Wenn ein Tinnitus länger als drei Monate andauert, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Bei vielen Menschen bleibt die Ursache für die Ohrgeräusche unbekannt. Dies erschwert eine gezielte Behandlung. Zwar wurden schon viele Therapien ausprobiert und teilweise auch wissenschaftlich untersucht. Die meisten bisherigen Studien waren aber nicht aussagekräftig genug, um sagen zu können, ob es Behandlungen gibt, die die Ohrgeräusche lindern können.

Das bedeutet nicht, dass man einem Tinnitus hilflos ausgesetzt ist. Da Behandlungen auch Nebenwirkungen haben können, ist es nicht sinnvoll, alle erdenklichen Therapien auszuprobieren. Für viele Menschen ist es vor allem wichtig, Wege zu finden, sich mit den Ohrgeräuschen zu arrangieren und sie im Alltag als weniger störend zu erleben.

Studien zur kognitiven Verhaltenstherapie bei Tinnitus

Mehrere Studien liefern Hinweise darauf, dass eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) die Lebensqualität von Menschen mit Tinnitus verbessern kann. Sie hilft, mit dem Tinnitus besser zurechtzukommen und kann auch mögliche depressive Beschwerden lindern. Die Ohrgeräusche selbst lassen sich durch eine KVT jedoch nicht beseitigen. Wie lange die Wirkung der Therapie anhält, ist allerdings unklar, denn die meisten Studien dauerten nur bis zu einem Jahr.

Die KVT ist eine psychologische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Techniken, die dabei helfen, besser mit einem Problem umzugehen.

Bezogen auf einen Tinnitus wird in der KVT angenommen, dass die Belastung weniger von der Lautstärke der Ohrgeräusche abhängt als davon, wie man damit umgeht. Studien zeigen, dass es tatsächlich nur einen geringen Zusammenhang zwischen der Stärke des Tinnitus und der Belastung durch die Erkrankung gibt.

In der Therapie wird zunächst nach Gedanken oder Verhaltensweisen gesucht, die das Leben mit dem Tinnitus erschweren. Im nächsten Schritt geht es darum, diese zu verändern.

Menschen mit chronischem Tinnitus können eine KVT von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet bekommen, wenn sie stark darunter leiden oder der Tinnitus im Zusammenhang mit einer anderen Erkrankung auftritt, zum Beispiel einer Depression. Wer eine kognitive Verhaltenstherapie ausprobieren möchte, wendet sich am besten an eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten mit verhaltenstherapeutischer Ausbildung.

Wann ist ein Hörgerät sinnvoll?

Wenn ein Tinnitus mit einem Hörverlust einhergeht, kann ein Hörgerät sinnvoll sein. Es verstärkt die Schallwellen, die das Ohr erreichen, sodass man wieder besser hören und Gesprächen folgen kann. Manche Fachleute vermuten, dass das bessere Hören die Tinnitus-Geräusche überdeckt und sie deshalb als weniger störend empfunden werden.

Behandlungen ohne Wirksamkeitsnachweis

Zu den Tinnitus-Behandlungen, deren Wirksamkeit bisher nicht nachgewiesen wurde, gehören

  • Akupunktur
  • Antidepressiva: Hierzu gehören zum Beispiel trizyklische Antidepressiva und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Sie können Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Kreislaufprobleme haben und die sexuelle Lust dämpfen.
  • Elektromagnetische Stimulation: Hierbei sollen mithilfe von Elektromagneten die Nervensignale im Gehirn beeinflusst werden, die für einen Tinnitus verantwortlich sind. Ein Beispiel ist die sogenannte repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS), bei der eine Magnetspule auf die Kopfhaut aufgesetzt und ein Magnetfeld erzeugt wird. Allerdings fehlen noch überzeugende Studien, dass die Behandlung wirkt.
  • Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation, autogenes Training oder Yoga.
  • Epilepsie-Medikamente: Zu ihnen gehört unter anderem das Medikament Gabapentin. Mögliche Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit und Schwindel, langfristig auch Gewichtszunahme.
  • Ginkgo biloba: Mehrere Studien mit insgesamt über 1000 Teilnehmenden konnten nicht nachweisen, dass das Mittel Tinnitus-Beschwerden lindern kann. Ginkgo kann aber Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Beschwerden oder allergische Reaktionen haben. Es kann auch zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen – zum Beispiel kann Ginkgo die Wirkung von Blutverdünnern verstärken, was Blutungen auslösen kann.
  • Hyperbare Sauerstofftherapie: Dabei wird in einer Überdruckkammer reiner Sauerstoff eingeatmet. So soll der Sauerstoff besser zu den Ohren und zum Gehirn transportiert werden. Diese Behandlung wird vor allem bei Personen mit Tinnitus und gleichzeitigem Hörverlust ausprobiert.
  • Hypnose: Mit dieser Technik können Menschen in einen Zustand tiefer Entspannung versetzt werden, indem sie eine andere Bewusstseinsebene erreichen. Die Therapeutin oder der Therapeut versucht dann durch Suggestionen, die Wahrnehmung der Ohrgeräusche zu verändern.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Für Nahrungsergänzungsmittel wie bestimmte Vitamine oder Zink ist nicht belegt, dass sie einen Tinnitus lindern können.
  • „Tinnitus-Masker“ und „Tinnitus-Noiser“: Diese Geräte geben ein leises Geräusch ab, normalerweise ein Rauschen. Ein Tinnitus-Masker soll den Tinnitus überdecken, während ein Tinnitus-Noiser ihn in andere Geräusche einbetten soll, damit er weniger penetrant ist. Sie werden wie ein Hörgerät getragen. Um für eine Geräuschkulisse zu sorgen, die den Tinnitus unterdrückt, kann man aber zum Beispiel auch Aufnahmen von Meeresrauschen abspielen oder einen Zimmerspringbrunnen aufstellen.
  • Frequenzgefilterte Musik: Spezielle Smartphone-Apps verändern die Frequenz der Musik beim Abspielen über das Handy anhand der persönlichen Tinnitus-Frequenz. Durch das Hören von Musik mit der App für ein bis zwei Stunden am Tag soll die Tinnitus-Lautstärke abnehmen.