Sport und Bewegung sind gesund für Herz und Gefäße, dies ist wissenschaftlich sehr gut belegt. Die Sorge vor einem trainingsbedingten Herzinfarkt oder Herzstillstand sei laut Fachleuten unbegründet, dennoch gibt es Einschränkungen zu beachten. Dabei spielen Intensität und Sportart eine Rolle, aber vor allem die gesundheitliche Verfassung und welche Herzerkrankungen vorliegen. 

Wichtig zu wissen: Sport und Bewegung machen Freude und erhöhen die Lebensqualität. Zögern Sie deshalb nicht, Ihre Arztpraxis um Rat zu fragen, wenn Sie unsicher sind, was erlaubt ist. Statt auf Bewegung zu verzichten oder sich zu bremsen, ist Nachfragen der gesündere Weg. 

Konkrete Empfehlungen für das Training 

Grundsätzlich sollten sich Menschen mit Herzerkrankung nicht überanstrengen. Moderates Training bei dem man noch reden kann, hat sich als grobe Faustregel bewährt. Für folgende Herzkrankheiten liegen nun mit der neuen ESC-Leitlinie zusätzlich spezielle Empfehlungen vor: 

Chronisches Koronarsyndrom (früher: Koronare Herzerkrankung)

Wer untrainiert ist und mit Sport starten möchte, sollte vorab in der Arztpraxis die Belastbarkeit des Herzens überprüfen lassen. Dabei wird abhängig vom individuellen Risiko festgelegt, welche Trainingsintensität erlaubt ist. Gleiches gilt auch für den Beginn neuer Sportarten. 

Nicht empfohlen: Wettkampfsport bei hohem Risiko* für Komplikationen und wenn eine verminderte Durchblutung im Herz (Restischämie) besteht. In diesen Fällen sollte nur moderater Freizeitsport ausgeübt werden, der im Training keinerlei Symptome verursacht.

*Konkret liegt ein hohes Risiko beispielsweise vor bei Koronarverengung über 70 Prozent in einer der Hauptkoronararterien, nach akuten Herzproblemen oder operativen Eingriffen am Herzen oder den Gefäßen innerhalb der letzten 12 Monate. 

Bluthochdruck und Diabetes 

Empfohlen ist regelmäßiges Ausdauertraining für mindestens 30 Minuten pro Trainingseinheit fünf bis sieben Mal pro Woche, zusätzlich ergänzt durch Krafttraining.

Nicht empfohlen: Krafttraining mit hoher Intensität bei schlecht eingestelltem Blutdruck (>160 mmHg) und hohem kardiovaskulären Risiko (z. B. bei eingeschränkter Nierenfunktion, stärkerer Arteriosklerose) und/oder bei blutdruckbedingten Organschäden. 

Herzklappen-Erkrankungen

Wieviel Sport erlaubt ist, hängt vom Schweregrad der Klappenerkrankung ab. Bei einer milden Aortenklappen-Verengung ist Sport auch in Form von Wettkampfsport möglich. Gleiches gilt für eine leichte Mitralklappen-Insuffizienz, bei der Blut durch die undichte Mitralklappe zurück in den linken Vorhof fließt. 

Nicht empfohlen: Sobald sich die Herzklappen-Erkrankung verschlechtert und nicht mehr von einem leichten Verlauf gesprochen werden kann, muss die Sportempfehlung entsprechend angepasst werden. 

Herzrhythmusstörungen 

Bei Vorhofflimmern wirkt sich körperliche Aktivität grundsätzlich positiv aus. Abhängig von den eingenommenen Medikamenten, sollten aber bestimmte Einschränkungen beachtet werden: 

Nicht empfohlen: Wenn Blutverdünner eingenommen werden, ist es ratsam auf Sportarten mit direktem Körperkontakt oder Verletzungsrisiko zu verzichten. 

Wichtig zu wissen:

Intensiverer Sport kann die Wirkung von Medikamenten, die als Nebenwirkung eine Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie verursachen können, noch verstärken. Die zusätzliche Einnahme von Magnesium, eine kaliumreiche Ernährung (z.B. Bananen, Obstsäfte) oder eine Anpassung der Medikamente hilft, rechtzeitig gegenzusteuern. 

Für alle Sportarten gilt: Besprechen Sie mit Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin, welcher Sport bei Ihrer Herzkrankheit und in Ihrer individuellen Situation geeignet ist und in welcher Intensität!