Schwankt die Temperatur um zehn Grad Celsius oder mehr, werden mehr Patienten mit Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert, so das Ergebnis einer Studie mit amerikanischen Patienten im US-Bundesstaat Michigan. Außerdem gab es an heißen Tagen besonders viele Herzinfarkte, besagt das Resümee eines Forscherteams um Dr. Hedvig Bille Andersson, das seine Ergebnisse auf der Jahrestagung der amerikanischen kardiologischen Gesellschaft vorgestellt hat. Die möglichen Ursachen seien allerdings noch unbekannt.

Mehr Herzinfarkte durch globale Erwärmung?

Die Wissenschaftler mutmaßen, dass die globale Erderwärmung mit mehr extremen Wetterverhältnissen zu mehr Herzinfarkten führen könnte. Andere Experten sind der Ansicht, dass der Klimawandel zwar zu höheren Temperaturen, dafür aber zu weniger Temperaturschwankungen führen werde. Das könne den möglichen herzschädlichen Effekt abmildern.

Bekannt sei bis dato, dass akuter Umweltstress wie zum Beispiel Erdbeben, Terroranschläge oder Tsunamis zu mehr Herzinfarkten führen können. Auch Kälte zählt zu den Stressfaktoren, die das Herzinfarktrisiko erhöhen können. Unklar war bisher, dass plötzliche Temperaturschwankungen auch dazuzählen.

30.404 Fälle von Patienten mit Herzinfarkt untersucht

Dr. Andersson und ihre Kollegen untersuchten 30.404 Fälle von Patienten, die im Zeitraum von 2010 bis 2016 in 45 Krankenhäusern wegen eines Herzinfarktes eingeliefert und behandelt wurden. Darüber hinaus glichen sie das Einlieferungsdatum mit den Temperaturveränderungen am jeweiligen Tag ab. Außerdem achteten sie auf bestimmte Faktoren - sogenannte Störfaktoren -, die das Ergebnis verzerren können. Dazu zählten Niederschlagsmengen, Wochentage und saisonale Trends.

Bis zu elf Prozent mehr Herzinfarkte

Im Vergleich zu konstanten Temperaturen (Schwankungen von maximal fünf Grad Celsius) stieg die Zahl der Herzinfarkte bei höheren Temperaturschwankungen: 

  • um 1,2 Prozent bei Schwankungen zwischen fünf und zehn Grad,
  • um 6,9 bei Schwankungen von zehn bis 15 Grad und 
  • um 11,1 Prozent bei Schwankungen über 15 Grad.

Zusammenhang ist noch nicht bewiesen

Dennoch sei es noch zu früh, Temperaturschwankungen zum Risikofaktor für einen Herzinfarkt zu erklären. Weitere Untersuchungen müssten die Ergebnisse erst noch bestätigen und auch dann sei noch nicht eindeutig, ob Temperaturschwankungen und die Zahl von Herzinfarkten tatsächlich zusammenhängen, ob also das eine das andere tatsächlich mitverursachen kann. 

Trotzdem reihe sich die Studie in viele andere Untersuchungen ein, die zeigen: Umweltstress kann gesunde Menschen ebenso belasten oder schädigen wie etwa herzkranke Patienten. Lärm und Feinstaub sind dafür nur zwei Beispiele, für die die Erkenntnisse gesichert sind.