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Sich gleich nach der Geschäftsreise mit Freunden treffen, den Theaterbesuch nutzen, um hinterher in großer Runde beim Italiener zu essen und direkt nach dem Urlaub mit einer Flasche Wein den Nachbarn "Hallo" sagen. Bloß keinen Leerlauf zulassen, jede zeitliche Lücke will gefüllt sein. Im Bus schaut inzwischen keiner mehr gedankenverloren aus dem Fenster, stattdessen wird in ruhigen Momenten sofort das Smartphone zur Ablenkung gezückt.

Langeweile ist die Chance für kreative Höhenflüge.Prof. Dr. Ulrich Reinhardt

Dabei könnten wir "Zeit nur für uns" ganz prima gebrauchen. Einfach mal passiv sein zu dürfen, entlastet den Geist und macht den Kopf frei für Neues. In Phasen der Ruhe können wir regenerieren, Begegnungen, Gespräche Revue passieren und nachwirken lassen. Nicht nur Zeit konsumieren, sondern auch reflektieren, lautet die Devise. Denn sonst laufen wir Gefahr, mit dem "Overload" an Ereignissen gar nicht mehr fertig zu werden.

Abschalten, aber richtig

Die neue Wohlfühl-Philosophie heißt "Niksen", und bedeutet übersetzt aus dem Niederländischen "Nichtstun". Hier geht es nicht um Effizienz und Nutzen, sondern einfach nur um Abhängen. In solchen Auszeiten wird unser Akku wieder aufgeladen. "Stilles Dasitzen, Nachdenken oder Tagträumen - wir haben es regelrecht verlernt, mit uns und unseren Gedanken allein zu sein", so Professor Dr. Ulrich Reinhardt von der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen. Vielleicht sogar deshalb, weil das Image des Müßiggangs nicht das Beste ist.

Wir haben es regelrecht verlernt, mit uns und unseren Gedanken allein zu sein. Prof. Dr. Ulrich Reinhardt

Als Faulenzer möchte man schließlich nicht dastehen … "Dabei ist es zunächst eine Herausforderung, Langeweile positiv aufzuladen und sie als erholsam zu empfinden. In kleinen Pausen zwischendurch, in denen man Laptop, Smartphone und andere Ablenkung beiseitelegt, spürt man recht schnell, wie angenehm Phasen des Innehaltens sind", erklärt der Zukunftswissenschaftler. Seine Tipps zum Einstieg: "Genießen Sie den Kaffee in der Mittagspause mal mit Blick ins Grüne, verbringen die Wartezeit auf die U-Bahn nur mit "An-die Wand-schauen". Aus dieser entspannten Langeweile lässt sich wirklich effektiv neue Kraft schöpfen."

Niksen für jedermann

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Tiere haben uns einiges voraus - sie könnenprima nix tun.

"Niksen" (Niederländisch = das Nichtstun) hat erstaunliche Effekte auf unseren Geisteszustand: So kann uns stilles Rumsitzen - ohne Ablenkung, ohne Zwang - auf ganz neue Ideen bringen. Inspiration pur ist der zelebrierte Müßiggang, wenn man ihn nur zulässt. Denn unser Geist begibt sich auf Wanderschaft, wenn er ansonsten keine neuen Eindrücke oder Erkenntnisse erhält. Probieren Sie es einfach mal aus!

Langeweile aushalten

Kinder, die nie Langeweile aushalten müssen, können besonders wenig mit sich selbst anfangen. Und: Ihnen ist umso langweiliger, je seltener sie auf sich selbst gestellt sind. Was widersinnig klingt, macht vielen Eltern vor allem an Wochenenden und in Urlauben sehr zu schaffen: Der Ruf "Was soll ich bloß machen? Mir ist so langweilig!"

Eine durchgetaktete Freizeit macht es Kindern nicht gerade leicht, ihre ureigenen Interessen zu erkunden. Prof. Dr. Ulrich Reinhardt

"Eine durchgetaktete Freizeit macht es Kindern heute nicht gerade leicht, ihre ureigenen Interessen zu erkunden", weiß Prof. Reinhardt. Dabei sei es wichtig, dass auch ein Bewusstsein für Langeweile entwickelt wird, um schließlich selbst aktiv dagegen angehen zu können. "Zeiträume, in denen mal kein Erwachsener den Ton angibt und weder Ziele noch Ergebnisse erwartet werden, bieten dem Nachwuchs beste Gelegenheit für kreative Höhenflüge."

Müßiggang tut gut

Die Briten haben Humor und Sinn für Kurioses: So ist dort gerade die 50. Ausgabe eines Magazins erschienen, dass sich ausschließlich mit dem Müßiggang beschäftigt. "The Idler" (hergeleitet von to idle = untätig/müßig sein) veröffentlicht humorige Essays rund um die Berechtigung untätiger Phasen.

Veröffentlicht werden Beiträge darüber, wie man seine Zeit gesund und geschickt "vertrödelt" - und dabei auch noch Vergnügen haben kann. Eine "Idler Academy" bietet zudem Kurse an, in denen man lernt untätig zu sein (in sechs Lektionen). Das Logo der Zeitschrift: eine Schnecke! Eine großartig kritische Auseinandersetzung mit der Leistungsgesellschaft und eine wunderbare Hommage ans Nichtstun.