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Für " TK Smart Relax " stellt Valerie Husemann künftig alle 14 Tage unterschiedliche Entspannungs- und Meditationstechniken vor.

Liebe Valerie, du bist selbstständiger Achtsamkeits- und Mindset-Coach, machst einen Podcast und bist gleichzeitig auch sehr aktiv auf Social Media. Klingt nach einem Fulltime-Job. Wie schaffst du es trotzdem, so ausgeglichen und voller Power zu bleiben?

Das klappt so gut, weil ich mit sehr viel Energie und Leidenschaft hinter all diesen Projekten stehe. Um stets in Balance zu bleiben und meine Akkus wieder aufzuladen, helfen mir außerdem Achtsamkeit und kleine Auszeiten. Im Alltag ist dabei Meditation ein großer Anker für mich. Ich meditiere wirklich jeden Tag - mal lange, mal kurz eben in der Mittagspause. So gönne ich mir kleine Momente, in denen ich innehalten und reflektieren kann. Was mir auch hilft: Spaziergänge im Wald oder Journaling.

Was versteht man unter Journaling?

Journaling funktioniert so ähnlich wie Tagebuchschreiben, aber nicht im klassischen Sinne. Statt zu notieren, was man am Tag erlebt hat, stellt man sich täglich, wöchentlich oder monatlich bestimmte Fragen über das eigene Leben oder schreibt auf, wofür man dankbar ist. Gerade das Gefühl von tiefer Dankbarkeit hat mein Leben verändert. Es ist so kraftvoll, dass es uns dabei hilft, unsere Wahrnehmung für die positiven Aspekte im Leben zu schärfen. Beim Journaling bekomme ich den Kopf frei, und es hilft mir, Zusammenhänge besser zu verstehen oder Gefühle einzuordnen. Ich denke, dass sich jeder dabei besser und tiefer kennenlernen kann und nebenbei die eigene Achtsamkeit trainiert.

Apropos Achtsamkeit: ein großer Begriff. Was verbirgt sich deiner Meinung nach dahinter?

Für mich bedeutet Achtsamkeit, jeden Moment mit allen Sinnen wirklich und voll wahrzunehmen. Vergangenheit und Zukunft rücken in den Hintergrund. Was passiert im Hier und Jetzt? Wie fühle ich mich gerade? Was für Gedanken sind in meinem Kopf, und woher kommen sie? Aber Achtsamkeit geht noch viel tiefer: Wir können nicht nur achtsam mit uns selbst umgehen, sondern auch mit anderen Menschen oder mit der Natur und ihren Ressourcen. Im Alltag erledigen wir viele Dinge völlig automatisiert. Gewohnheiten bestimmen unser Leben. Wir sind oft nicht richtig bei der Sache und laufen wie mit Scheuklappen durch die Welt. Mit Achtsamkeit können wir diese Verhaltensmuster durchbrechen. Unsere Körper senden uns permanent Signale. Wir müssen nur lernen, wieder zuzuhören.

Sind Gewohnheiten denn per se etwas Schlechtes, oder können Rituale auch hilfreich sein?

Ja, Rituale können den Alltag unglaublich bereichern. Es geht gar nicht darum, auf unsere Gewohnheiten zu verzichten, sondern sie Schritt für Schritt zu transformieren. Ein Beispiel: beim nächsten Spaziergang, einfach mal das Handy in den Flugmodus schalten und ganz bewusst die eigenen Schritte, die Luft und die Umgebung um einen herum wahrnehmen. Bereits so kleine Achtsamkeitsmomente haben eine große Wirkung.

Wie kann man sich deinen Beruf vorstellen: Was macht man als Achtsamkeitscoach?

Der Beruf ist so vielseitig wie ein kunterbunter Blumenstrauß. Ich mache Livestreams und Workshops, in denen ich andere Menschen durch Meditationen und verschiedene Achtsamkeitsübungen führe. Ich gebe Einzelcoachings, bei denen ich zeigen möchte, wie einfach sich Achtsamkeit im Alltag einbauen lässt. Und dann gibt es ja noch Instagram und meinen Podcast. Hier möchte ich noch weitere Tipps geben und Impulse setzen.

Instagram und Achtsamkeit - wie passt das zusammen?

Social Media und Achtsamkeit schließen sich nicht gegenseitig aus. Es kommt eben darauf an, wie und wie oft wir soziale Medien nutzen. Auch das geht achtsam. Frage dich beispielsweise jedes Mal, wenn du dein Smartphone in die Hand nimmst, welche Intention dahintersteckt. Oft ist es nämlich so, dass wir ganz unbewusst zum Handy greifen und dann gedankenlos durch Instagram und Facebook scrollen. Beim Thema Instagram kann ich außerdem empfehlen, mal richtig "aufzuräumen". Frage dich: Wem folgst du und warum? Was oder wer gibt dir ein gutes Gefühl, und bei welchen Inhalten fühlst du dich eher weniger gut? Das Aussortieren hat einen ähnlichen Effekt wie das Ausmisten des eigenen Kleiderschranks: Es ist befreiend. Und natürlich ist es auch sehr erholsam, einige Tage auf Social Media zu verzichten und eine Digital-Detox-Phase einzulegen.

