Panik ist kein guter Ratgeber, riskant leben aber auch nicht. Studien zufolge sind heute viele Betroffene verunsichert und schränken sich aus Sorge vor Wechselwirkungen ein. Dies ist nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in vielen Fällen nicht erforderlich und kann zu sozialer Isolation führen. 

Grundsätzlich gilt: Moderne Implantate, die nach Herstellerangaben programmiert sind, haben im Alltag und Berufsleben ein vergleichsweise geringes Risiko. Dennoch sollten Herzpatienten mit Schrittmacher oder Defibrillator mögliche Wechselwirkungen kennen und wissen, worauf sie achten müssen. 

Wann zum Arzt? 

Wechselwirkungen zwischen Implantat und externen technischen Geräten sind zum Glück selten, können aber bei Herzpatienten ernste Folgen haben. Zum Beispiel kann sich der eingestellte Modus des Implantates verändern, es kann sich erwärmen oder im schlimmsten Fall gibt ein Defibrillator einen unerwünschten, schmerzhaften Stromstoß ab. Deshalb erfordern Herzrhythmusstörungen und typische Herzsymptome, aber auch Schwindel oder Leistungsabfall eine schnelle Abklärung beim Arzt. Sie können ein Zeichen dafür sein, dass die Wirkung des Implantates durch eine Wechselwirkung außer Kraft gesetzt wurde. 

Sicherer Umgang mit elektrischen Geräten 

Elektrische Geräte sind heute überall und in verschiedener Form präsent: Elektronische Diebstahlschranken in den meisten Geschäften und Metalldetektoren am Flughafen, Mobiltelefone und elektrische Kopfhörer. Auch im beruflichen Umfeld greifen die meisten Arbeitsplätze auf diese Technologien zurück. Für Gesunde gibt es gesetzliche Vorschriften, die den Umgang damit regeln, zum Beispiel im gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitsschutz. Anders sieht es für Implantat-Träger aus: Hier fehlen laut Experten klare Empfehlungen, die die Rückkehr in den Beruf oder auch das Leben im Alltag erleichtern. 

Die aktuelle Stellungnahme der DGK soll auf wissenschaftlicher geprüfter Basis für Orientierung sorgen: 

Mobiltelefone

Der früher empfohlene Sicherheitsabstand von 15 cm zwischen Telefon und Implantat ist heute mit den neuen Mobiltelefonen und Smartphones nicht mehr nötig. Anders sieht es mit den induktiven Ladestationen aus: Hier sollte ein Abstand von mindestens 10 cm eingehalten werden. 

Unterhaltungselektronik

MP3-Player sind laut Studien unbedenklich, wegen verfälschter Messergebnisse sollten sie aber bei Kontrolluntersuchungen ausgeschaltet werden. Kopfhörer oder Lautsprecher enthalten Dauermagnete und dürfen nicht dorthin gehalten werden, wo das Implantat sitzt. 

Überwachung in Geschäften

Elektronische Kontrollzonen in Kaufhäusern sollten Betroffene zügig passieren. Problematisch können Diebstahlsicherungen sein, die elektrische mit akustischen Signalen kombinieren. Hier sollte man mit Implantat einen Abstand von 60 cm zu den RFID-Scannern einhalten. 

Reisen

Metalldetektoren am Flughafen sind laut Studien unproblematisch, sowohl der Torbogendetektor als auch die kleinen Handgeräte. Gleiches gilt für Elektrofahrzeuge und Hybridautos. Experten konnten beim Benutzen der Fahrzeuge keine Wechselwirkungen feststellen. 

Induktionsherde

Der empfohlene Sicherheitsabstand beträgt mindestens 25 cm, was bei der normalen Benutzung des Herdes keinen Unterschied macht. 

Körperfettwaagen

Hier raten die Experten zu Vorsicht, weil die derzeitige Datenlage eine klare Einschätzung des Risikos noch nicht erlaubt.  

Wichtig zu wissen: Für Patienten mit elektrisch aktivem Herzimplantat ist es besonders ratsam, defekte Geräte sofort zu entsorgen. Außerdem sollten alle Haushaltsgeräte eine vorschriftsmäßige Erdung haben.