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Klar ist: Pornos und Sex sind nicht das Gleiche. Die Frage ist aber: Existiert beides in einer friedlichen Koexistenz? Oder nehmen Pornos unmittelbaren Einfluss auf unser Liebesleben und die Beziehung, die wir führen?
Pornografie verändert unsere sexuellen Fantasien und die Art, wie wir lieben. Pornos sind im Internet 24 Stunden am Tag abrufbar, und zwar in den abenteuerlichsten Genres. Lust ist heute ein Konsumprodukt und die Reize werden immer stärker. Das führt dazu, dass die Messlatte für sexuelle Performance bei einigen dann irgendwann so hoch liegt, dass das partnerschaftliche Miteinander nicht mehr mithalten kann. Die Folgen? Bestimmte Fetische und die Anzahl der Orgasmen ohne Partner, oder zumindest ohne verbindlichen Partner, haben in unserer Gesellschaft zugenommen. Das Problem: Aus Scham wird viel zu selten darüber geredet.

Warum schauen Frauen und Männer, die in einer festen Beziehung sind, überhaupt Pornos? 
Partner sind ja keine eineiigen Zwillinge und der Sex mit sich allein hat völlig andere Facetten als der mit dem Partner. Masturbation ermöglicht eine Ausgleichbewegung, ist prinzipiell gesund und dient der Erforschung des eigenen Körpers. Die Lust mit dem fortbleibend gleichen Partner hat eine Abwärtskurve, denn sie verlangt nach Abenteuer, Neuigkeit und Leidenschaft. Diesen sogenannten "Coolidge-Effekt" macht sich die Pornoindustrie zunutze. Der virtuelle Sex bietet eine unendliche Fülle selbst ausgefallenster Fantasien, die kräftig auf unser Belohnungssystem drücken. Dabei spielt der Botenstoff Dopamin eine wichtige Rolle, denn er ist die Währung im Belohnungssystem unseres Gehirns, das uns immer wieder an den Ort der guten Gefühle gehen lässt.

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Dr. Heike Melzer ist niedergelassene Fachärztin für Neurologie und ärztliche Psychotherapeutin. In ihrer Praxis bietet sie auch Sexual- und Paartherapie an.

Können Pornos Beziehungen denn auch bereichern beziehungsweise entlasten?
Ja, gerade in Langzeitbeziehungen, wenn sich der Alltag langsam aber sicher über die Lust gelegt hat und das Paar über langweilig gewordenen Sex klagt. Da kann es inspirativ sein, wenn man sich gemeinsam einen Porno anschaut und so für neue Anregung im Bett sorgt. Wenn einer der Partner dazu aber keine Lust hat, dann ist Pornografie durchaus auch eine alternative Vergnügungsmöglichkeit für die oder den Einzelnen. Das Wichtige ist, dass Paare miteinander über ihre Wünsche und Bedürfnisse kommunizieren und die Verbindung zueinander nicht verlieren. Sex ist nicht nur der Weg zum Orgasmus. Eine Hauptzutat ist die Berührung des Partners und das Gefühl, sich selbst und dem anderen etwas Gutes zu tun. Da spielt das sogenannte Kuschelhormon, Oxytocin, eine große Rolle. Intimität gibt der Sexualität Bedeutung und Tiefe. Das kann ein Porno nicht bieten.

Wirkt sich Pornografie also auch direkt auf die Bindungsfähigkeit eines Menschen aus? 
Die Möglichkeit besteht. Wird Sexualität nicht mehr miteinander gelebt, sondern alleine im stillen Kämmerlein, dann kann die Bindung zwischen den Partnern verloren gehen. Und mit dem Verlust der Bindung nimmt oftmals auch der Respekt voreinander ab. Außerdem interessant: In vielen Ländern kann man beobachten, dass viele junge Menschen immer weniger Sex haben. Sie verlieren sich so in den digitalen Welten und den Superreizen der Pornografie, dass sie nicht mehr partnerschaftlich in Kontakt kommen wollen oder können. Was uns fehlt, ist eine Art "digitaler Führerschein", mit dem wir den Umgang in und mit dieser Parallelwelt lernen können.

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Welchen Einfluss haben Pornos in Bezug auf Dating und / oder One-Night-Stands?
Heutzutage haben Dating und unverbindlicher Sex einen völlig legitimen Platz im Leben vieler Menschen und die Monogamie befindet sich auf dem Prüfstand. Kein Wunder - dank zahlreicher Apps wie Tinder und Co. ist es sehr leicht geworden, jemanden für eine Nacht zu finden. Was wir allerdings gleichzeitig feststellen: Die Risikobereitschaft nimmt zu und damit die Zahl sexuell übertragener Infektionen. Eine beliebte Pornokategorie der Deutschen ist beispielsweise "anal" und somit ist auch die Nachfrage nach Analverkehr weiter gestiegen. Wer sich hier aber nicht ausreichend schützt, beispielsweise mit Kondomen, setzt sich einem großen Risiko aus. Festzustellen bleibt: Pornos haben einen direkten Einfluss darauf, was wir mögen, wollen und können.

Verändern das Internet und Pornografie die Art und Weise, wie wir uns selbst sehen? 
Durch Pornografie wird die Messlatte der Ansprüche an den eigenen Körper und den des Partners sehr hochgelegt und der Performancedruck steigt. Scham für vermeintliche körperliche Defizite steigt. Vor allem junge Frauen interessieren sich vermehrt für Schönheitsoperationen. Ich denke, dass das in einem direkten Zusammenhang mit Pornografiekonsum und den darin gezeigten Idealkörpern und übermittelten Geschlechterrollen steht.

Das klingt alles sehr negativ. Stecken in der Veränderung auch Chancen? Wenn ja, welche?
In jeder Entwicklung stecken auch Chancen. Es kommt eben darauf an, dass wir die Digitalisierung richtig einsetzen und sinnvoll konsumieren. Wir müssen die Auswirkungen auf unser Gehirn verstehen, Gefahren frühzeitig wahrnehmen und uns richtig positionieren. Viele Liebesbeziehungen lassen sich, dank der digitalen Möglichkeiten, auch über Distanzen hinweg aufrechterhalten. Pornografie ist nicht per se schlecht. Wichtig ist aber, dass wir sie als das betrachten, was sie ist: ein Genussmittel. Ähnlich wie Süßigkeiten. Wenn wir zu viel davon konsumieren, hat das ernsthafte Nebenwirkungen. Ob bei Junkfood oder Sexualität - Qualität geht immer vor Quantität. Oder, wie ich es gern formuliere: Erotik braucht Abstand, Liebe braucht Nähe. Kein einfacher Spagat, den wir in diesen Zeiten der Fülle und Vielfalt für unsere eigene Gesundheit absolvieren sollten. Die Gewinner bleiben langfristig gesund, beziehungsfähig und können sich abgrenzen, die Verlierer finden den Ausschalter nicht mehr.


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