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Herr Professor Moritz, Sie haben sehr gepflegte Hände - das war nicht immer so.

Das stimmt. Ich habe bereits als Kind angefangen, an den Nägeln zu kauen. Das wurde mir erst bewusst, als ich in die Pubertät kam. Die Mädchen fanden den Anblick nicht so toll. Auch Gitarre spielen ging mit so kurzen Nägeln nicht gut. Doch weder die üblichen Hänseleien noch gängige "Hausmittel" wie bitterer Nagellack haben daran etwas geändert. Später im Beruf war mir das unangenehm, weil ich Sorge hatte, dass meine Patientinnen und Patienten denken könnten: Der soll mir helfen und hat sich selbst nicht im Griff? Erst mit Ende 20 habe ich mir das Nägelkauen endlich abgewöhnt.

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Professor Dr. Steffen Moritz, Klinischer Psychologe

Wie ist Ihnen das gelungen?

Ich habe eine Methode entwickelt, bei der immer wiederkehrende Abläufe quasi überschrieben werden. Bei der sogenannten "Entkopplung" geht es darum, das eigene Verhalten zunächst zu beobachten und die Zwangshandlung mit einer neuen Bewegung zu überlisten. Das löst eine motorische Irritation aus. So werden wir auf automatisiertes Verhalten aufmerksam und der Verhaltensdrang wird reduziert.

Wie funktioniert das genau?

Es ist eigentlich ganz simpel: Bei der Entkopplung führt man die Bewegung, die man verlernen möchte, wie gehabt aus. Aber kurz vor dem früheren Ziel, also dem Mund, wird sie gestoppt und mit einem Ruck in eine andere Richtung gelenkt. Das sollte man etwa dreimal täglich bewusst üben - nicht nur, wenn man sich gerade beim Kauen "erwischt" hat. Menschen mit körperbezogenen Impulskontrollstörungen wie Nägelkauen, Haut pulen oder Haare ausreißen konnten mit dieser Methode gute Erfolge erzielen. Wer konsequent übt, dem gelingt es meist sehr schnell, vom Nägelkauen loszukommen. Im Schnitt dauert es etwa zwei bis drei Wochen, um den Tick zu besiegen.

Im Schnitt dauert es etwa zwei bis drei Wochen, um den Tick zu besiegen. Dr. Steffen Moritz Klinischer Psychologe


Besteht die Gefahr, rückfällig zu werden?

Nebenwirkungen werden klassischerweise bei Medikamenten untersucht. Aber auch bei psychologischen Techniken sind sie nicht auszuschließen. Rückfälle oder Symptomverschlechterungen sind uns bisher nicht bekannt. An unseren Studien haben bisher weit über 1.000 Versuchspersonen teilgenommen, das ist eine recht solide Datengrundlage.

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Studien besagen, dass jeder sechste Erwachsene Mensch an den Nägeln kaut. Wo liegen die Ursachen dafür?

So doof es klingt: wir machen das, weil wir es können. Nervosität, beziehungsweise Stress spielt sich nun mal auch körperlich ab. Man zappelt, spielt mit den Händen rum und so weiter. Auch falsche Überzeugungen können aufrechterhaltend sein. Beim Nägelkauen haben einige das Gefühl, sich besser konzentrieren zu können, indem die Erregung kanalisiert wird.

Das Verhalten betrifft übrigens nicht nur Menschen. Alle Tiere, die Nägel haben - beispielsweise Affen - kauen unter Stress daran. Diese körperbezogene Störung fällt genau wie viele andere Ticks unter den Sammelbegriff "Body-Focused Repetitive Behaviors", kurz: "BFRBs". Die auslösenden Faktoren dafür sind vielfältig und sehr individuell: Häufig führen Emotionen wie Anspannung, Stress, Nervosität, Langeweile, Trauer oder Freude zum Nägelkauen. Manchmal ist es nur eine lästige Angewohnheit, doch bei einigen der Betroffenen steckt noch eine andere psychische Störung dahinter, die therapiert werden sollte.

Sprüche wie "Lass das doch mal" sollten sich Außenstehende sparen.

Also ist eine psychologische Einschätzung Grundsätzlich ratsam?

Das Problem ist, dass es sich beim Nägelkauen und anderen BFRBs um fast belächelte Störungen handelt. Viele Psycholog: innen und Psychiater:innen nehmen das Thema nicht ernst. Dabei führt Nägelkauen häufig zu ausgeprägten Schamgefühlen, die wiederum auf Dauer ernsthafte psychische Störungen wie Selbstwertprobleme bis hin zu Depressionen verursachen können. Letztendlich führen die Störungen nicht selten auch zu bleibenden physischen Schäden wie Störungen des Nagelwachstums beim Nägelkauen oder Narbenbildung bei Menschen, die etwa ihre Haut pulen.

Was raten Sie Angehörigen von Menschen, die zwanghaft an den Nägeln kauen?

Auf jeden Fall sollte man sich Sprüche wie "Lass das doch mal" sparen, denn das ist nicht hilfreich. Besser ist es, die Hand des Betroffenen zu berühren, sobald sie zum Mund wandert, und sanft woanders hinzuleiten.

Hilfe beim Abgewöhnen

bietet die ausführliche Anleitung zur Entkopplungsbehandlung.

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Gewohn­heiten ändern

So werden Sie das Nägelkauen los. Eine detaillierte Anleitung führt Sie Schritt für Schritt durch die Methode. Einfach anwenden und Erfolge beobachten.

Lästige Gewohn­heiten loswerden

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So einfach geht´s: Befreien Sie sich von stressbedingten schlechten Gewohnheiten.