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Der heute 56-Jährige studierte Theologe und Soziologe machte sich vor 20 Jahren mit einer Beratungsfirma selbstständig. Heute berät er vor allem Firmen aus der Automobilindustrie und im Gesundheitswesen bei der Entwicklung ihrer Organisation. 

Das Meditieren lernte Martin als 19-Jähriger während eines Trips nach Indien. Vier Wochen lang übte er dort Yoga und Meditation in einem christlichen Ashram. "Was für eine Meditation das genau war, weiß ich nicht mehr. Vermutlich angelehnt an die klassisch-buddhistische Meditation", erinnert er sich. Zurück zu Hause, hielt die entspannende Wirkung zwei Monate an, obwohl er nicht mehr trainierte. Doch dann holte ihn der stressige Alltag des Studiums wieder ein. "Erst dann hab ich an und zu wieder zum Meditieren hingesetzt - immer dann, wenn ich gemerkt hab, jetzt bin ich wirklich überreizt."
 

Martin Prangl (Foto: Sissi Furgler) Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Martin Prangl (Foto: Sissi Furgler)

Viele Jahre später regte ihn seine Frau an, wieder regelmäßig zu üben. Sie bildete sich zur Achtsamkeitstrainerin weiter und nahm an einer Schweigewoche teil. "Ich hab gedacht: Eine Schweigewoche - das wäre auch etwas für mich." Aber wo? Von der Kirche hatte er sich inzwischen gelöst. Er hörte sich unter Kollegen um. "Ich suchte etwas, wo niemand meint, zu wissen, wo es längs geht - etwas ohne Religion und Überbau." Schließlich lernte er ein Zen-Zentrum in der Nähe von Würzburg kennen, das ihn ansprach. Heute meditiert Martin dort zweimal im Jahr intensiv eine Woche lang in tiefem Schweigen.

Nichts in meinem Leben hat den Zugang zum Leben so verändert wie diese Praxis. Martin Prangl

Im Alltag geht es weniger streng zu. "Auf dem Sitzkissen meditiere ich nicht täglich", sagt er. "Aber kurz vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen. Ich liege im Bett und hab die Augen offen, folge meinem Atem und beobachte, wohin die Gedanken gehen. Ich versuche, mir bewusst zu werden, was ich denke, und in der Konzentration auf den Atem die Gedanken wieder gehen zu lassen. Wenn ich mir Sorgen mache, merke ich: Das sind nur meine Gedanken, das ist nicht die Realität." Die Erfahrung, seinen inneren Erzählungen nicht mehr folgen zu müssen, befreite ihn von Ängsten. 

Im Beruf ist er erfolgreicher zu zuvor. Von Zen spricht er dort nicht, allenfalls von Achtsamkeits- oder Konzentrationsübungen. Die empfiehlt er jedem, der Stress hat. Die intensive Form, die er selbst praktiziert, sei hingegen nur etwas für Menschen, die bereit seien, ihre eigenen Vorstellungen loszulassen.