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Fünfzig Meter - dann muss er eine Pause einlegen. Der kurze Weg bringt Kevin Kerrutt aus Aue an seine körperlichen Grenzen. Damals, im Sommer 2010, ist er 19 Jahre alt. In seiner Freizeit spielt er leidenschaftlich gern Fußball. Von einem Tag auf den anderen kommt ihm die Ausdauer abhanden. Er geht zum Arzt. Die Diagnose lautet Herzmuskelentzündung. Sein Zustand verschlechtert sich, noch bevor er die verschriebene Kur antreten kann. Es folgt Intensivstation und ein Aufenthalt im Herzzentrum Leipzig. "Dort erfuhr ich, dass ich ein neues Herz brauchte."

Nur zwei Monate später wird Kerrutt in einer Notoperation ein Kunstherz eingesetzt. "Eine Übergangslösung, weil es nicht genug Organe gibt", weiß er heute. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation standen im Jahr 2018 nur 3.113 Spenderorgane zur Verfügung. Benötigt wurden 9.697. Aktuell warten 10.000 Menschen auf eine Transplantation.

Ohne das Herz hätte es meine Tochter nicht gegeben. Kevin Kerrutt lebt seit drei Jahren mit einem neuen Herz.

Sechs Jahre warten

Kevin Kerrutt wartet sechs Jahre. In der Nacht auf den 30. April 2016 bekommt er einen Anruf vom Oberarzt. Drei Stunden später wird er operiert. "Bis gleich", sagt Kerrutt, bevor er für sechs Stunden im OP verschwindet. Er ist sich sicher, dass er es schaffen wird. Vor dem Eingriff geben ihm die Ärzte noch höchstens zwei Wochen.

Die Operation verläuft gut. Seit drei Jahren lebt er mit dem Herz eines Menschen, über den er nichts weiß. Außer dass sich derjenige zu Lebzeiten für die Organspende entschieden hat. Kerrutt wohnt heute in Bad Düben, macht eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und ist vor einem Jahr Vater geworden. Seine Dankbarkeit kann er kaum in Worte fassen. "Ohne das Herz hätte es meine Tochter nicht gegeben." Seine Erfahrung nutzt der 28-Jährige, um auf die Thematik aufmerksam zu machen. Ihm gehe es nicht darum, möglichst viele Menschen von der Organspende zu überzeugen. Für jeden, der das nicht will, habe er vollstes Verständnis. "Ich möchte lediglich, dass diese Entscheidung bewusst getroffen wird." Er selbst hatte sich nie mit dem Thema auseinandergesetzt, bevor er plötzlich selbst auf eine Spende angewiesen war.

Plötzlich entscheiden müssen

Als seine Mutter ihm von ihrem Organspendeausweis erzählt, reagiert Jan Breidenbach gereizt. Intuitiv lehnt der Rettungssanitäter aus Weikersheim eine Spende ab. Ein Jahr später, am 6. Mai 2004, stirbt seine Mutter an den Folgen einer Hirnblutung. Breidenbach ist damals 22 Jahre alt.

Er sucht das ganze Haus ab. Der Organspendeausweis der 50-Jährigen bleibt unauffindbar. Die Entscheidung liegt nun bei ihm. Obwohl er sich zuvor gegen eine Spende geäußert hatte, ist er sich nicht mehr sicher. Er spricht mit seiner Tante. "Sie machte mir klar, dass der Wunsch meiner Mutter eindeutig war. Selbst wenn sie den Ausweis mir zuliebe entsorgt haben sollte." Jan Breidenbach beschließt, die Organe freizugeben.

Ob jemand dafür oder dagegen ist, muss derjenige selbst wissen. Jan Breidenbach besitzt einen Organspendeausweis, seine Frau nicht.

Gespendet wurden Nieren und Lunge. Über die Empfänger will Breidenbach nichts wissen. "Selbst wenn einer von ihnen ein Verbrecher ist, darf er mit dem neuen Organ ein glückliches Leben führen." Jan Breidenbach ist mittlerweile 38 Jahre alt. Die Spende seiner Mutter brachte ihn dazu, die eigene Einstellung zu überdenken. Inzwischen hat er selbst einen Organspendeausweis. "Ob jemand dafür oder dagegen ist, muss derjenige selbst wissen." Wichtig sei nur, dass eine Entscheidung getroffen wird.

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Nicht nur das Herz – auch Lunge, Leber, Bauchspeicheldrüse, Nieren und Dünndarm können gespendet werden.

Beratung

Mehr Informationen zur Organspende gibt es unter der Rufnummer 0800 904 04 00 (gebührenfrei innerhalb Deutschlands, erreichbar montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr). Das Infotelefon ist eine gemeinsame Einrichtung der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) und der BZgA. Kontakt per E-Mail: infotelefon@organspende.de

Die TK bietet montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr im Inland unter der Nummer 040 46 06 62 53 10 ( Telefongebühren abhängig vom Anbieter) eine Telefonberatung zur Organspende an. Erreichbarkeit per E-Mail: organspende@tk.de

Widerspruchslösung vs. Zustimmungslösung

Um die Zahl der Organspender zu erhöhen, werden gegenwärtig zwei politische Ansätze diskutiert. Eine Entscheidung darüber lag bei Redaktionsschluss der Kundenmagazine aber noch nicht vor. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wirbt bereits seit dem vergangenen Jahr für die sogenannte doppelte Widerspruchslösung. Danach ist jeder Bundesbürger automatisch nach seinem Tod Spender, wenn er oder seine Angehörigen nicht aktiv widersprechen. Eine andere Gruppe setzt sich für eine verbindliche wiederkehrende Abfrage in den Bürgerämtern ein, zum Beispiel wenn ein neuer Ausweis beantragt wird.

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Thema Organspende auch im Podcast

Ab sofort ist der neue kostenlose Gesundheitspodcast der Techniker online. Auch zum Thema Organspende könnt ihr eine Folge hören. Den Download findet ihr bei Spotify und iTunes.