Viele Menschen kennen Ohrgeräusche, die kommen und wieder gehen. Dies kann ein hoher Ton sein, Rauschen oder Pfeifen und wird von Ärzten als "Tinnitus" bezeichnet.

Neue Studien aus Kanada belegen jetzt, dass dieses Symptom, genauso wie ein plötzlicher Hörsturz oder Schwindel, der Vorbote eines Schlaganfalls sein kann. Wer diese drei Warnzeichen ernst nimmt und sie möglichst bald abklären lässt, kann gefährliche Gefäßveränderungen früh erkennen und mit geeigneten Maßnahmen einen Schlaganfall verhindern. 

Wichtig zu wissen: Liegen zusätzlich noch weitere Risikofaktoren für einen Schlaganfall vor, empfiehlt es sich außerdem, den eigenen Lebensstil kritisch zu überprüfen. Zu den Risikofaktoren zählen u.a.

  • Bluthochdruck,
  • koronare Herzerkrankung und
  • Diabetes.

Die rechtzeitige Diagnostik und eine vorbeugende Therapie mit Blutverdünnern sind enorm wichtig. Ebenso wichtig ist eine "gefäßgesunde" Lebensweise. Diese kann die Bildung von Gerinnseln dauerhaft und nebenwirkungsfrei verhindert.

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall 

Je länger das Gehirn nicht mit Sauerstoff versorgt wird, desto mehr Gehirnzellen sterben ab. Deshalb zählt bei folgenden Symptomen jede Sekunde: 

  • plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen
  • Lähmungen (meist einseitig) 
  • Sprachstörungen
  • Taubheitsgefühle
  • Sehstörungen (Gesichtsfeldausfall)
  • Schwindel und Gangunsicherheit 
  • plötzlich auftretende Schwäche
  • plus Übelkeit und Erbrechen

Warten Sie nicht darauf, dass die Beschwerden wieder besser werden. Erleben Sie bei sich selbst oder bei einem Angehörigen Symptome eines Schlaganfalls, reagieren Sie sofort und rufen Sie einen Krankenwagen (112).

Dabei sollten Sie Folgendes mitteilen:

  • Ab wann traten welche Symptome auf?
  • Tätigkeit kurz davor?
  • Medikamente?
  • Herzrhythmusstörungen oder andere Vorerkrankungen?

Gerinnsel können sich im Herz bilden 

Schlaganfälle entstehen auf verschiedene Weise. Das Gerinnsel bildet sich entweder direkt vor Ort im Gehirn oder indirekt an einer anderen Stelle im Körper. Von dort löst es sich ab und gelangt mit dem Blutstrom bis ins Gehirn oder zu den Gefäßen, die das Gehirn versorgen. Ist die Durchblutung unterbrochen oder stark reduziert, können Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend versorgt werden und sterben innerhalb kürzester Zeit ab.  

Blutplättchen haben eigentlich die Aufgabe, Verletzungen in Gefäßen schnell abzudichten. Verklumpen sie aber ohne sinnvollen Grund, können sich sogenannte "Blutgerinnsel" oder "Thromben" bilden, die das Gefäß direkt verschließen oder mit dem Blut weiter wandern und im Gehirn die Durchblutung blockieren.

Meist sind die für KHK typischen arteriosklerotische Ablagerungen und kleine Einrisse an den Innenwänden eines Gefäßes der Auslöser, dass die Gerinnung fälschlicherweise aktiviert wird. Offenbar machen sich solche gefährlichen Gefäßveränderungen in rund 15 Prozent der Fälle im Vorfeld durch Symptome im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde bemerkbar.

Eine neue Metaanalyse aus Kanada zeigt nun, wie wichtig es für Menschen mit KHK sein kann, Schwindel, plötzlichen Hörverlust oder Tinnitus als Vorboten eines Schlaganfalls ernst zu nehmen. Diese Chance sollten Sie nutzen und beim HNO-Arzt und Kardiologen die Beschwerden abklären. 

Wichtig zu wissen: Als einer der häufigsten Ursachen für einen Schlaganfall gelten Herzrhythmusstörungen. Durch den unregelmäßigen Herzschlag und durch Herzrasen können sich in den Herzgefäßen gebildete Thromben leichter ablösen und im Gehirn einen Schlaganfall verursachen. Aus diesem Grund erhalten die meisten Menschen mit Herzrhythmusstörungen und grundsätzlich mit KHK eine blutverdünnende Therapie zum Schutz. 

Kanadische Metaanalyse: Vorboten für einen Schlaganfall

Das Team um Dr. Marc Lammers von der Universität in Vancouver wertete für die sogenannte "Meta-Analyse" sieben Studien aus. In die Analyse flossen insgesamt Daten von 26.084 Kontrollpersonen und 6.521 Menschen mit plötzlichem Hörverlust ein. Mögliche Risikofaktoren, wie Diabetes oder Bluthochdruck, wurden bei der Auswertung berücksichtigt.

Das Ergebnis: Besonders bei Männern über 50 Jahren erhöhte sich nach Hörsturz das Risiko für einen (ischämischen) Schlaganfall um 40 Prozent. Die Wissenschaftler vermuten aus den verschiedenen Studiendaten, dass sich rund 15 Prozent der Schlaganfälle vorab durch einen Hörverlust, Tinnitus oder Schwindel ankündigen. 

Fazit: Mit einer KHK sollten diese "HNO-Beschwerden" nicht unterschätzt, sondern im Gegenteil besonders ernst genommen werden. Dazu raten die Experten auch auf der Grundlage dieser Analyse. Da hier vorhandene Daten rückwirkend ausgewertet wurden, müssen noch im Voraus geplante, prospektive Studien folgen, um das Studienergebnis weiter abzusichern. 

Schlaganfall aktiv vorbeugen 

Zu einer "gefäßgesunden" Lebensweise gehören folgende Elemente: 

1. Ausreichende Bewegung

Ausreichende Bewegung ist schon mal die halbe Miete. Das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt, wodurch wiederum die Wahrscheinlichkeit für Thrombosen, welche einen Schlaganfall auslösen können, verringert wird.

Ein guter Maßstab sind ca. 30 Minuten Sport pro Tag. Dabei gilt auch: versuchen Sie so gut wie möglich zusätzliche Bewegung in den Alltag einzubauen, indem Sie beispielsweise Treppen steigen, mit dem Fahrrad fahren oder das Auto extra weiter weg parken. Besonders Ausdauersport, wie Wandern, Tanzen oder Gymnastik, wirken sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus und erhöhen dessen Belastbarkeit. 

2. Übergewichtig reduzieren

Übergewicht ist ein zentraler Risikofaktor für Schlaganfälle. Durch Übergewicht werden die Blutzucker-, Blutfett- und Cholesterin-Werte negativ beeinflusst. Zusätzlich führt Übergewicht zu einem erhöhten Blutdruck. All diese Punkte begünstigen Thrombosen. Indem Sie Übergewicht reduzieren, sinken direkt der Blutdruck sowie das Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte.

3. Faktoren wie Nikotin oder Alkohol reduzieren

Beide Substanzen gelten als Risikofaktoren für Schlaganfälle. Minimieren Sie solche Faktoren, haben Sie schon viel gewonnen. Alkohol und Nikotin führen beide zu Gefäßverengung, höherem Puls und zu einer veränderten Blutgerinnung, was die Bildung von Thrombosen erleichtert. 

4. Stress reduzieren

Jeder Mensch geht anders mit Stress um und hat andere Bedürfnisse. Deshalb gilt: achten Sie auf Ihr eigenes Stressempfinden und darauf, was Ihrem Körper und Ihrer Psyche am besten tut.