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Es ist 8 Uhr. In der einen Hand der erste Kaffee, die andere Hand fährt über die Kleiderstange. Was ziehe ich bloß an? Morgenroutine. Und jeden Morgen wird die Wahl schwieriger. Seit elf Monaten hat sich in meinem Schrank nämlich nichts getan - kein neuer Rock, keine neue Hose, kein neuer Pulli. Klar, Klamotten sind immer noch mehr als genug vorhanden. Doch irgendwie drehe ich mich nach 335 Tagen im Kleiderkreis.

Im Januar habe ich beschlossen, ein Jahr aufs Shoppen zu verzichten. Warum? Die Frage wurde mir in den vergangenen Monaten sehr oft gestellt. Von Freunden, von Familienmitgliedern, von Kollegen. "Es war einfach zu viel", antwortete ich meist und erntete Unverständnis. "Aha, hast du Schulden?" oder "Bist du süchtig?" Anschließend Unverständnis auf meiner Seite: "Äh. Nein. Wie kommst du denn darauf?" Offenbar ist es in unserer Gesellschaft völlig normal, regelmäßig Neues zu kaufen.

Engel links, Teufel rechts. Rechts: Nimm dir das Kleid … Anna Busch, auf Shopping-Diät

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Qual der Wahl: Schuhe bis zum Abwinken

Umso öfter, umso besser. Jeder macht es. Jeder liebt es. Aus welchem Grund sollte also jemand freiwillig darauf verzichten?! Neuanschaffungen werden stolz präsentiert. Wenn dazu noch der Satz fällt "Guck mal, hat nur 30 Euro gekostet. War um 50 Prozent reduziert", folgt ein bewunderndes Nicken. Anerkennung für günstige Massenware.

Der Anfang war leicht

Auch ich mag Mode, trage gerne ausgefallene Sachen. Aber aus der Kaufschleife wollte ich raus. Und der Anfang war erstaunlich leicht. Zumindest das "Nichtkaufen" fiel mir nicht schwer. Ein bisschen wie bei einer Diät, bei der das gedünstete Gemüse zu Beginn eigentlich ganz gut schmeckt - erst nach ein paar Wochen hängt einem das gesunde Zeug zum Hals heraus. Womit ich nicht gerechnet hatte, waren die Reaktionen meines Umfeldes. Dass ich mich erklären und rechtfertigen muss, nervt bis heute.

Ich bleibe stark. Aber meine Freundin lässt nicht locker. Anna Busch, in Versuchung

Ein Beispiel. Ich begleite eine Freundin bei der Suche nach einem Kleid, sie ist auf eine Hochzeit eingeladen. Kaum im Geschäft, fragt sie mich: "Willst du nicht auch was anprobieren? Ist doch sonst langweilig." Ich tue ihr den Gefallen. Natürlich passiert das Unvermeidliche: Mir gefällt das Outfit. Ich drehe mich in der Kabine vor dem Spiegel von links nach rechts und ziehe den Vorhang zur Seite. Meine Freundin macht große Augen: "Wow, sieht toll aus! Das musst du kaufen!" Muss ich nicht. Eine Ausnahme könnte ich doch machen, sagt sie und untermalt ihre Aussage mit einem Augenzwinkern. Fettes Brot singt in meinem Kopf: "Engel links, Teufel rechts. Rechts: Nimm dir das Kleid …" Das Rückfall-Monster steht plötzlich neben mir. Wie der Geruch von Pommes während einer Low-Carb-Diät.

Fragen statt Einkaufstüten

Ich bleibe stark. Aber meine Freundin lässt nicht locker. Und ich ahne, was als Nächstes kommt. Die beliebte Frage, die mich seit fast einem Jahr statt Einkaufstüten begleitet: "Warum machst du das überhaupt?",fragt sie, während sie an der Kasse ihre Beute bezahlt. Meine Standard-Antwort reicht dieses Mal - und führt sogar zu einer kurzzeitigen Einsicht. "Eigentlich habe ich ja auch genügend Sachen im Schrank, die ich bei der Hochzeit tragen könnte", resümiert sie. Das neue Kleid kauft sie trotzdem.

Wenn ich eines während der vergangenen Monate gelernt habe, dann, standhaft zu bleiben und meine Meinung zu vertreten. Das hilft mir auch in anderen Situationen. Abends in der Kneipe zum Beispiel, wenn Freunde mich zum nächsten Bier überreden wollen. Da sage ich jetzt freundlich, aber bestimmt: "Nein danke!" Und ergänze eventuell mit meiner Standard-Antwort aus dem No-Shopping-Experiment: "Es war einfach (schon) zu viel."

Außerdem brauche ich bei der morgendlichen Konfrontation mit meinem Kleiderschrank einen klaren Kopf. Denn leichter wird die Qual der Outfitwahl nach fast einem Jahr nicht. Ab Januar darf wieder frischer Stoff auf die Stange. Ich gebe zu: Nach 365 Tagen im Kleiderkreis freue ich mich auf ein bisschen Abwechslung.