck entsteht, weil bei jedem Herzschlag Blut vom Herz in die Blutgefäße gepumpt wird.
  • Periphere Verschlusskrankheit: Dabei verkalken die Arterien, also die Blutgefäße, die das sauerstoffreiche Blut in den Körper transportieren, zunehmend. Das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen und Teile des Körpers nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Betroffene spüren diese Unterversorgung durch Schmerzen in den Beinen. 

Ein Forscher-Team um Sinéad Langan von der London School of Hygiene & Tropical Medicine ist nun zu vergleichbaren Ergebnissen gekommen. Die Wissenschaftler hatten in ihrer Untersuchung die Daten von 387.439 Patienten mit Neurodermitis mit den Daten von 1.528.477 Patienten ohne Neurodermitis verglichen. 

Sie stellten fest, dass Neurodermitis-Patienten in der Folge öfter an Herzschwäche, Vorhofflimmern und Angina pectoris erkrankten. Außerdem hatten sie häufiger einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Allerdings wurde der Zusammenhang schwächer, als die Forscher bekannte Risiken für das Herz wie etwa Übergewicht, Rauchen, Depression, Angst, Diabetes und starken Alkoholkonsum berücksichtigten. 

Herz- und Gefäßkrankheiten bei schwerer Neurodermitis besonders häufig

Aus Sicht der Forscher spricht für einen kausalen Zusammenhang, dass Patienten mit schwerer Neurodermitis besonders oft Herz- und Gefäßkrankheiten bekamen. Ursache für das höhere Risiko sei wahrscheinlich die erhöhte Entzündungsaktivität. Für die Hautkrankheit Psoriasis (Schuppenflechte) hatten Untersuchungen ähnliche Zusammenhänge herausgefunden. 

Es kann allerdings auch sein, dass die psychischen Belastungen durch die Hautkrankheiten derart groß sind, dass die Patienten dies durch einen ungesunden Lebenswandel kompensieren, zum Beispiel durch Rauchen, Alkohol oder viele Süßigkeiten. Allesamt Faktoren, die das Herz-Kreislauf-Risiko auf Dauer ebenfalls erhöhen. 

Risikoanstieg insgesamt gering

Insgesamt ist der Risikoanstieg jedoch gering: So erkranken pro Jahr von 100.000 Menschen ohne Neurodermitis 21 an Herzschwäche, bei Patienten mit Neurodermitis sind es 25 pro 100.000 Menschen. Dennoch könnten insgesamt relativ viele Menschen betroffen sein, wenn man diese Zahlen auf die Gesamtbevölkerung hochrechne, betonen die Wissenschaftler.