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Hallo, ich bin Sandra und ich bin nicht perfekt. Nicht mal ein kleines bisschen. Ich habe es wirklich versucht. All die Zeit habe ich mich angestrengt, habe mich bemüht, alles richtig zu machen. Aber es klappt einfach nicht. Ich bin vielleicht ein okayes Alpaka. Aber sicher kein perfekter Mensch.

Schei­tern ist gar nicht so schlim­m...

Ich habe in mir einen kleinen Kritiker wohnen, der mir ständig ins Wort fällt: "Das hättest du auch mal besser machen können!", schimpft der. Oder: "War ja klar, dass du das wieder nicht hinbekommst!" Mein innerer Kritiker kommentiert fleißig all meine großen und kleinen Missgeschicke.

Ich bin vielleicht ein okayes Alpaka. Aber sicher kein perfekter Mensch.

Angst, nicht zu genügen

Er ist ein bisschen der Béla Réthy für mein persönliches Scheitern. Und er ist immer da: Wenn ich beim Vorstellungsgespräch keine kluge Antwort auf "Was sind Ihre Stärken?" weiß. Wenn der Paketbote nachmittags klingelt und ich immer noch meinen Pyjama anhabe. Wenn der Kuchen, den ich mit Liebe gebacken habe, doch nur wieder nach Fußmatte schmeckt. "Jaja", sagt der innere Kritiker dann. "Du kannst echt gar nichts!"

Zwischen all den guten Ratschlägen zur Selbstoptimierung, den Beauty-Filtern und dem ständigen Erfolgsdruck fühlt man sich schnell verloren. Da ist die ständige Angst, dass man nicht genügen könnte. Weil immer jemand klüger, schöner oder besser ist als man selbst.

 Ich plädiere für eine Welt, in der man auch einfach mal entspannt "geht so" sein darf.

Auf sich selber hören

Und ich sage: Na und?! Mal ehrlich, Scheitern ist gar nicht so schlimm. Scheitern bedeutet, dass man vorher mutig war. Dass man etwas riskiert hat. Dass man in Kauf nimmt, auch einmal unperfekt zu sein. Also, einfach mal dem inneren Kritiker den Ton abdrehen und wieder auf sich selber hören.

Es könnte nämlich sein, dass man etwas Wichtiges zu sagen hat. Zum Beispiel: "Meine Stärken sind mein Mut und mein Optimismus. Ich habe einen schönen Pyjama und ich esse gerne Kuchen." Ich plädiere also für eine Welt, in der man auch einfach mal entspannt "geht so" sein darf. In der jeder innere Kritiker mal durchatmet und vielleicht endlich zum inneren Freund wird. Das wäre doch wirklich mal perfekt.

Sandra Da Vina (28) lebt und arbeitet in Essen-Süd, mit einem Spielplatz vor der Tür und in ihrem Kopf. Vor vier Jahren gewann sie die NRW-Landesmeisterschaften im Poetry Slam und veröffentlichte ihr erstes Buch "Sag es in Leuchtbuchstaben". Es folgten "Verlieb dich" (2015) und "Hundert Meter Luftpolsterfolie" (2016).