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Warum geht es uns selbst gut, wenn wir anderen Gutes tun? Und warum macht Schenken so viel Spaß? Wissenschaftler kommen den Antworten auf diese Fragen näher. 

Eltern kümmern sich um ihre Kinder. Junge Erwachsene helfen Älteren, sich in die digitale Welt einzufuchsen. Politisch Aktive engagieren sich für eine gerechtere Zukunft. Andere setzen Zeit und Geld ein, um zu unterstützen. wenn andere in Not oder einsam sind. Überall gibt es Gelegenheit, etwas für andere zu tun. Und das wird ausgiebig gemacht. Mehr als vier von zehn Bundesbürgern engagieren sich freiwillig für andere - jüngere Leute und Menschen mit höherem Bildungsabschluss sogar noch häufiger. Tendenz steigend. Warum tun wir das? Was bringt uns der Einsatz für andere? 


43,6 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahre engagieren sich freiwillig.
Freiwilligensurvey 2014

Schon Kleinkinder wollen helfen 

Viele Forscher sind heute überzeugt: Helfen ist uns in die Wiege gelegt. Ein Team des Max Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig fand zum Beispiel heraus: Schon 18 Monate alte Kinder unterbrechen spontan ihr Spiel, um zu helfen. Sie heben heruntergefallene Stifte auf, zeigen auf einen gesuchten Gegenstand oder schieben Hindernisse aus dem Weg. Auch bei manchen Tierarten lässt sich Hilfsbereitschaft finden. Asiatische Elefanten trösten verängstigte Mitglieder der Herde. Schimpansen adoptieren Waisenkinder, und Ratten versuchen, gefangene Artgenossen zu befreien. 

Warum Menschen anderen helfen

Wie konnte sich so ein Verhalten in der Evolution entwickeln? Seit der britische Sozialphilosoph Herbert Spencer im 19. Jahrhundert das Schlagwort vom "Überleben des Stärkeren" in die Welt setzte, glauben viele, dass es der reine Egoismus ist, der die Welt regiert und unser Verhalten bestimmt. Aber schon Darwin hatte erkannt, dass kooperative Gemeinschaften besser florierten und mehr Nachkommen hatten als Gruppen, bei denen jeder sich selbst der Nächste ist. 

Kooperation macht erfolgreich

Viele Experimente und Computersimulationen haben in den letzten Jahrzehnten überzeugend gezeigt, dass kooperative Gemeinschaften tatsächlich erfolgreicher sind als Gruppen, bei denen jeder auf seinen eigenen Vorteil aus ist. In solchen Gemeinschaften teilen Menschen ihre Ressourcen miteinander, sie handeln verantwortlich und sorgen dafür, dass keiner übervorteilt wird.

Die Experimente belegen aber auch: Kooperation kann sich nur halten, wenn die Egoisten im Zaum gehalten werden. Denn kaum jemand will sich durch Trittbrettfahrer ausnutzen lassen, die vom gemeinsam erwirtschafteten Gut profitieren, aber selber nichts beitragen. Wird das unkooperative Verhalten nicht sanktioniert, folgen mehr und mehr Mitglieder diesem Beispiel. 



Wenn Egoisten auf den Plan treten, bricht Kooperation oft zusammen.
Ernst Fehr, Ökonom und Verhaltensforscher


Doch es gibt ein Gegenmittel: das Streben nach Gerechtigkeit und Fairness. Der Ökonom und Verhaltensforscher Ernst Fehr von der Universität Zürich konnte nachweisen: Menschen sind bereit, hohe Kosten zu tragen, damit Trittbrettfahrer zur Rechenschaft gezogen werden. Das hat seinen Grund. Denn in Gemeinschaften, in denen unkooperatives Verhalten mit Strafe bedroht ist, können sich die Regeln der Kooperation besser durchsetzen. 

Sich selbst und anderen Gutes tun 

Sich für andere einzusetzen, macht Arbeit, aber auch Freude. Und das sogar dauerhaft. Eine Längsschnittstudie aus dem Jahr 2016 von Forschern um den Berliner Psychologieprofessor Denis Gerstorf belegt: Wer sich sozial engagiert, fühlt sich bis ins hohe Alter wohler - unabhängig von Faktoren wie Gesundheit oder Bildungsgrad. Andere Studien zeigen sogar: Menschen, die sich für andere einsetzen, leben im Durchschnitt länger. Es gibt also mächtige Vorteile für kooperatives soziales Verhalten. 

Wir sind auf Mitgefühl angelegt

Was evolutionär so von Vorteil ist, muss in körperlichen Phänomenen verankert sein. Und das ist es. Denn Menschen sind auf Mitgefühl angelegt. Wir haben die angeborene Fähigkeit, die Gefühle anderer zu erkennen - spontan und automatisch. Neuropsychologen sagen: Gefühle sind ansteckend. Dazu hat uns die Natur mit sogenannten Spiegelneuronen ausgestattet. Wenn wir wahrnehmen, dass ein anderes Lebewesen leidet, werden in unserem Gefühl die gleichen Nervenzellen aktiv wie im Gehirn des Leidenden. Sehen wir jemanden, der sich freut, feuern auch in unserem Gehirn die Neuronen, die bei Freude aktiv sind. Deshalb macht Schenken so viel Spaß. Die Freude, die wir bereiten, spüren wir selbst.