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Viele Menschen schlafen zu wenig. Wann ist das bedenklich?

Vorster: Es besteht ein großer Unterschied zwischen bisweilen schlecht schlafen und einer veritablen Schlafstörung. Gelegentlich schlecht zu schlafen auch über zwei Wochen ist vollkommen normal und nicht behandlungsbedürftig. Behandlungsbedürftig sind Schlafstörungen erst, wenn Menschen länger als einen Monat häufiger als dreimal in der Woche Schlafprobleme haben. Diese Menschen fühlen sich gerädert, das ist extrem zermürbend. Nicht umsonst zählt Schlafentzug zu den gängigsten Foltermethoden.

Ist vor Mitternacht wirklich die beste Schlafenszeit?

Vorster: Es ist richtig, dass in den ersten drei Stunden der wichtigste Schlaf stattfindet. Da haben wir den meisten Tiefschlaf, der für die Erholungsfunktion des Körpers zum Beispiel durch die Ausschüttung von Wachstumshormon aber auch für das Immunsystem entscheidend ist. Ob diese ersten drei Stunden vor oder nach Mitternacht stattfinden, ist allerdings völlig gleichgültig.

Nicht umsonst zählt Schlafentzug zu den gängigsten Foltermethoden. Albrecht Vorster

Sie empfehlen, bei Einnahme von Medikamenten auf die innere Uhr zu achten, warum?

Vorster: Die Aufnahme von Arzneimitteln durch den Darm, der anschließende Umbau durch die Leber und die durchblutungsabhängige Verteilung im Körper bis zur Ausscheidung durch die Niere unterliegt großen tageszeitlichen Schwankungen. So arbeitet zum Beispiel die Leber, die viele chemische Stoffe zuerst umbauen muss, bevor sie wirken können, unterschiedlich schnell und effektiv, je nach Uhrzeit. Ja, sie wächst und schrumpft aufgrund dieser Rhythmik sogar innerhalb eines Tages! Kein Wunder, dass das morgens um 9 Uhr eingenommene Glas Sekt beim Sektfrühstück dreimal so stark und schnell wirkt wie das abends bei einem Opernbesuch geschlürfte. Was für Alkohol gilt, gilt für viele andere chemische Stoffe gleichermaßen. Schmerzmittel etwa wirken nachmittags und abends stärker.

Blutdruckmittel soll man am besten abends nehmen, warum genau diese Zeitvorgabe?

Vorster: Unser Blutdruck fällt in der Nacht um bis zu 20 Prozent ab. Somit können sich Gefäße vom Druck, der tagsüber auf ihnen lastet, etwas erholen. Bei Blutdruckpatienten fehlt dieser nächtliche Blutdruckabfall häufig. Das wird zum Problem, weil der Druckabfall für den Körper gleichzeitig ein Einschlafsignal darstellt, genauso wie der Abfall der Körpertemperatur. Die Betroffenen wälzen sich ruhelos im Bett hin und her und finden nicht in den Schlaf. Geschickt ist es daher, Blutdruck senkende Medikamente abends vor dem Einschlafen zu nehmen. Insbesondere sogenannte ACE-Hemmer begünstigen dann den Schlaf und senken zusätzlich das Diabetesrisiko um ganze 69 Prozent. So kann man besser einschlafen und unterstützt die Blutzuckerregulation, die ebenfalls von der inneren Uhr gesteuert wird.

Wir müssen nur unserem Körper die richtigen Signale geben, dann schwingt er wieder im gesunden Rhythmus. Albrecht Vorster

Wie lässt sich unsere innere Uhr in den richtigen Takt bringen?

Vorster: Wir können unsere Körperfunktionen nutzen, um unsere innere Uhr wieder in Einklang zu bringen, wenn sie aus dem Takt gekommen ist: Ein heißes Bad am Abend lässt im Anschluss die Körpertemperatur wie vorgesehen abfallen und signalisiert dem Körper, dass es Zeit fürs Bett ist. Mit Licht am Morgen und Frühsport steigern wir Puls und Blutdruck nach der Ruheperiode der Nacht und geben dem Körper ein Zeichen für den Tagesbeginn. 30 Minuten Sonnenlicht am Morgen stoppt morgens die Produktion von Melatonin und macht uns so glücklicher, abends ist der Körper dadurch angeregt, in der Dunkelheit mehr Melatonin zu produzieren, was den Schlaf positiv unterstützt. Wir müssen nur unserem Körper die richtigen Signale geben, dann schwingt er wieder im gesunden Rhythmus.

Albrecht Vorster hat Biologie und Philosophie an der Universität Freiburg studiert. Derzeit promoviert er am Institut für medizinische Psychologie der Uni Tübingen.

 
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Gewinnspiel

Wir verlosen zehn Bücher "Warum wir schlafen" von Albrecht Vorster, erschienen im Heyne-Verlag. Schreiben Sie eine E-Mail an: Gewinnen-MAGAZIN@tk.de. Oder Sie schicken eine ausreichend frankierte Postkarte an: Techniker Krankenkasse, TK-Services, Stichwort "Schneckentempo", 22790 Hamburg.

Hauptamtliche TK-Mitarbeiterinnen/-Mitarbeiter sowie deren Angehörige dürfen nicht teilnehmen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Einsendeschluss: 18. Dezember 2019.

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