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Unsere Gesundheit wird von verschiedensten Faktoren beeinflusst: Einige davon können wir selbst steuern, indem wir achtsam mit uns umgehen, uns gesund ernähren und ausreichend bewegen. Doch Einflüsse von außen, getrieben vom voranschreitenden Klimawandel, nehmen immer mehr Raum ein - und wirken sich so direkt auf unser Wohlbefinden aus.

Klimaschutz ist also quasi Gesundheitsschutz. Das findet auch Prof. Dr. Stefan Reuter. Er ist Chefarzt für Innere Medizin und Infektionskrankheiten und Mitbegründer von "Health for Future Düsseldorf", einer Initiative, die sich für Klima- und Gesundheitsschutz einsetzt.

Herr Prof. Dr. Reuter, wie genau wirkt sich das Klima auf unsere Gesundheit aus? 

Die Auswirkungen der Klimakrise sind in verschiedene Bereiche zu teilen. Sprechen wir als Erstes über den kontinuierlichen Temperaturanstieg. Dieser hat Auswirkungen auf die Jahreszeiten und bedingt so beispielsweise auch eine längere Pollensaison. Mittlerweile startet der Pollenflug etwa drei Wochen früher und dauert auch drei Wochen länger an. Das werden vor allem Asthmatikerinnen und Asthmatiker sowie Allergikerinnen und Allergiker deutlich zu spüren bekommen. Durch die Wärme fühlen sich außerdem Zecken in unseren Sphären deutlich wohler. Die Krankheiten, die durch Bisse entstehen können, werden sich also stärker verbreiten.

Mittlerweile startet der Pollenflug etwa drei Wochen früher und dauert auch drei Wochen länger an. Prof. Dr. Stefan Reuter

Auch Extremwetterereignisse nehmen im Zuge des Klimawandels zu. Welche Folgen kann das für uns haben?

Ja, auch Extreme nehmen zu. Wir haben kurzfristig sehr hohe Temperaturen, die die Gesundheit massiv beeinträchtigen können: Hitze löst Erschöpfung und Schwindel aus, bereits ab 20 Grad wird unser Schlaf weniger erholsam. Das führt zu vermehrter Reizbarkeit, zu vermindertem Denkvermögen und damit natürlich auch zu beeinträchtigter Arbeitsleistung. Im schlimmsten Fall können sehr hohe Temperaturen zum Hitzschlag und bis hin zum Tod führen.

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Besser schlafen

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Aber auch Naturkatastrophen gehören zu den unmittelbaren Folgen des Klimawandels: Dazu zählen Waldbrände, Wirbelstürme oder Starkregen mit Überschwemmungen, die wir 2021 erst hier in Deutschland erlebt haben. Diese Ereignisse können Obdachlosigkeit und Traumatisierungen mit sich bringen. Wie Sie sehen: Die Gesundheitsschäden durch den Klimawandel sind sehr drastisch.

Wenn wir also weitermachen wie bisher, wird es mehr Krankheiten und Todesfälle geben?

Absolut - und es wird so weitergehen. Die Welt wird sich erwärmen und die dramatischen Ereignisse im Sinne von Naturkatastrophen werden zunehmen. Dadurch könnten ganze Regionen unbewohnbar werden, was zu Bevölkerungswanderungen führen wird, was dann wiederum für sozialen Unfrieden sorgt.

Allein in den letzten 20 Jahren haben wir in Deutschland immer wieder neue Hitzerekorde deutlich über 40 Grad erlebt. Das gerät aber im Nachhinein immer wieder in Vergessenheit. In Hitzejahren sind im Schnitt rund 2.000 Menschen gestorben, während es sonst eher wenige Hunderte sind. Wir können diese Entwicklung zwar nicht komplett stoppen, müssen sie aber zumindest abmildern.

Wir sollten nicht nur Verantwortung für uns, sondern auch für unsere Mitmenschen und die Gesellschaft übernehmen. Prof. Dr. Stefan Reuter

Welche Menschen sind denn besonders gefährdet?

Vor allem diejenigen, die eh schon schwächer sind. Bei Hitze sind es zum Beispiel vor allem kleine Kinder, die mit hohen Temperaturen nicht gut umgehen können. Aber auch alte Menschen sind gefährdet. Das liegt daran, dass sie häufig kein Durstgefühl haben, was bei Hitze fatal sein kann. Eine weitere Risikogruppe sind Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, die durch ein angegriffenes Nervensystem nicht mehr die nötige Flexibilität haben, um auf Hitze zu reagieren. Aber auch Bluthochdruck-Patientinnen und Patienten müssen aufpassen und ihre Medikamente anpassen. Nicht zu vergessen ist die mentale Belastung, die mit der Hitze einhergeht und sich bei psychisch kranken Menschen natürlich doppelt hart auswirkt.

Wichtig ist: Die klimatischen Veränderungen machen das Leben vieler Menschen schwer. Die Folgen spüren auch Sportlerinnen und Sportler oder diejenigen, die im Freien arbeiten. Im Großen und Ganzen sind es ungefähr zwei Drittel bis drei Viertel unserer Bevölkerung, die unter Hitze leiden und Schaden nehmen können.

Wie können wir selbst aktiv werden und unsere Gesundheit schützen?

