Zwei ganze Wochen zu Hause bleiben und niemanden treffen - weil Coronavirus-Verdacht besteht - dieses "Vergnügen" hatten bislang schon Tausende von Familien. Vor allem mit kleinen Kindern im Kindergarten- oder Grundschulalter kann das Ausgangsverbot mit heftigen Nebenwirkungen verbunden sein. Geschwister, die sich nur noch streiten, blank liegende Nerven bei den Eltern.

Die Familie im Ausnahmezustand

Die Situation, dass ganze Familien plötzlich gezwungen sind, zu Hause zu bleiben, ist sehr belastend. "Das ist ein echter Ausnahmezustand - und zwar für alle Beteiligten", so Antonia Schoneweg, Psychologin am Altonaer Kinderkrankenhaus. "Ablenkung von außen durch Freunde, im Sportverein oder Veranstaltungen entfällt vollständig. Dadurch ist jede Familie auf sich selbst angewiesen, untereinander ist also viel Rücksichtnahme und Langmut gefordert."

Untereinander ist viel Rücksichtnahme und Langmut gefordert.

Vielfach sorgt auch die Schule daheim zusätzlich für Stress. Mütter wie Väter haben von zu Hause aus für ihre Jobs zu tun, versuchen aber auch als Home-Lehrer im Blick zu behalten, welche Aufgaben der Nachwuchs online erledigten muss. Wenn sie Druck machen oder auf Zeitfenster beharren, innerhalb derer die Hausaufgaben gemacht werden sollten, beißen sie oft auf Granit. "Ich mach das schon noch" oder "Das ist gar nicht so dringend" sind beliebte Hinhalte-Taktiken.

Ein Stundenplan muss her

"Um in dieser besonderen Situation für ein wenig Entlastung zu sorgen, kann ein Extra-Stundenplan für zu Hause helfen", erklärt Psychologin Antonia Schoneweg. "Das bringt verlässliche Struktur in den Tag, zusätzlich lassen sich so auch Zeiträume für besonders schöne Aktivitäten reservieren." Wenn nicht nur zuverlässig Schularbeiten erledigt werden sollen, sondern auch Zeit frei ist für gemeinsames Kochen am Mittag oder eine Sporteinheit via Youtube, sollte all das im Stundenplan vorkommen. Ebenso gehören Entspannungszeiten (dann ist Abhängen erlaubt), Hörbuch hören, Medienzeiten (an Rechner oder Handy) mit auf den Plan.

Um einvernehmlich zu einer guten Tagesstruktur zu kommen, sollte der Plan gemeinsam befüllt werden. Im Austausch über die jeweiligen Bedürfnisse wird dann auch deutlich: Mama und Papa haben auch für ihre Jobs zu tun, sie benötigen ebenfalls Zeit, um in Ruhe zu telefonieren oder am Rechner zu arbeiten. Mit Schulkindern kann festgelegt werden, welche aufgetragenen Arbeiten wann dran sind, parallel begeben sich auch die Eltern an die Arbeit. 

Zusammen in die Küche und jeder übernimmt einen kleinen Part. 

Feste Essenszeiten helfen dabei, die Tage strukturiert zu bewältigen. Nach dem Aufstehen und gemeinsamen Frühstück kann der Tag starten. Wenn zunächst für alle "Arbeitszeit" im Stundenplan steht, kann danach zusammen das Mittagessen zubereitet werden. Der Nachwuchs  kann jetzt gern mit Verantwortung übernehmen. Davon profitieren alle: Vielleicht wagen Sie es einfach mal, dass die Kinder ihr Wunschessen zubereiten. Oder es geht zusammen in die Küche und jeder übernimmt einen kleinen Part. Backen, Kochen, den Tisch schön decken - ohne Verabredungen, die uns im Nacken sitzen,  haben wir womöglich Zeit für diese Dinge.

Spaß (nicht nur) für die ganz Kleinen

Gemeinsam etwas Neues lernen

Einfach nur Spielen oder nix tun ist unbedingt ein ernst zu nehmender Wunsch. Auch dafür sollte es immer Zeit geben. Ist wirklich Quarantäne angesagt, muss Bewegung (leider) ebenfalls in den eigenen vier Wänden stattfinden. Wenn Sie einen Garten haben, ist das ein Riesenglück und die Kinder können sich draußen austoben. Bewegung baut Anspannung und Stress ab - was sich aber auch mit Ausgangsverbot erreichen lässt. Über Fitnessanleitungen der TK ist Sport aller Art möglich: Hier finden Sie zum Beispiel Workouts für zu Hause , Koordinationsspiele  extra für Kinder und Yoga-Anleitungen

Wenig Platz ist keine Ausrede, denn für viele Übungen braucht man kaum Raum. Entspannungsübungen auszuprobieren, kann gut helfen, den Abend einzuläuten. Man schläft viel besser, wenn die notwendige Ruhe dafür hergestellt wurde.

Warum nicht gemeinsam eine neue Sprache lernen?
Ein regelrechtes Erfolgserlebnis kann sein, wenn Eltern und Kinder gemeinsam etwas Neues ausprobieren. Warum nicht über eine App eine neue Sprache lernen? Für den nächsten Urlaub könnte es doch hilfreich sein, wenn man einfache Sätze beispielsweise in Spanisch beherrscht. Oder: Tanzschritte einstudieren, Gitarrengriffe lernen, so wie die Kinder einmal Flöte spielen üben. Oder mal ganz abwegige Dinge ausprobieren: Wer kann mit beiden Händen gleich schnell und gut schreiben? Wer kann sich die meisten Dinge von der gerade geschriebenen Einkaufsliste merken? Garantiert entdecken Sie ganz neue Talente. 

Im Außenkontakt bleiben

Den Austausch mit Freunden, Treffen mit ihnen vermissen wir alle am meisten. Ermöglichen Sie Ihrem Kind daher virtuelle Begegnungen - über Videotelefonie oder Internet. Das Gefühl, in Kontakt bleiben zu können, ist unverzichtbar. Es stärkt außerdem das Gemeinschaftsgefühl. Alle sitzen übrigens im gleichen Boot, daher kann zu Hause auch vieles gemeinsam angepackt werden: Natürlich können Kinder schon helfen, wenn geputzt oder renoviert wird, der Garten hergerichtet oder auf dem Balkon ein Beet angelegt werden soll. Kleine Kinder fangen klein an, größere Kinder dürfen mehr Verantwortung übernehmen. Wofür sonst nie Zeit ist, hat übrigens jetzt endlich ein Chance. Sie haben Hunderte von Fotos auf dem Handy oder dem Rechner und schaffen es nie, ein Fotobuch in Angriff zu nehmen? Dann binden Sie in diese Tätigkeit ihre Kinder ein. Welches Album hätten sie gern in gedruckter Version, mit welchen Fotos soll es befüllt sein? Wenn ausschließlich Handy-Fotos verarbeitet werden können, ist auch das kein Problem. Es gibt einfach zu bedienende Apps, über die Fotobücher fertiggestellt werden können.