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Hallo Maik, danke für dein Vertrauen. Kannst du dich noch daran erinnern, wann und wodurch du zum ersten Mal mit Pornografie in Kontakt gekommen bist?
Ich war 15 oder 16 Jahre alt, als ich das erste Mal mit pornografischen Bildern in Kontakt gekommen bin. Die Fotos befanden sich auf einer CD, die ich damals in der Schule von Freunden bekommen habe. Ich konnte zwar das Gesehene noch nicht richtig einordnen, aber ich weiß ganz genau, dass ich das alles sehr spannend fand. Ich habe dann angefangen, auch im Internet nach solchen Bildern zu suchen und dazu zu masturbieren. Extrem wurde es dann aber erst mit den Streaming-Portalen und ihren kostenlosen Pornofilmen.

Wie hast du festgestellt, dass da irgendetwas "nicht mehr normal" ist?
Am Anfang wollte ich es mir noch nicht so wirklich eingestehen, aber vor ca. zwei bis drei Jahren ist mir dann das erste Mal aufgefallen, wie viel Zeit ich eigentlich mit Pornos verbringe. Manchmal drei bis vier Stunden am Tag. Ich beschloss daraufhin, meinen Konsum zu reduzieren, doch merkte schnell, dass das gar nicht so einfach ist.

Bin ich pornosüchtig?

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Wann hast du gemerkt, dass du Hilfe brauchst?
Erst letztes Jahr. Ich war in einer tollen Beziehung und hatte trotzdem immer weniger Lust, mit meiner Partnerin zu schlafen. Ich schaute eben lieber Pornos als "richtigen" Sex zu haben. Irgendwann habe ich selbst auf der Arbeit nach Pornografie gesucht und heimlich dazu masturbiert. Ab diesem Zeitpunkt war klar: Ich muss jetzt auf jeden Fall aufhören. Ich musste mir selbst eingestehen, dass ich süchtig bin.

Glaubst du, dass es eine Art Auslöser für deine Pornosucht gab?
Nein. Es war vielmehr ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren. Zum einen war ich beispielsweise sehr lange Single, sodass Pornos meine Sexualität am Anfang meines Erwachsenwerdens prägten. Zum anderen habe ich einfach immer mehr konsumiert und dadurch langsam die Toleranz für Pornos erhöht.

Kannst du rückblickend eine typische Porno-Session skizzieren?
Ich war voller Vorfreude, mein Puls raste, ich begann auch manchmal zu zittern. Ich habe die Vorhänge zugezogen, mich vor den Rechner gesetzt und anschließend nach dem perfekten Video gesucht. Das konnte Stunden dauern, bis ich mich für ein Video entschieden hatte, zu dem ich dann einen Orgasmus haben wollte. Und danach ging es weiter. Solange bis man physisch eigentlich gar nicht mehr kann. Doch der Drang ist zu groß und viele Süchtige beginnen fast damit, sich selbst zu missbrauchen. Weil sie eben bis zu 20 Mal hintereinander versuchen, zum Höhepunkt zu kommen. Je krasser die Sucht voranschritt, umso schwieriger wurde es für mich, einen befriedigenden Porno zu finden. Ich brauchte immer größere Reize. Sogenannte Superreize. 

Was kann man sich unter Superreizen vorstellen?
Viele werden in ihren Vorlieben immer extremer und brauchen dann Pornografie mit Gewalt, Gang-Bangs oder sogar anderer Orientierung, weil normale Szenen langweilig geworden sind. Bei mir ist es so, dass ich nach immer dünneren Frauen gesucht habe. Dadurch hat sich auch mein Frauenbild extrem verändert. Durch die Pornos konnte ich Frauen irgendwann nur noch als Objekte wahrnehmen. Meine Erwartungen im Kopf waren auf einmal so groß, dass kein normaler Mensch mehr mithalten konnte, auch die Partnerin nicht. 

Welche Auswirkungen hat die Sucht auf dich und auf deine Sexualität?
Die Pornosucht ist ein Teufelskreis. Sie macht einsam und durch das Alleinsein konsumiert man noch mehr Pornografie. Dadurch sinken die Chancen gegen null, dass man sich mit tatsächlicher Sexualität auseinandersetzt. Ich persönlich bin mit dem Glauben aufgewachsen, dass Sexualität das ist, was man in Pornos sieht, und habe meine Lust komplett darauf konditioniert. Jetzt versuche ich, beides voneinander zu trennen und Sex für mich neu zu definieren.

An welchem Punkt stehst du heute?
Derzeit bin ich seit 14 Tagen abstinent. Ich habe es aber zuvor auch schon geschafft ca. zwei Monate lang keine Pornos zu schauen. Wenn ich einen Rückfall habe, ist der Orgasmus an extrem schlechte Gefühle gekoppelt. Das ist ein großer Unterschied zu früher. Da ich jetzt weiß, dass ich süchtig bin, fühle ich mich nach der Masturbation wie ein Loser. Da ich aber relativ willensstark bin, versuche ich meine Sucht weiter aufzuarbeiten und Triggerpunkte zu analysieren. Es gibt aber auch Betroffene, die Depressionen und Suizidgedanken entwickeln. 

Was rätst du jungen Leuten im Umgang mit Pornografie?
Das Wichtigste ist meiner Meinung nach: Selbstreflexion. Junge Menschen sollten sich immer selbst fragen, warum sie eigentlich Pornos sehen und welche Konsequenzen das haben könnte. Bereits mit normalem Pornografiekonsum kann eine Toleranz für ein Frauenbild entstehen, was der aktuellen Partnerschaft schadet. Außerdem sollten sie sich die Frage stellen: Was bedeutet die Pornoindustrie eigentlich für die Darstellerinnen und Darsteller? Wer sich damit etwas beschäftigt, denkt dann vielleicht noch einmal ganz anders über das Thema.

Hat Pornokonsum denn auch positive Seiten?
Ich denke, dass Pornokonsum auch positive Seiten haben kann. Schließlich ist Porno nicht gleich Porno. Es gibt heutzutage beispielsweise feministische Pornos, die bei der Aufklärung von Jugendlichen helfen oder gute Inspirationen für partnerschaftliche Sexualität liefern können. Für mich, als Süchtigen, sind allerdings auch diese Pornos gefährlich, weil das Risiko besteht, dass ich rückfällig werde.

Was wünscht du dir für die Zukunft?
Ich möchte mich und meine Sexualität unabhängig von Pornografie definieren. Und wünsche mir sehr, dass ich meine Sucht irgendwann hinter mir lassen kann, damit ich in der Lage bin, eine glückliche Beziehung zu führen. 

*Name von der Redaktion geändert


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