Wir können unsere Gesundheit durch unsere Lebensweise schützen, beispielsweise durch genügend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Außerdem sollten wir - gerade diejenigen mit Vorerkrankungen - regelmäßig zur Vorsorge gehen. Gleichzeitig ist es wichtig, stets über den Tellerrand hinaus in unser Umfeld zu blicken, gerade bei Extremwetter. Wie geht es den Nachbarn in der Hitzewelle? Wie kann ich darauf achten, dass die alten Menschen in meinem Umfeld ausreichend trinken? Wir sollten nicht nur Verantwortung für uns, sondern auch für unsere Mitmenschen und die Gesellschaft übernehmen.

Außerdem können wir uns natürlich sozial engagieren, die Klimapolitik weiter vorantreiben und das persönliche Verhalten umweltfreundlicher gestalten.

Das fällt vielen Menschen noch immer sehr schwer, weil sie denken, als Individuum wenig Einfluss nehmen zu können.

Stimmt, dabei können wir sehr konkret unseren eigenen CO2-Verbrauch berechnen und im Anschluss individuelle Maßnahmen ergreifen. Online gibt es Rechner zum Beispiel vom Umweltbundesamt, die mithilfe weniger Fragen die verschiedenen Lebensbereiche beleuchten. In Deutschland liegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von CO2 bei etwa neun Tonnen (das ist übrigens der zweithöchste Verbrauch weltweit, gleich hinter den USA). Ein Ziel könnte es ja schon mal sein, weniger als der Durchschnitt zu verbrauchen. Indem ich beispielsweise versuche, im Alltag an ein paar klimafreundlichen Stellschrauben zu drehen.

An welchen Stellschrauben denn ganz konkret, wo sehen Sie die größten Potenziale?

Tipp 1 - Fleischkonsum einschränken: Wer aktiv zum Klimaschutz beitragen möchte, sollte den eigenen Fleischkonsum einschränken. Ein Fünftel der Treibhausgase kommt allein über die Tierhaltung - das ist mit 20 Prozent schon eine ganz schöne Hausnummer, die ich aktiv beeinflussen kann. Wer weniger Fleisch isst, schützt aber nicht nur das Klima, sondern auch die eigene Gesundheit. Man will es vielleicht nicht wahrhaben, aber es gibt zahlreiche nachgewiesene schädigende Effekte, die auf eine fleischbasierte Kost zurückzuführen sind. Viele Volkskrankheiten werden beispielsweise dadurch verursacht oder verschlimmert: Vom Cholesterinspiegel über den erhöhten Blutdruck bis hin zu Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs. Die Gefahr von Gichtanfällen steigt, ebenso von Diabetes. Und alle diese Krankheiten kann ich positiv beeinflussen, wenn ich fleischärmer und vor allem pflanzenbasiert esse.

Ein Fünftel der Treibhausgase kommt allein über die Tierhaltung. Prof. Dr. Stefan Reuter

Tipp 2 - Das Auto stehen lassen: Ich schütze das Klima, indem ich nicht ins Auto steige, sondern zu Fuß gehe, Fahrrad fahre oder die öffentlichen Verkehrsmittel nutze. Gleichzeitig tue ich auch hier wieder etwas für mich selbst. Wir nennen das Co-Benefits: Was dem Klima nutzt, ist gleichzeitig gut für meine Gesundheit. Denn wenn ich auf das Auto verzichte, bewege ich mich mehr, reduziere dadurch vielleicht Gewicht. Ich erhöhe mein Wohlbefinden durch Endorphine, die durch die Bewegung an der frischen Luft ausgeschüttet werden. Mein Blutdruck geht runter, mein Cholesterinspiegel auch. Ich habe weniger Rückenschmerzen, weniger Kreislaufprobleme und mein Krebsrisiko sinkt. Klimaschutz ist immer auch Selbstschutz.

Tipp 3 - Wärme- und Energiemanagement prüfen: Generell ist es gut, den Energieverbrauch zu reduzieren und etwa beim Heizen und beim Wasserverbrauch genauer hinzuschauen. Außerdem lohnt sich ein Blick auf umweltfreundliche Alternativen zu fossilen Energien. Langfristig wird die Umstellung auf erneuerbare Energien immer attraktiver und auch kostengünstiger - warum also nicht heute schon anfangen?

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Essen und Wissen

Nachhaltige Ernährung beginnt im Einkaufswagen. Auch mit kleinen Veränderungen leistet man einen aktiven Beitrag.

Gerade älteren Menschen scheint die Umstellung noch schwerer zu fallen, ein Punkt, den die jüngere Generation oft kritisiert. Wie finden beide Seiten wieder zueinander?

Einige ältere Menschen sind noch eine ganz andere Lebensweise gewohnt und auf einmal laufen die Enkel bei "Fridays for Future" mit und bringen eine neue Kultur in die Familie - das überfordert viele. Ich fände es aber super, wenn die ältere Generation den Mut entwickelt zu sagen: "Klar lassen wir uns jetzt auch mal von der jungen Generation beeinflussen." Sie können es als Chance sehen, jetzt ganz bewusst etwas für die nächste Generation zu tun, nämlich deren Lebensgrundlage zu sichern. Und wie wir gesehen haben, profitieren wir schließlich alle vom Klimaschutz - vorneweg unsere eigene Gesundheit.