Eine akute Lungenembolie ist eine lebensbedrohliche Situation. Versagt das Herz, erleidet der Betroffene einen kardiogenen Schock. Bis es dazu kommt, können zum Teil Monate vergehen. Vorboten wie die Beinvenenthrombose bleiben häufig lange Zeit unerkannt. Die Rückfallquote ist hoch: Jeder dritte Betroffene erkrankt mehr als einmal an einer Lungenembolie. 

Wanderndes Gerinnsel

Besteht bereits ein Blutgerinnsel im unteren Körperbereich wie Bein oder Becken, können sich Teile davon lösen und über die Blutbahn zum Herzen und anschließend zur Lunge gelangen. Dort verstopfen sie ein oder mehrere Blutgefäße. Der dadurch entstehende Druck belastet das Herz und kann zum Herzstillstand führen.

Notfall erkennen

Der Gefäßverschluss schneidet Teile der Lunge von der Blut- und Sauerstoffversorgung ab. Je nachdem, wie groß der betroffene Bereich ist, äußern sich die Beschwerden kaum oder in einem plötzlich auftretenden Schock (fulminante Lungenembolie). 

Folgende Symptome können auftreten:    

  • Erschwerte Atmung und Luftnot
  • Schmerzen beim Ein- und Ausatmen
  • Schmerzen in der Brust
  • Herzrasen
  • Heftiger Husten, gegebenenfalls mit blutigem Auswurf
  • Fieber und Schweißausbrüche
  • Todesangst

Viele Betroffene leiden zusätzlich zur Lungenembolie unter einer Beinvenenthrombose. Dabei schwillt das Bein plötzlich an, schmerzt oder verfärbt sich bläulich. Bei etwa einem Drittel wird die Thrombose bereits vor der Embolie diagnostiziert.

Handeln im Notfall

Versagt der Kreislauf, rufen Sie umgehend den Notarzt. Achten Sie in der Zwischenzeit darauf, dass sich der Betroffene so wenig wie möglich bewegt. Damit er bestmöglich Luft bekommt und das Herz entlastet wird, können Sie seinen Oberkörper hochlagern. Droht ein Herz-Kreislauf-Stillstand, beginnen Sie mit einer Herzdruckmassage.

Ihren Beschwerden auf der Spur

Eine akute Lungenembolie erfordert eine schnelle und genaue Diagnose. Mithilfe der Computertomografie (CT-Angiografie) kann der Arzt ein detailliertes Bild der Lungengefäße erstellen und umgehend mit der Behandlung beginnen.

Ein milderer Verlauf erschwert die Diagnose. Die Symptome können weiteren Erkrankungen wie zum Beispiel einer Herzinsuffizienz ähneln. Der Arzt befragt Sie deshalb ausführlich zu Ihrer Krankheitsgeschichte und achtet dabei auf frühere Thrombosen, Lungenembolien und Operationen. Anschließend horcht er Ihre Lunge ab und überprüft den Blutdruck.

Um weitere Krankheiten auszuschließen, stehen dem Arzt verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Blutuntersuchung: Sauerstoff- und Kohlendioxydgehalt im Blut geben Aufschluss darüber, ob der Gasaustausch in der Lunge funktioniert.
  • D-Dimer-Test: Er zeigt an, ob der Körper gerade versucht, ein Blutgerinnsel aufzulösen. Dabei entstehen Nebenprodukte eines bestimmten Eiweißes, sogenannte D-Dimer. Werden keine D-Dimere im Blut nachgewiesen, ist eine Lungenembolie unwahrscheinlich. 
  • Echokardiogramm: Es zeichnet die verstärkte Arbeit des Herzmuskels auf.
  • Echokardiografie: Mithilfe der Ultraschalluntersuchung überprüft der Arzt die Herzfunktion und kann Herzkrankheiten wie zum Beispiel einen Perikarderguss ausschließen. 
  • Lungenszintigrafie: Die nuklearmedizinische Untersuchung wird bei Betroffenen mit einer Kontrastmittelunverträglichkeit alternativ zur CT-Angiografie durchgeführt. Sie zeigt, wie gut Ihre Lunge durchblutet beziehungsweise belüftet ist. 
  • Doppler- oder Duplex-Sonografie: Eine Ultraschalluntersuchung der Beinvenen ermöglicht es, den Blutfluss in den Beinvenen zu beurteilen und eine mögliche Beinvenenthrombose zu entdecken.

Therapie mit Gerinnungshemmern

Ziel der Behandlung ist es, Ihnen die Schmerzen zu nehmen und das Gerinnsel aufzulösen. Außerdem soll verhindert werden, dass das Gerinnsel weiter wächst oder neue entstehen.

Bei der Wahl der optimalen Therapie orientiert sich der Arzt am Schweregrad der Lungenembolie:

  • Heparin: Unser Körper verfügt über ein eigenes gerinnungshemmendes System. Bei einem milderen Verlauf kann ein gerinnungshemmendes Mittel wie Heparin den Körper dabei unterstützen, das Gerinnsel aufzulösen. Die Behandlung dauert etwa sieben bis zehn Tage. Im Anschluss nehmen Sie gerinnungshemmende Wirkstoffe für drei bis sechs Monate in Tablettenform ein. 
  • Lyse-Therapie: Bei schweren Verläufen kann der Arzt Ihnen ein Medikament spritzen, das das Blutgerinnsel auflöst. Im Anschluss setzt er die Behandlung mit einem gerinnungshemmenden Medikament fort.
  • Zerkleinerung mittels Katheter: Alternativ kann der Arzt einen Katheter über die Vene zum Gerinnsel führen und es mechanisch zerkleinern. Diese kleinen Teile kann der Körper meist selbst auflösen.
  • Operation: Eine operative Entfernung des Blutgerinnsels (pulmonale Embolektomie) wird der Arzt erst dann in Erwägung ziehen, wenn keine der vorher genannten Behandlungsmaßnahmen infrage kommt. 

So beugen Sie vor

  • Bewegen Sie sich. Ein Mangel an Bewegung kann dazu führen, dass das Blut langsamer fließt und Gerinnsel entstehen.
  • Vermeiden Sie langes Sitzen, zum Beispiel während einer längeren Flugreise. 
  • Versuchen Sie auch bei Bettlägerigkeit, mehrmals täglich aufzustehen. Ist das nicht möglich, lagern Sie Ihre Beine zeitweise hoch. Dadurch regen Sie den Blutfluss an.
  • Werden Sie Nichtraucher. Vor allem in Kombination mit der Pille kann es zu einem erhöhten Thromboserisiko kommen.
  • Trinken Sie ausreichend, um nicht zu dehydrieren.
  • Tragen Sie nach Operationen und auf Reisen, bei denen Sie längere Zeit sitzen müssen, Kompressionsstrümpfe.