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Als Marco Remih ins Büro kommt, verrät sein mit Luftschlangen geschmückter Schreibtisch, dass es eigentlich Grund zum Feiern gibt. Es ist der erste Tag seiner Ausbildung zum Medienkaufmann - nur leider inmitten der Corona-Pandemie. Die Frau, die Marco so freundlich willkommen heißt, ist seine neue Chefin. Dass sie bei der Begrüßung lächelt, kann der 18-Jährige nur erahnen. Über Mund und Nase trägt sie eine Maske.

Bisher kenne ich die meisten meiner Kollegen nur aus Video-Meetings. Marco Remih, Auszubildender Medienkaufmann

Sonst ist fast niemand im Großraumbüro. Auch Marco wird die nächsten Monate viel von Zuhause aus arbeiten müssen. "Bisher kenne ich die meisten Kollegen nur aus Video-Meetings. Ich freue mich schon, sie irgendwann in Echt zu treffen."

Vorlesung als Video-Clip

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Leere Hörsäle - Vorlesungen finden online statt.
Germanistik-Studentin Gina Niesser hätte vor Corona auch nicht gedacht, dass sie die vollen Hörsäle vermissen würde. Genau das ist aber jetzt der Fall. Das erste Online-Semester liegt hinter ihr, ins zweite ist sie gerade gestartet. Live-Vorlesungen hat sie nicht, nur Video-Clips, die vorab aufgezeichnet werden.

Die Situation kann für manche überfordernd sein. Gina Niesser, Germanistik-Studentin

Dabei motiviert zu bleiben, gelingt der 22-Jährigen nur mit viel Mühe. Ihr fehlt die Interaktion, das direkte Feedback. Kommilitonen sieht sie nur bei Prüfungen - wenn überhaupt. Es ist aber nicht alles schlecht, sagt Gina. "Wenn jemand eine Frist nicht einhält, reagieren Dozenten mit mehr Verständnis als früher. Weil sie wissen, wie überfordernd die Situation für manche von uns ist."

Treffen über Video

Video-Chat - die Technologie war in den vergangenen Wochen und Monaten Fluch und Segen zugleich. Egal ob beruflich, für die Uni oder privat. Wenn der 22-jährige Marlon Jungjohann bisher ein Match auf Tinder hatte, lief das meistens so ab: Eine Weile chatten und sich dann verabreden.

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Hautnah - Berührungen, die seit Ausbruch der Pandemie rar geworden sind.
Hätte er Elias* nicht während des Lockdowns gematcht, wären sie wohl einfach in den Park gegangen. Weil das nicht ging, schlug Marlon vor, sich per Video zu treffen. Elias sagt zu. Marlon macht sich schick, räumt auf und zündet sogar Kerzen an. Dann erscheint Elias auf seinem Bildschirm, sie reden drei Stunden lang. Elias’ charmante Art gefällt Marlon auf Anhieb: "Bei einem ‚richtigen‘ Date, wäre ich ihm gerne nähergekommen." Elias wiedersehen will er auch ohne Körperkontakt. Die beiden vereinbaren ihr nächstes Video-Date, noch bevor das erste endet.

*Name von der Redaktion geändert.

Okay, öfter online zu sein

Lehren, lernen, Leute treffen, sich verlieben - was vor wenigen Monaten in der Welt da draußen noch selbstverständlich war, findet nun virtuell statt. Die Geräte, über die wir kommunizieren, Handy, Tablet, Laptop, werden dabei mehr und mehr zum digitalen Rettungsanker. Doch wer im Moment mehr Zeit an Smartphone und Co. verbringt als sonst, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, sagt Medienpsychologe Tobias Dienlin. Er forscht an der Universität Wien unter anderem dazu, wie soziale Medien Privatsphäre und psychische Gesundheit beeinflussen.

Wer im Moment mehr Zeit an Smartphone und Co. verbringt als sonst, braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Medienpsychologe Tobias Dienlin

"Wir sind mitten in einer Pandemie. Da ist es legitim, öfter online zu sein." Schon deswegen, weil uns Medien dabei helfen, miteinander in Kontakt zu bleiben, wenn physische Treffen nicht möglich sind, sagt die Medienpädagogin Iren Schulz. "Hätten wir diese digitalen Möglichkeiten nicht, wäre das für uns alle eine noch härtere Zeit." Zielführender, als sich wegen seines Medienkonsums laufend Vorwürfe zu machen, sei es, den eigenen Umgang mit digitalen Medien zu reflektieren - auch für die Zeit nach der Pandemie, "also eine gewisse Achtsamkeit dafür zu entwickeln, wann und wofür ich sie nutze", sagt Dienlin.

Von "zu viel" sei erst die Rede, wenn Medien einen so hohen Stellenwert bekämen, dass alles andere in den Hintergrund trete, erklärt Dienlin. "Also wenn jemand gar nicht mehr vom Bildschirm loskommt, ohne gereizt, beziehungsweise nervös zu werden. Oder Pflichten und soziale Kontakte vernachlässigt", ergänzt Dienlin. In einem solchen Fall empfehlen die Experten, dem "ritualisierten" Verhalten mit neuen Ritualen entgegenzuwirken. Zum Beispiel, indem das Handy bei Spaziergängen zuhause bleibt oder der Laptop im Bett durch ein Buch ersetzt wird. Hilfreich kann zudem sein, die Geräte so zu platzieren, dass sie nicht gleich griffbereit sind oder feste medienfreie Zeiten einzurichten. "Dass diese Zeiten immer weniger werden, war schon vor Corona der Fall. Bewusste Auszeiten sind wichtig - für Hirn und Sozialleben", mahnt Dienlin.

Es ist zu viel, wenn jemand gar nicht mehr vom Bildschirm loskommt oder Pflichten und soziale Kontakte vernachlässigt. Medienpädagogin Iren Schulz

Es kommt also nicht allein auf die Zeit vor den Bildschirmen an, sondern darauf, wie sie genutzt wird. So macht es einen Unterschied, ob jemand fünf Stunden am Tag nur durch Instagram scrollt, oder stattdessen Nachrichten liest, mit Freunden kommuniziert und einen Film schaut. Und bei vielen Dingen - sei es Kommunikation, Unterhaltung, aber auch im Gesundheitssektor - können digitale Medien zu praktischen Helfern werden.

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Was macht die Corona-Krise mit unserer psychischen Gesundheit?