In Deutschland leiden über 12 Millionen Menschen an einem sogenannten Reizdarm. Bis zur Diagnose ist es meist ein langwieriger Prozess, was dazu führen kann, dass sich Betroffene nicht ernst genommen fühlen. Die gute Nachricht: Ist die Diagnose Reizdarmsyndrom erst einmal gestellt, lassen sich die Symptome gut behandeln. 

Wo und wie drückt der Darm?

Fachärzte unterscheiden drei Typen des Reizdarmsyndroms: Die Betroffenen leiden entweder hauptsächlich unter Durchfall oder unter Verstopfung oder unter beidem abwechselnd.

Hinzukommen können Symptome wie:

  • mittlere bis starke Bauchschmerzen
  • ein allgemeines Unwohlsein
  • Blähungen 
  • Völlegefühl nach den Mahlzeiten
  • Rücken- und Gelenkschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • häufige dünnflüssige Darmentleerungen
  • nachlassende Beschwerden nach dem Stuhlgang
  • ein sichtbarer Blähbauch
  • Schleimbeimengungen im Stuhl
  • Gefühl der unvollständigen Stuhlentleerung

Achtung!

Sollten weitere Beschwerden hinzukommen, etwa ein plötzlicher Gewichtsverlust oder Blut im Stuhl, wenden Sie sich bitte umgehend an Ihren behandelnden Arzt. Es könnte sich um erste Anzeichen einer schwerwiegenderen Darmerkrankung wie etwa Darmkrebs handeln.

Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall 

Es gibt bislang keine Untersuchung, die ein Reizdarmsyndrom sicher nachweisen kann. Ihr Arzt stellt die Diagnose deshalb mittels Ausschlussverfahren.

Zunächst befragt er Sie ausführlich zu Ihrem Krankheitsverlauf. Dabei können erfolgte Operationen, Ihre Familiengeschichte und seelische Aspekte eine Rolle spielen. Wichtig ist für ihn auch, wann Ihre Symptome auftreten und wie stark diese ausgeprägt sind. 

Anschließend tastet er Ihren gesamten Bauchraum ab, um den Schmerz zu lokalisieren und eventuell Verhärtungen festzustellen.

Folgende Untersuchungen können außerdem zur Diagnosestellung beitragen:

  • Mithilfe einer Darmspiegelung untersucht der Arzt Ihren Dickdarm von innen und kann krankhafte Veränderungen wie Ausstülpungen, sogenannte Divertikel, oder Entzündungen ausmachen. 
  • Mittels Ultraschall kann er Veränderungen der Gallenblase, Leber und Bauchspeicheldrüse überprüfen.
  • Ob eine Entzündung im Körper vorliegt, können verschiedene Labortests zeigen, zum Beispiel eine Blut- oder eine Urinuntersuchung. 
  • Sind die Befunde negativ, können Tests auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten, zum Beispiel vonMilchzucker-, infrage kommen. 
  • Bei Frauen werden häufig zusätzlich gynäkologische Untersuchungen notwendig, um Erkrankungen der Eierstöcke oder der Gebärmutter auszuschließen.
  • Eine Stuhluntersuchung gibt Aufschluss darüber, ob eventuell Bakterien oder Darmparasiten die Entzündung verursachen. 

Lebensqualität

Je nachdem, wie stark das Reizdarmsyndrom ausgeprägt ist, kann es die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinflussen. 

Für die Behandlung kombiniert der Arzt verschiedene Maßnahmen und orientiert sich an den Hauptauslösern:

  • Treten die Symptome vorrangig nach dem Essen auf, kann eine Ernährungsberatung sinnvoll sein. Hier erfahren Sie, welche Lebensmittel das Verdauungssystem belasten, und können diese künftig vermeiden. 
  • Kommen Sie im Alltag selten zur Ruhe, empfiehlt Ihr Arzt Ihnen Entspannungstechniken gegen Stress, etwa Autogenes Training. Liegen psychische Belastungen vor, kann eine Psychotherapie sinnvoll sein. Bessern sich die Beschwerden daraufhin nicht, kann der Arzt Ihnen ein leichtes Antidepressivum verschreiben. 
  • Je nach Art der Beschwerden können kurzfristig Medikamente gegen Durchfall oder Verstopfung zum Einsatz kommen. Krampflösende Mittel oder lösliche Ballaststoffe können helfen, den Bauch zu entspannen und Schmerzen zu lindern. Hochdosierte Probiotika in Kapsel- oder Pulverform können das darmeigene Immunsystem unterstützen.

