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Das Gesicht ein wenig mehr nach links, das Kinn nach oben. Jetzt noch leicht lächeln - aber bloß nicht zu viel. Doch eigentlich ist das Foto gefühlt nie perfekt. Das nervt - beschreibt jedoch meine Routine hinter jedem Instagram-Post. Da müsste doch die neue Herausforderung easy zu lösen sein: Bilder zu posten, die ein Gegenentwurf zu der Hochglanz-Instagram-Welt sind. Dachte ich zumindest.

Meine Aufgabe:

Vier Wochen, 15 Bilder, kein Filter, keine Bearbeitung - und dazu noch so natürlich und ungestellt wie möglich. Wie selbstkritisch und perfektionistisch ich bin, merke ich, als ich die ersten Fotos dieser Art fotografieren möchte. Es fällt mir schwer, den Hintergrund in der Küche so zu lassen, wie er ist. Kein Wegräumen des Spülis, kein zweiter Versuch für die richtige Körperhaltung.

Einfach mal machen

Einfach machen, nicht nachdenken. Im Normalfall lade ich nur alle ein- bis zwei Wochen ein Bild hoch. Und warum? Weil ich erst mal ein Bild finden muss, dass meinen Ansprüchen gerecht wird. Aha, da haben wir es. Ich bitte schließlich Freunde darum, sich mein Handy zu schnappen und ein Foto zu schießen - möglichst so, dass ich nichts merke. Dann kann auch nicht mein geübtes Fotogesicht über mich kommen.

Trainiert ist trainiert. Und eigentlich hat das mit der Realität und wie ich bin wenig zu tun.

Trainiert ist trainiert. Und eigentlich hat das mit der Realität und wie ich bin wenig zu tun. Bevor ich einen Post mit den Hashtags #nofilter #unperfekt #machdichmallocker absetzte, geht das Gedankenkarussell doch wieder los: Ist das vorzeigbar? Möchte das überhaupt jemand sehen? Aber mit der Zeit gewöhne ich mich daran - mache mich halt endlich locker. Ungeschminkt am Badesee, kauend beim Abendessen, bei der Anprobe in der Umkleidekabine mit grellem Licht.

Mit Natürlichkeit punkten

Das ist eben mein echtes Ich, mein echtes Leben. Die Sorge, die Konsequenzen meiner neuen Natürlichkeit in Form von weniger Likes zu spüren, war groß. Und bestätigte sich leider - anfangs. Doch: Das Auge meiner Follower gewöhnte sich an das Normale, das Unperfekte. Die Likes pendelten sich auf höherem Niveau ein. Ich und mein echtes Ich wurden plötzlich akzeptiert.

Instagram ist eine Plattform, die Perfektionismus fördert und eine gewisse Künstlichkeit als "normal" darstellt.

Geht doch! Das machte mich stolz und erzeugte einen kleinen "Aha-Effekt". Es muss nicht immer der typische, gestellte und bearbeitete Instagram-Post sein, wichtiger ist es, sich damit wohl zu fühlen. Nach dem Experiment glaube ich immer noch, dass Instagram eine Plattform ist, die Perfektionismus fördert und eine gewisse Künstlichkeit als "normal" darstellt. Ob man dabei mitmacht, bleibt aber jedem selbst überlassen.

ANN-LUCA HEVELING (21) studiert Marketing und digitale Medien an der Fachhochschule Düsseldorf. Sie ist seit 2011 auf Instagram aktiv: @mademoiselleanny