Kaffee wird vor allem wegen seiner stimulierenden Wirkung geschätzt, er macht wach und regt die Verdauung an. Der Grund dafür ist das im Kaffee enthaltene Koffein, es besetzt so genannte "Adenosin-Rezeptoren" und blockiert dadurch das über Adenosin vermittelte Signal "Müdigkeit". Die unerwünschten Folgen von zu viel Koffein sind Herzrasen und Nervosität, außerdem können sich Angstgefühle verstärken. Laut Forschern der National University of Singapore muss Kaffee deshalb aber nicht pauschal als ungesund gelten, im Gegenteil. 

Der feine Unterschied: Kaffee, Tee und Koffein

Das Forscherteam in Singapur prüfte in zahlreichen Studien die Wirkung von Kaffee auf den Organismus und im Vergleich dazu die Folgen von Koffein. Sie fanden dabei heraus, dass ein maßvoller Konsum von Kaffee das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall senken kann, die Blutzuckerwerte positiv beeinflusst und erstaunlicherweise die Motivation für anstrengenderen Sport erhöht. Entscheidend für die positive Wirkung bleiben aber in allen Studien die Dosis und der jeweilige Gehalt an Koffein pro Tasse. 

Folgende Wirkungen konnten die Forscher belegen: 

Durch die Wirkung von Koffein auf Adlenosin-Rezeptoren, bekämpft Kaffee tatsächlich Müdigkeit, beispielsweise nach einer schlaflosen Nacht. Allerdings ist dieser Effekt nur sehr kurzfristig und kann den Schlafmangel der Nacht davor nicht ausgleichen. Wer abends noch einen Espresso trinken möchte, kann davon Schlafprobleme bekommen oder auch nicht. Der Grund für diese individuelle Reaktion auf abendlichen Kaffee ist, dass es verschiedene Varianten von Adenosin-Rezeptoren gibt.

Kaffee oder schwarzer Tee führen nicht automatisch zu einem Anstieg des Blutdrucks, auch nicht bei Bluthochdruck. Anders sieht es laut Forschern bei Koffein in anderen Getränken aus, vor allem in zuckerhaltigen Getränken wie Energydrinks. Hier steigt der Blutdruck durch Koffein an, offenbar weil die hemmende Wirkung der Chlorogensäure wegfällt, die sich nur in Kaffee befindet. 

Laut Studie führt der tägliche Konsum von ungefiltertem Kaffee zu höheren LDL-Cholesterinwerten im Blut, die besonders für Patienten mit KHK problematisch sind. Gefilterter Kaffee, wie aus einer French Press oder der Kaffeemaschine, zeigte dagegen keinen negativen Einfluss auf die schädlichen Cholesterinwerte.

Offenbar treten Herzrhythmusstörungen in Verbindung mit koffeinhaltigem Kaffee nicht bei jedem und laut Studie durchschnittlich erst ab sechs Tassen gefiltertem Kaffee auf, umgekehrt reduzierte sich dagegen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall schon ab drei Tassen.  

Australische Forscher der Universität Queensland fanden heraus, dass die Motivation für sportliche Aktivitäten mit dem Genuss von Kaffee steigt. In die Studie flossen die Daten von 7.580 Frauen ein, die das empfohlene Sportlevel 17 Prozent öfter wählten, wenn sie ein bis zwei Tassen Kaffee vorher getrunken hatten. Nach koffeinhaltigem, schwarzem oder grünem Tee lag die Motivation sogar um 26 Prozent höher als in der Vergleichsgruppe. Die im Tee vorkommenden sekundären Pflanzenstoffe, wie Polyphenole, bewirken eine langsamere Aufnahme des Koffeins und eine längere Wirkung.

Entscheidend für eine positive Wirkung 

Koffein ist eine pharmakologisch aktive Substanz, mit anderen Worten eine Genussdroge und kann deshalb in zu hoher Dosis oder falscher Kombination eine negative Wirkung haben. Vor allem in Kombination mit Alkohol oder hohen Zuckermengen, zum Beispiel in Eistee, kann Koffein neurologische und psychische Symptome verursachen und sogar das Herz schädigen. Die tolerierbare Grenze ist abhängig von Alter, Gewicht, Geschlecht und Vorerkrankungen und fällt individuell sehr verschieden aus.  

Wichtig zu wissen: Die Studie kam zu dem Schluss, dass als grober Richtwert die maximale Grenze pro Tag bei 400 mg Koffein für Erwachsene liegen sollte. Diese Menge befindet sich in sechs Tassen Espresso, wobei aber Arabica-Bohnen weniger Koffein enthalten als zum Beispiel die Sorte Robusta. Für Koffein in Kombination mit anderen Getränken empfehlen die Forscher auf keinen Fall mehr als 200 mg Koffein, wenn überhaupt. Bei einer Koronaren Herzerkrankung entscheidet aber immer die individuelle Reaktion auf Kaffee bzw. Koffein und mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten.