Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, die bei Koronarer Herzerkrankung, aber auch mit steigendem Alter relativ häufig vorkommt. Allerdings merken viele Betroffene zunächst nichts davon oder führen die typischen Symptome wie Müdigkeit, Erschöpfung, Schwindel, Angstgefühle, Schlafstörungen oder plötzliches Herzrasen nicht darauf zurück. Dies erschwert laut Experten die rechtzeitige Diagnose. Hierdurch steigt das Risiko für Schlaganfall, Lungenembolie oder sogar einen Herzinfarkt unbemerkt an. Das muss nach dem heutigen Stand der Medizin nicht sein, denn je früher die passende Therapie beginnt, desto besser sind die Chancen auf einen milden Verlauf oder sogar eine Heilung.

Wichtig zu wissen: Bei Frauen mit Vorhofflimmern lag nach der REGARDS-Studie, einer der größten US-amerikanischen Studien mit 24.000 Männer und Frauen im mittleren Alter von 64 Jahren, das Risiko für einen Herzinfarkt um das 2,2fache höher als bei Männern mit gleicher Diagnose. Frauen mit KHK und dem Verdacht auf eine Herzrhythmusstörung sollten deshalb nicht zögern und sich frühzeitig untersuchen lassen. 

Früherkennung und neue Therapien

Bisher galt die medikamentöse Behandlung als Therapie der ersten Wahl. Das bedeutet, eine Operation wurde nur dann diskutiert, wenn Medikamente erfolglos blieben. In aktuellen Studien fanden Forscher nun heraus, dass durch eine "Katheterablation" als erste Therapie das Risiko für ein anhaltendes Vorhofflimmern stärker gesenkt wird. Bei der Ablation wird durch eine Verödung Herzmuskelgewebe entfernt, das Vorhofflimmern auslöst. Außerdem zeigen die Ergebnisse eindeutig, wie wichtig ein früher Therapiebeginn für die weitere Prognose der Erkrankung ist. Die entscheidende Voraussetzung dafür ist die rechtzeitige Diagnose, die mit einem EKG oder Langzeit-EKG gestellt wird. Regelmäßige Check-ups sind daher bei Herzerkrankungen von besonderer Bedeutung. 

Fakten aus aktuellen Studien 

Die EAST-Studie verglich über einen Zeitraum von fünf Jahren, welche Rolle der richtige Zeitpunkt für die Therapie spielt. Das Ergebnis: Die Rate der typischen Komplikationen von Vorhofflimmern ließ sich durch einen früheren Therapiebeginn um 21 Prozent senken. 

Die Cryo-FIRST-Studie befasste sich mit dem Effekt einer Kryoballon-Ablation als Erstbehandlung von anfallsweisem Vorhofflimmern. Das Ergebnis: Die Ablation stabilisierte den Herzrhythmus besser als die medikamentöse Therapie. Bei rund 82 Prozent der Teilnehmenden traten nach der Ablation keine Herzrhythmusstörungen mehr auf, im Vergleich zu 67 Prozent bei Probanden, die mit Medikamenten behandelt wurden. 

In der ATTEST-Studie wiesen Forscher nach, dass eine Katheterablation, verglichen mit Medikamenten, den Übergang in ein dauerhaftes, schlechter zu behandelndes Vorhofflimmern weiter hinauszögert. 

Basiswissen Vorhofflimmern 

Normalerweise gibt das Herz regelmäßig ein kurzes elektrisches Signal, wenn sich der Herzmuskel zusammenziehen und dadurch das Blut in den Körper pumpen soll. Bei Vorhofflimmern ist dieser Mechanismus gestört, dadurch schlägt das Herz unregelmäßig, oft schnell und vor allem weniger effektiv. Als Folge davon gelangt weniger Blut in den Körper, was einen Grund für die Müdigkeit oder Leistungsabnahme bei Vorhofflimmern darstellt. Schätzungsweise 15 Millionen Menschen in Deutschland leiden zeitweise unter Vorhofflimmern, aber nur rund 20 bis 30 Prozent der Betroffenen spüren etwas davon. 

Vorhofflimmern kann vorübergehend auftreten oder auch anhalten. Für die Behandlung und Prognose sind aber immer vier Faktoren entscheidend, die Ärzte nach der neuen Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) mit dem "4S- Schema" bewerten:  

  • Schlaganfallrisiko 
  • Schwere der Symptome 
  • Schwere der Rhythmusstörung (wie oft und wie lange?)
  • Strukturelle Ausprägung (je nach Funktion und Herzveränderungen) 

Zu den Risikofaktoren zählen die meisten Herzerkrankungen, Bluthochdruck, eine Überfunktion der Schilddrüse, Diabetes, aber auch Rauchen, Stress, ein zu hoher Alkoholkonsum und Übergewicht. 

Wichtig zu wissen: Für eine erfolgreiche Behandlung spielt es eine große Rolle, diese Risikofaktoren möglichst gut in den Griff zu bekommen. Darin sind sich alle Forscher einig, die an den aktuellen Studien mitgewirkt haben. Sport und Bewegung gelten gerade bei KHK plus Vorhofflimmern als optimale Ergänzung zur Therapie. Dabei ist es wichtig, sich nicht zu überfordern, aber am Ball zu bleiben. Für den Anfang sind Sportarten wie Wandern, Radfahren oder entspanntes Joggen am besten geeignet. Zusätzlich sollte man mit dem behandelnden Facharzt besprechen, was individuell zu beachten ist, vor allem wenn Sie unter Schwindel leiden und Gerinnungshemmer einnehmen.