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"Juhu, du bist frei! Zieh los und entdecke die Welt!" - So lockt einen das Leben direkt nach dem Schulabschluss. Aber meistens entdeckt man dann doch nicht die Welt, sondern nur eine düstere Drei-Zimmer-Wohnung, die man sich mit Sören und Leonie teilt und in der es zu wenig Putzplan, Fenster und Gabeln gibt.

Wenn man in eine Wohngemeinschaft zieht oder direkt selbst eine gründet, entscheidet man sich für eines der größten Abenteuer im Leben. Jahrelang hat man mit der Familie daheim routiniert den Alltag bewältigt, und plötzlich ist alles anders. Plötzlich hängen da fremde Unterbuchsen überm Wäscheständer im Flur. Plötzlich teilt man sich die vier Wände mit Menschen, über die man weniger weiß als über das Paarungsverhalten von Laubfröschen. Menschen, die heimlich deine Zahnpasta benutzen und dir den Pudding aus dem Kühlschrank mopsen.

Plötzlich hängen da fremde Unterbuchsen überm Wäscheständer im Flur.

Der Boden klebt

Und ja, so ein WG-Leben kann ganz schön anstrengend sein: Der Mitbewohner hat einen fragwürdigen Musikgeschmack. Die Mitbewohnerin löst schon zum fünft en Mal in dieser Woche beim Kochen den Rauchmelder aus. Und es kommt vor, dass man beim Laufen durch die Wohnung Socken verliert, weil der Boden klebt.

Dieses fröhlich zusammengewürfelte Miteinander ist wie ein soziales Experiment. Es fordert dich jeden Tag aufs Neue heraus. Aber die WG macht einen auch zu einem besseren Menschen: Man lernt, all das auszuhalten. Man lernt, die Bedürfnisse des anderen zu achten, aber auch für sich selbst einzustehen. Man lernt, den Begriff "Sauberkeit" ein bisschen toleranter auszulegen. Und man lernt, wie man mit 200 Leuten auf 63 Quadratmetern Partys feiert, bei denen selbst die Polizei noch anerkennend nickt.

Dieses fröhlich zusammengewürfelte Miteinander ist wie ein soziales Experiment. Sandra Da Vina

Und wenn man Glück hat, wird die WG zur ersten eigenen Familie. Dann wartet jemand abends auf dich, wenn du nach einem langen Tag aus der Uni oder von der Arbeit kommst, und leiht dir ein Ohr, eine Schulter oder fünf Euro, damit du dir morgen was zu essen kaufen kannst. Dann führst du die besten Gespräche der Welt, auf dieser Couch, die Sören gestern im Sperrmüll gefunden hat. Dann werden diese fremden Menschen plötzlich zu Freunden.

Und dann ist deine WG vielleicht immer noch nicht die große, weite Welt - aber auf jeden Fall der schönste Ort darin.
 

Sandra Da Vina (28) lebt und arbeitet in Essen-Süd, mit einem Spielplatz vor der Tür und in ihrem Kopf.

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Vor vier Jahren gewann sie die NRW-Landesmeisterschaften im Poetry Slam und veröffentlichte ihr erstes Buch "Sag es in Leuchtbuchstaben". Es folgten "Verlieb dich" (2015) und "Hundert Meter Luftpolsterfolie" (2016).