Aufbau und Wirkungsweise des Herzens sind bei Männern und Frauen zwar grundsätzlich gleich, Unterschiede zeigen sich aber in der Größe: Männer haben ein etwas größeres Herz. Während es bei ihnen relativ zum Körpergewicht etwa 5,7 g/kg ausmacht, sind es bei Frauen nur 4,8 g/kg. Die kleinere Größe muss das Frauenherz durch einen schnelleren Herzschlag ausgleichen, um seinen Sauerstoffbedarf zu decken. So schlägt es bei Frauen etwa 70-mal pro Minute, bei Männern rund 60-mal.

Männer erkranken häufiger, doch Frauen unterschätzen das Risiko

Entgegen der weit verbreiteten Annahme ist der Herzinfarkt keineswegs eine reine Männersache. Herzerkrankungen kommen zwar bei Männern häufiger vor als bei Frauen: Die kardiologischen Diagnosen betreffen 57,8 Prozent Männer und 42,2 Prozent Frauen. Allerdings sterben rund acht Prozent mehr Frauen als Männer an Herzkrankheiten. Hinzu kommt auch, dass sich viele Frauen ihres Risikos nicht bewusst sind und Anzeichen für einen möglichen Herzinfarkt häufiger nicht richtig deuten.

Gleiche Risikofaktoren, unterschiedliche Bedeutung

Die Risikofaktoren für Herzerkrankungen sind bei Männern und Frauen gleich. Aber gerade Diabetes mellitus, Rauchen und Übergewicht sowie psychische und soziale Stressfaktoren wirken sich bei Frauen stärker negativ aus. So ist das Risiko für Frauen mit Diabetes mellitus, an einer Erkrankung des Herzens zu sterben, um 50 Prozent höher als bei Männern. Allerdings sind Frauen im Schnitt zehn Jahre älter als Männer, wenn bei ihnen eine Gefäßerkrankung festgestellt wird.

Bei Frauen treten andere Symptome auf

Auch die Anzeichen für einen Herzinfarkt unterscheiden sich bei Frauen und Männern. Die "klassischen" Symptome, wie ein stechender Schmerz und starkes Engegefühl im linken Brustraum, treten bei Frauen weniger häufig auf als bei Männern. Bei Frauen zeigen sich dagegen eher Atemnot, Schmerzen zwischen den Schulterblättern und im Oberbauch sowie Übelkeit und Erbrechen. Oft werden diese Anzeichen fehlinterpretiert und nicht genügend ernst genommen - so kann wertvolle Zeit zum Erkennen eines drohenden oder schon stattgefundenen Herzinfarktes ungenutzt vergehen.

Behandlungen schlagen anders an

Generell erhalten Frauen und Männer mit Herzkrankheiten die gleichen Behandlungen. Doch Frauen sprechen teilweise deutlich anders auf die Medikamente an als Männer. So sind manche Medikamente bei Frauen weniger wirksam, da sie im weiblichen Körper anders verstoffwechselt werden. Auch zeigen sich bei Frauen häufiger Nebenwirkungen. Die Ursachen für diese Effekte sind noch nicht vollständig erforscht. Unter anderem tragen Unterschiede im Stoffwechsel, im Hormonhaushalt und in den Körperfettanteilen von Mann und Frau dazu bei.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Risikofaktoren Ihrer Erkrankung und wie Sie diese dauerhaft minimieren können. Achten Sie auf die geschlechtstypischen Anzeichen eines möglichen Herzinfarktes und nehmen Sie diese ernst.