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"Darüber habe ich echt noch nie nachgedacht!", ist ein Satz, den ich von Studierenden in Porno-Seminaren oft höre. Mal fasziniert, mal erschrocken, manchmal ein bisschen verschämt. Sie sind Anfang bis Mitte 20 und mit dem Internet aufgewachsen. Unbegrenzter, anonymer, kostenloser Zugang zu Online-Pornografie ist für sie selbstverständlich. Und dennoch: An Wissen über Pornos, an einem reflektierten Umgang damit und selbst an einer Sprache dafür fehlt es ihnen.

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Madita Oeming promoviert an der Universität Paderborn zum Thema Pornosucht: Ihr Forschungsprojekt lautet "Porn Addiction ­­- America's Moral Panic of the Digital Age".

"Alle machen's, niemand redet darüber"

Die kulturelle Rolle von Pornografie im 21. Jahrhundert lässt sich am einfachsten so beschreiben: Alle machen's, niemand redet darüber. Porno ist heute Alltagskultur. Trotzdem sind wir weit davon entfernt, Pornos zu normalisieren. Sie werden immer noch anders behandelt als jedes andere Medium, meist in Schweigen oder Angst gehüllt. In der Presse begegnet uns Pornografie vor allem als Skandal oder mit einer gehörigen Portion Sensationslust. Öffentliche Räume, um Fragen zu stellen oder sich frei über das eigene Pornoverhalten auszutauschen, gibt es kaum. Kein Wunder also, dass sich Scham und Fehlvorstellungen solide halten.

"Pornokompetenz" für Jugendliche

Studien sind nicht eindeutig. Aber wir können davon ausgehen, dass etwa ein Drittel der heute 14-Jährigen bereits mit Online-Pornos in Kontakt gekommen ist. Das emotionale oder analytische Werkzeug, damit umzugehen, hat ihnen aber niemand mitgegeben. Eltern wie Schulen scheuen sich vor dem Thema, warnen allenfalls panisch. Sowieso wird hier alles Sexuelle, was nicht mit Biologie, Krankheits- oder Schwangerschaftsprävention zu tun hat, gerne totgeschwiegen. Das Ergebnis: Pornos übernehmen im Moment einen Großteil der Sexualaufklärung. Und dafür sind sie ungefähr so geeignet, wie Actionfilme für Unfallprävention. Das soll nicht heißen, dass aus Pornos nichts zu lernen wäre. Wir können mit ihnen ungeahnte Vorlieben entdecken und uns viel Inspirationen holen. Insbesondere queere Menschen berichten oft, dass Pornos wichtig für ihre sexuelle Selbstfindung waren.

Die Realität ist kein Porno

Wer denkt, Analsex funktioniere immer so wie im Porno, wird mindestens eine Enttäuschung, schlimmstenfalls Schmerz erleben. Und gerade bei fehlenden eigenen sexuellen Erfahrungen kann Pornografie enormen Leistungsdruck ausüben. Aber woher sollen junge Menschen das alles wissen, wenn niemand mit ihnen darüber spricht? Was wir also wirklich brauchen, ist eine neue sexuelle Bildung! Einerseits muss sie Pornokompetenz vermitteln: junge Menschen befähigen, die Bilder richtig einzuordnen und den Unterschied zwischen gelebter Realität und pornografischer Fiktion zu erkennen. Das ist möglich, auch ohne mit ihnen Pornos zu schauen. Und es ist zu spät, damit anzufangen, wenn sie volljährig sind. Über Masturbation, verschiedene Vorlieben und sexuelle Fantasien kann man auch sprechen, ohne persönlich zu werden. Grenzen sind wichtig! Aber sexuelle Bildung muss sex-positiv und queerinklusiv sein, damit Kinder und Jugendliche sich nicht mit all ihren Fragen an Pornos wenden müssen.

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Aufklärung als gesellschaftliche Aufgabe

Wir halten uns gerne für fortschrittlich und denken, die sexuelle Revolution läge schon hinter uns, aber an allen Ecken und Enden verfolgt uns die Sexualmoral des 19. Jahrhunderts. Nur ist sie jetzt vermischt mit einer sexualisierten Medienkultur, die uns ständig einredet, dass wir sexy sein müssen und Sex erstrebenswert sei. Aber bitte nur eine bestimmte Art von Sex und bitte nicht zu viel! Diese widersprüchlichen Botschaften verwirren nicht nur junge Menschen. Über soziale Medien oder nach Veranstaltungen sprechen mich auch Erwachsene verschiedenen Alters an. Sie suchen nach einer Art Absolution für Umfang oder Inhalt ihres Pornokonsums. Die Frage, um die sich dabei alles kreist, ist im Grunde genommen immerzu die gleiche: Bin ich normal? Auch das ist Ausdruck von Scham und einem enormen Redebedarf. Also: Lasst uns endlich offen, wertfrei und neugierig über Pornos sprechen. Wie schön wäre es, mit unserem "eigenen Porno-Ich" ins Reine zu kommen?


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