Geduld und Flexibilität zahlen sich aus

Bis eine spürbare Besserung eintritt, können vier bis sechs Wochen vergehen. Eventuell muss in dieser Zeit die Therapie noch einmal überprüft und angepasst werden.

Tipps für ein gutes Bauchgefühl

Bei einem Teil der Betroffenen verschwindet das Reizdarmsyndrom nach einiger Zeit von selbst wieder, andere begleitet es ein Leben lang. Mit einer gesunden Lebensweise und einer ausgewogenen Ernährung können Sie selbst viel für Ihren Darm tun:

  • Faser- und ballaststoffreiche Lebensmittel, zum Beispiel frisches Gemüse, fördern die Verdauung. Wenn Ihnen Vollkornprodukte nicht gut bekommen, können Sie auf Leinsamen oder Flohsamenschalen zurückgreifen. Diese harmonisieren die Verdauung und wirken Verstopfungen wie auch Durchfällen entgegen. 
  • Um herauszufinden, welche Nahrungsmittel Ihnen gut bekommen, können Sie ein Ernährungstagebuch führen. Die Ergebnisse können Sie anschließend mit Ihrem Arzt besprechen.
  • Schonen Sie Ihren Darm. Lebensmittel wie Kohlgemüse, Zwiebeln, Hülsenfrüchte oder auch scharfe Gewürze wirken blähend und können den Darm zusätzlich reizen.
  • Essen Sie entspannt. Lassen Sie sich Zeit und achten Sie außerdem darauf, jeden Bissen gut durchzukauen. So verdauen Sie bereits einen großen Teil des Essens im Mund vor und entlasten den Darm.

Vorsicht bei bestimmten Reizdarm-Diäten

Bislang gibt es keine aussagekräftigen Studien zu bestimmten Reizdarm-Diäten wie etwa der FODMAP-Diät, bei der Betroffene auf sogenannte fermentierbare, also vergärbare, Kohlenhydrate verzichten. Der Verzicht soll Blähungen und Durchfall entgegenwirken. Da viele wichtige Lebensmittel diese Kohlenhydrate enthalten, riskieren Betroffene einen Vitamin- und Mineralstoffmangel. Deshalb sollte die Diät nur für etwa vier bis sechs Wochen erfolgen und ärztlich begleitet werden.

  • Um den Darm und die Bauchmuskulatur zu entspannen, können Sie Ihren Unterbauch leicht massieren oder eine Wärmflasche nutzen. 
  • Achten Sie darauf, mindestens 2 Liter Flüssigkeit am Tag zu trinken, um eine gesunde Darmfunktion zu unterstützen und Verdauungsproblemen vorzubeugen. 
  • Bewegen Sie sich, zum Beispiel durch Ausdauersport wie Joggen oder Fahrradfahren. Das bringt den Darm sanft in Schwung und tut Ihren Muskeln und der Seele gut. Spezielle Sport-oder Entspannungskurse werden bis zu zweimal im Jahr von der Techniker Krankenkasse bezuschusst. 

Unterstützung bei Reizdarm

Austausch und Unterstützung finden Sie hier:

Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Krankheiten von Magen, Darm und Leber sowie von Störungen des Stoffwechsels und der Ernährung (Gastro-Liga) e.V.
Friedrich-List-Straße 13
35398 Gießen
Telefon: 0641 974810
E-Mail: geschaeftsstelle@gastro-liga.de
Homepage: www.gastro-liga.de

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.
Godesberger Allee 18
53175 Bonn
Telefon: 0228 3776600 
E-Mail: webmaster@dge.de
Homepage: www.dge.de 

Deutsche Reizdarmselbsthilfe e.V.
Postfach 70 02 18
60552 Frankfurt am Main 
Telefon: 069 71377886
E-Mail: info@reizdarmselbsthilfe.de
Homepage: www.reizdarmselbsthilfe.de