Immer mehr Menschen heutzutage klagen über zu viel Stress. Hast du eine Erklärung dafür?

Ich habe das Gefühl, dass Stress zu einer Art Statussymbol geworden ist. Quasi: Wenn du wirklich gestresst bist, bist du auch erfolgreich. Das ist eine Entwicklung in unserer Gesellschaft, die ich sehr erschreckend finde. Genauso wie den heutigen Umgang mit Stress: Es ist völlig normal geworden, die Warnsignale des eigenen Körpers und der Seele einfach zu ignorieren. Das sollte und muss auch nicht so sein. Mit Achtsamkeit kann man sich davor schützen und einen anderen Blickwinkel gewinnen.

Zu dieser Erkenntnis bist du auch vor ein paar Jahren gekommen. Wie kam es zu diesem Wendepunkt, und was hast du vorher gemacht?

Ich war in der Modebranche tätig und kam fast immer total geschlaucht, müde und kraftlos nach Hause. Ich dachte ständig, dass ich nicht stark genug bin und nicht hart genug arbeite. Ich war in einem Gedankenkarussell gefangen und wusste: So geht es nicht weiter, es muss sich etwas verändern, sonst komme ich hier nicht mehr raus. Ich habe dann viel über Achtsamkeit gelesen und mir viele große Fragen gestellt: Wer bin ich? Wie möchte ich mich fühlen? Wie bin ich da hingekommen, wo ich bin? Dann hat es irgendwann klick gemacht und mir eine neue Welt eröffnet.

Kann man Achtsamkeit eigentlich trainieren?

Achtsamkeitstraining ist nicht wie Muskeltraining. Es geht nicht um Leistung, sondern um Selbstverwirklichung und die Erweiterung des eigenen Bewusstseins. Dafür gibt es eben Tools und Methoden wie beispielsweise das Meditieren.

Achtsamkeitstraining ist nicht wie Muskeltraining. Es geht nicht um Leistung, sondern um Selbstverwirklichung und die Erweiterung des eigenen Bewusstseins.

Glaubst du, Meditation eignet sich für jeden Menschen?

Ja, aber ich kann Hemmungen durchaus verstehen. Ich habe mich früher auch immer gefragt: Wie soll das gehen - sich hinsetzen und an nichts denken? Als ich es dann selbst ausprobiert habe, habe ich schnell gemerkt, dass es beim Meditieren nicht darum geht, "nichts zu denken". Ganz im Gegenteil: Es geht darum, sich bewusst Zeit für sich selbst zu nehmen und sich intensiv mit den eigenen Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen. Das ist unglaublich spannend, schafft ein tiefes Verständnis für sich selbst und beugt zudem Stress vor."

Also machen wir mit Achtsamkeit auch etwas für die Gesundheit?

Ich denke schon, dass sich Achtsamkeit positiv auf die Gesundheit auswirkt. Nicht nur mental, sondern auch körperlich. Früher bin ich von einer Grippe in die nächste gerutscht. Und das nur, weil ich die Warnsignale meines Körpers überhört habe. Wer besser auf sich achtet, merkt rechtzeitig, wann es an der Zeit ist, einen Gang herunterzuschalten.

Wer besser auf sich achtet, merkt rechtzeitig wann es an der Zeit ist, einen Gang herunterzuschalten.

Hilft Achtsamkeit auch, das eigene Selbstbild zu stärken?

Durch Achtsamkeit richten wir den Blick nach innen, denn nur hier können wir Antworten finden, die uns wirklich weiterbringen. Nur wenn wir eine innere Harmonie herstellen, können wir das auch ausstrahlen und das Vertrauen in uns selbst stärken. Meiner Meinung nach hilft Achtsamkeit dabei, die eigenen Gedanken zu steuern und sie nicht mehr von anderen oder äußeren Umständen abhängig zu machen. Das stärkt auch die Selbstwahrnehmung.

Was empfiehlst du Achtsamkeitsanfängern?

Ganz alltägliche Situationen wie Zähneputzen oder Frühstücken bewusst zu gestalten. Achtsamkeitstraining soll sich nicht wie ein weiteres To-do anfühlen, sondern helfen, das eigene Mindset und die Herangehensweise zu verändern. Oder wie wäre es mit einer geführten Meditation? Einfach mal ausprobieren und stets der eigenen Intuition vertrauen.

Für "TK Smart Relax" stellt Valerie Husemann künftig alle zwei Wochen Achtsamkeitsübungen und Anti-Stress-Techniken vor.