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Ich fahre über die Autobahn, als ein Platzregen losbricht. Das Wasser läuft in Strömen die Windschutzscheibe herunter und ich kann kaum noch sehen, was um mich herum passiert. Ich habe das Gefühl, gleich die Kontrolle zu verlieren. Auf meiner Stirn steht kalter Schweiß, gefolgt von Herzrasen und Zittern am ganzen Körper. Mit größter Mühe schaffe ich es zwar unbeschadet nach Hause, aber die Angst werde ich nicht mehr los. Immer wieder bekomme ich Panikattacken. Sogar, wenn ich unter der Dusche stehe. Auch neue Ängste kommen hinzu: Alltägliches, wie mit dem Auto über eine Brücke zu fahren, ist auf einmal nicht mehr machbar für mich.

Die VR-Brille simuliert Situationen, die Angst auslösen.

Weil ich so nicht weitermachen möchte, suche ich mir Hilfe - und finde "Invirto", eine Angsttherapie, die größtenteils über eine App läuft. In einem Video-Anruf lerne ich die Psychologin kennen, die mich bei meiner Therapie begleiten wird. Gemeinsam überlegen wir, welche App-Inhalte und Übungen sich dafür eignen, mir mit meiner Angststörung zu helfen.

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D I E  E N T W I C K L E R  der Virtual Reality-App (v. l. n. r.): Christian Angern, Julian Angern und Benedikt Reinke von Sympatient.
Anschließend bekomme ich alles, was ich für die digitale Therapie brauche, zugeschickt: Eine VR-Brille, Kopfhörer und den Zugang zur Invirto-App.

In acht digitalen Lerneinheiten lerne ich, meine Ängste besser zu verstehen und bekomme Strategien gezeigt, mit denen sie sich bewältigen lassen. Ausprobieren, welche Strategie für mich funktioniert, kann ich in den Experimenten mit der VR-Brille. Sie simuliert Situationen, die mich normalerweise in Panik versetzen würden. Sind die Übungen abgeschlossen, kann ich das Gelernte in meinen Alltag integrieren. Zum Beispiel weiß ich jetzt, dass es mir hilft, in die Ferne zu schauen, wenn ich eine Brücke passiere.

Sind die Übungen abgeschlossen, kann ich das Gelernte in meinen Alltag integrieren. Clara*

Nach acht Wochen ist die Therapie abgeschlossen. Ganz überwunden sind die Ängste noch nicht. Aber ich weiß jetzt, was ich tun kann, um sie nach und nach loszuwerden. Ich schäme mich nicht mehr dafür und bin stolz auf jedes noch so kleine Erfolgserlebnis. Neue Ängste lasse ich gar nicht erst aufkommen, indem ich sachlicher an Situationen herantrete und mich frage: "Ist das wirklich so schlimm, wie ich es mir gerade vorstelle?" In den meisten Fällen lautet die Antwort inzwischen zum
Glück "Nein".

*Name von der Redaktion geändert.

Eine Angststörung ist eine ernstzunehmende Erkrankung

... zum Glück aber sehr gut behandelbar. Das Problem ist: Wenn Menschen in Situationen geraten, die ihnen Angst machen, ist der erste Impuls die Flucht. Ein wesentlicher Teil der Angsttherapie besteht deshalb darin, die Patienten mit diesen Situationen zu konfrontieren. Die Erfahrung lehrt sie dann, dass das was sie erwarten - nämlich, dass etwas Schlimmes passiert - gar nicht eintreten muss.

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J U L I A  K O R N :  Die Psychotherapeutin betreut und behandelt Patienten während ihrer "Invirto"-Therapie.
Ob die Therapie digital oder auf "klassischem" Wege stattfindet, macht im Ergebnis keinen Unterschied. Einige meiner Patienten fühlen sich mit der digitalen Variante wohler, weil sie sich nicht nach Terminen richten müssen, sondern eigenverantwortlich und im eigenen Tempo am Umgang mit ihrer Angst arbeiten können. Sei es in der Mittagspause oder auf der Couch. Andere kostet es viel Überwindung, die Anfahrt zur Klinik auf sich zu nehmen, weil etwa der Weg Elemente beinhaltet, die bei ihnen Panik auslösen - wie eine Fahrt mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese Patienten sind oft froh, wenn sie die Therapie von Zuhause aus angehen können.

All das bedeutet aber nicht, dass ein Patient zu irgendeinem Zeitpunkt alleingelassen wird. Invirto ist eine von Therapeuten begleitete Therapie, Gespräche und Austausch sind Teil des Ganzen. Wenn ein Patient Gefahr läuft, die Behandlung schleifen zu lassen, versuchen wir ihn zu motivieren, indem wir anrufen oder Mails schreiben, in denen wir uns nach seiner Situation erkundigen und unsere Hilfe anbieten.

Die Inhalte unterscheiden sich nicht von dem, was in einer klassischen Therapie vermittelt wird. Sie orientieren sich an den für Psychotherapeuten geltenden Richtlinien und sind wissenschaftlich geprüft. Wenn die Therapie nach vier bis acht Wochen abgeschlossen ist, behält der Patient den Zugang zu allen Inhalten in der App. Es steht ihm also frei, weiter damit zu üben.

Hilfe gegen Angst