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Geburtsstunde des Impfens

Viele Jahrhunderte lang waren wir den hochansteckenden Variola-Pocken schutzlos ausgeliefert. Millionen Menschen starben während der Pockenepidemien. Dann machte der Landarzt Edward Jenner Ende des 18. Jahrhunderts eine bahnbrechende Entdeckung: Melkerinnen, die sich mit den harmlosen Kuhpocken angesteckt hatten, waren gegen Variola-Pocken immun. In Experimenten infizierte er Menschen gezielt mit dem infektiösen Sekret aus Kuhpocken, um sie ebenfalls zu immunisieren. Mit Erfolg: Der erste Impfstoff war geboren.

Geniales Prinzip

Impfungen beruhen auf den Mechanismen unseres Immunsystems: Erhält ein Mensch abgeschwächte oder abgetötete Erreger, bildet das Immunsystem Abwehrstoffe sowie Gedächtniszellen, die sich die Struktur des Erregers merken. Der Körper reagiert also, ohne ernsthaft zu erkranken, und ist dann gegen diesen Erregertyp gerüstet. Bei einer darauffolgenden Infektion werden die Immunzellen sofort aktiv und ermöglichen eine schnelle, effektive Abwehrreaktion des Körpers. Zahlreiche Impfstoffe schützen uns so vor Erkrankungen, die bis heute kaum oder gar nicht behandelbar sind.
 

Gewaltige Erfolge

Die neue medizinische Methode des Impfens setzte sich nach und nach durch. Im Jahr 1874 wurde das Reichsgesetz zur Pockenimpfung verabschiedet und die Bevölkerung konsequent durchgeimpft. Bemühungen der WHO brachten schließlich den Durchbruch: Seit 1980 sind Variola-Pocken weltweit ausgerottet. Darum werden wir heute nicht einmal mehr dagegen geimpft.

Viele weitere Impfstoffe folgten. Sie haben Erkrankungen weltweit den Kampf angesagt, die entweder tödlich verlaufen oder unter deren Folgen Betroffene ein Leben lang leiden. Hier einige Beispiele:

  • Polio - die Kinderlähmung  - betraf Anfang der 1960er Jahre noch mehr als 9.000 Menschen in der Bundesrepublik. Unter dem Motto "Schluckimpfung ist süß - Kinderlähmung grausam" startete eine große Impfaktion. Heute gilt die Welt als fast poliofrei. Nur noch in wenigen Ländern, beispielsweise Afghanistan und Pakistan, tritt Kinderlähmung weiterhin auf.
  • Tetanus , auch bekannt als Wundstarrkrampf, kann zu Lähmungen bis hin zum Tod führen. In Deutschland tritt die Krankheit fast nur noch bei älteren Menschen auf. Bei ihnen ist die Impfrate niedrig, außerdem lässt der Impfschutz nach einigen Jahren nach und muss aufgefrischt werden. Von 1988 bis 2015 sank die Zahl der weltweiten Todesfälle von Neugeborenen aufgrund von Tetanus um 96 Prozent.
  • Masern waren früher für jährlich etwa 2,6 Millionen Todesfälle weltweit verantwortlich. Durch Impfkampagnen konnte zwischen 2000 und 2018 gut 23,2 Millionen Kindern das Leben gerettet werden.
  • Gebärmutterhalskrebs : Dank HPV-Impfung sind Infektionen mit krebserregenden HP-Viren bei jungen Frauen zwischen 13 und 19 Jahren um 83 Prozent und bei Frauen im Alter von 20 bis 24 Jahren um 66 Prozent gesunken.

Unter Impfungen für Jung und Alt finden Sie einen Überblick über weitere wirksame Impfungen, zum Beispiel gegen Diphtherie, Keuchhusten und Röteln. Große Hoffnung liegt außerdem auf der Forschung an weiteren Impfstoffen, etwa gegen HIV, Malaria, Alzheimer, Multiple Sklerose sowie Allergien.

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