Lärm erzeugt Stress, der wiederum die sogenannten Cortisol-Werte im Körper nach oben schnellen lässt. Cortisol ist ein Maß für den Stress-Pegel. Der Lärm lässt auch den Blutdruck ansteigen. Und das gilt sogar nachts. Wenn die Augen längst geschlossen sind und das Bewusstsein auf "standby" geschaltet hat, sind die Ohren noch wach. 

Lärm erhöht den Blutdruck

So hat die Untersuchung eines Forscher-Teams um Alexandros Haralabidis von der Nationalen Universität Athen (Griechenland) herausgefunden, dass der Blutdruck im Schlaf jedes Mal um sechs bis acht Millimeter-Quecksilber (mmHg) ansteigt, wenn der Lärm eines überfliegenden Flugzeugs zu hören ist. Lärm durch Autos und Züge wird dagegen besser vertragen. 

Eine weitere Studie hat zudem herausgefunden, dass bei mehr Lärm auch öfter mit Vorhofflimmern zu rechnen ist. Es gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Das Herz schlägt dabei unregelmäßig. Wird das Vorhofflimmern nicht behandelt, drohen ernste Folgen wie zum Beispiel ein Schlaganfall.

Verursacht Feinstaub Gefäßentzündungen? 

Auch Feinstaub dringt direkt in den Körper ein. Experten gehen davon aus, dass er durch die Lunge eingeatmet wird, ins Blut übergeht und sich dann in den Wänden der Blutgefäße ablagert. Dort löst er wahrscheinlich Entzündungen aus, die die Arterienverkalkung fördern. Ruß und Straßenstaub wirken sich vermutlich ähnlich aus.

So hat eine Gruppe schottischer Wissenschaftler untersucht, ob und inwieweit Dieselabgase die Blutgefäße von gesunden Menschen und die von Patienten mit einer Erkrankung der Herzgefäße negativ beeinflusst. Sie wollten auch wissen, welche Stoffe in den Dieselabgasen dafür verantwortlich sind.

Das Ergebnis ist besorgniserregend: Sowohl bei gesunden Menschen wie auch bei Patienten mit einer Erkrankung der Herzgefäße veränderten sich die Werte des Belastungs-EKGs. Bei gesunden war zudem die Funktion der Blutgefäße empfindlich gestört. Der Effekt verschwand, wenn der Feinstaub durch spezielle Filter aus der Luft entfernt wurde. Da es sich jedoch um eine kleine Studie mit nur 16 Teilnehmern handelte, müssen die Ergebnisse durch größere Untersuchungen bestätigt werden. 

Umweltstress beeinflusst Blutgefäße

Umweltstress durch Lärm und Staubpartikel scheint Herz und Gefäße auf dem gleichen Weg zu belasten oder zu schädigen, so die Expertenmeinung. Sie erzeugten beide eine sogenannte endotheliale Dysfunktion. Dabei sind die Funktionen der Blutgefäße gestört, sprich die Gefäße sind nicht mehr so durchlässig. Sie können ihren Durchmesser nur noch unzureichend verändern und die Bildung von Klümpchen im Blut nicht mehr so gut verhindern. Die endotheliale Dysfunktion gilt unter Experten als Vorstufe der Arterienverkalkung. 

Die Einnahme von Vitamin C kann die gestörte Gefäßfunktion übrigens rückgängig machen, zumindest kurzfristig. Es fängt die schädlichen freien Radikale ein, die sich durch den oxidativen Stress bilden, der seinerseits durch Umweltstress wie Lärm und Staubpartikel verursacht wird.

Strengere Gesetze gegen Lärm- und Luftverschmutzung

Kinder, ältere Menschen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Krankheiten sind besonders anfällig für diesen Umweltstress, der auch in Deutschland weit verbreitet ist. Da Ärzte und Patienten diese neuen und wichtigen Risiken kaum beeinflussen können, sei vor allem die Politik gefordert, durch strengere Gesetze besser vor Lärm und Luftverschmutzung zu schützen, so das Fazit der Experten.