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Sie konnte nicht mehr laufen, nicht mehr stehen, hatte Angst vor jeder Bewegung. Unerträgliche Rückenschmerzen machten Ruth Weidemann aus Henstedt-Ulzburg das Leben zur Qual. Ein Jahr lang zog die heute 74-jährige TK-Versicherte von Arzt zu Arzt. Niemand konnte ihr helfen. Dann wurde ihr eine Operation zur Versteifung der Wirbelsäule empfohlen. Das würde ihre Schmerzen lindern. Sie willigte ein. Doch die Schmerzen blieben. Auch eine zweite Operation brachte keine Besserung. Als der Arzt eine dritte Operation vorschlug, lehnte sie ab.

Physiotherapie statt Operation

Dann erfuhr sie von der Möglichkeit, sich eine ärztliche Zweitmeinung einholen zu können. Ruth Weidemann sagt: "Das war mein Glück." In einem Schmerzzentrum in Hamburg, dem Rückenzentrum Am Michel, ließ sie sich von Spezialisten untersuchen. Bald war klar: Ihre Schmerzen können mithilfe einer gezielten Physiotherapie gelindert werden. Heute sorgt sie mit regelmäßigen Rückenübungen für Beweglichkeit. Sie ist zuversichtlich, dass sie auch die verbleibenden Schmerzen in den Griff bekommt. Demnächst will sie mit ihrem Mann walken. Die Stöcke sind schon gekauft.

Zweitmeinung Wirbelsäulen-OP

Bundesweit sind rund 30 Schmerzzentren für die Techniker im Einsatz. Alternativ steht Ihnen auch der Online-Weg offen. Innerhalb von zehn Werktagen erhalten Sie dort eine fundierte ärztliche Zweitmeinung wahlweise digital oder per Post.

Verzicht auf OP in 79 Prozent der Fälle

Ruth Weidemann profitierte von einem Angebot der Techniker, das es seit 2010 gibt: der ärztlichen Zweitmeinung vor geplanten Wirbelsäulen-Operationen. Eine Auswertung mit rund 2.400 TK-Versicherten zeigt den erstaunlichen Erfolg: 79 Prozent konnten dauerhaft auf eine Operation verzichten.

Eine sinnvolle Physiotherapie oder ein komplexes Trainingsprogramm halfen ihnen, die Schmerzursachen zu beseitigen. Nur in zwei von zehn Fällen war sofort oder innerhalb eines Jahres eine Operation notwendig.

Das Angebot der Zweitmeinung gibt es seit 2016 auch vor geplanten Operationen an Hüfte, Knie oder Schulter.

Der Besuch im Schmerzzentrum war mein Glück. Ruth Weidemann, Hennstedt-Ulzburg

Ärztliche Zweitmeinung im Schmerzzentrum

Hat Ihr Arzt Sie zur Operation an der Wirbelsäule oder für eine Gelenkersatz-Operation an Hüfte, Knie oder Schulter an ein Krankenhaus überwiesen, nehmen Sie Kontakt zu einem mit uns kooperierenden Schmerzzentrum auf. In dringenden Fällen erhalten Sie dort einen Termin innerhalb von zwei Tagen und können so zeitnah eine Zweitmeinung einholen. Ihr Arzt kann Sie auch an das Schmerzzentrum überweisen, um die Notwendigkeit der Operation überprüfen zu lassen.

Diagnostik von Schmerzpatienten

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Dr. Joachim Mallwitz ist Orthopäde, Physiotherapeut und leitender Arzt des "Rückenzentrums Am Michel" in Hamburg. Im Interview verrät er, wie die ärztliche Zweitmeinung im Schmerzzentrum eingeholt werden kann und worauf sich die Schmerzpatienten bei der Diagnostik einstellen können.

Was erwartet Schmerzpatienten?

Sie werden zunächst intensiv untersucht - von einem Arzt, einem Physiotherapeuten und einer Psychotherapeutin. Wir nehmen uns etwa dreieinhalb Stunden Zeit für die Diagnostik und die Besprechung. Wenn Sie überlegen, dass ein Arzt normalerweise nur wenige Minuten hat, einen Patienten zu sehen, ist das ein enormer Vorteil.

Wie läuft die Diagnostik ab?

Die ärztliche Untersuchung dauert etwa 45 Minuten. Ich frage eingehend nach den Beschwerden, untersuche den Patienten körperlich und beurteile Röntgenbilder, Kernspinaufnahmen oder andere Befunde. Ähnlich lange prüft der Physiotherapeut zum Beispiel, wie gut Wirbelsäule, Gelenke und Muskulatur arbeiten und ob ein gezieltes Training hilfreich wäre. Außerdem spricht der Schmerzpatient mit einer Psychotherapeutin, die - wie wir alle - auf chronischen Schmerz spezialisiert ist. Mit ihr lotet er aus, ob es psychische Faktoren gibt, die seinen Schmerz verstärken. Anschließend erarbeitet das Team gemeinsam eine Empfehlung für den Patienten.

"So lange hat sich noch nie jemand mit meinem Problem beschäftigt." Ruth Weidemann, Hennstedt-Ulzburg

Wie ist die Resonanz Ihrer Patienten?

Egal, in welcher Reihenfolge wir arbeiten - in die erste Untersuchung geht ein Schmerzpatient oft skeptisch. Danach wird er offener, und der dritte Kontaktpartner hat es richtig gut: Er heimst das Lob des Patienten ein. Viele sagen: "So lange hat sich noch nie jemand mit meinem Problem beschäftigt." Dadurch entsteht Vertrauen und die Schmerzpatienten sehen ein, dass sie selbst aktiv werden müssen. Dahin zu kommen, braucht Zeit. Diese Zeit bekommen Sie normalerweise nicht im Gesundheitssystem. Dadurch werden  viele Patienten nicht adäquat behandelt.