Welche Diagnose-Möglichkeiten gibt es?

Um aus der Vielzahl möglicher Allergene das für den Patienten zutreffende herauszufinden, bedarf es detektivischer Fähigkeiten. Es gibt keinen alleinigen Test, der Allergien diagnostizieren kann. Es ist immer ein Zusammenspiel der vier Stufen der Allergiediagnostik:

Anamnese

Die Erhebung der allergologischen Krankengeschichte (häusliches und berufliches Umfeld) kann wertvolle Hinweise geben und steht vor jeder Allergietestung.

Hauttests

Bei Hauttests (Prick-, Epikutan-, Intrakutan-, Scratch-, Reibetest) werden Proben möglicher Auslöser auf die Haut aufgebracht und beobachtet, ob eine allergische Reaktion an dieser Hautstelle (als Pustel oder Quaddel) auftritt. Um verfälschte Ergebnisse der Tests zu vermeiden, sollten circa fünf Tage vor einem beabsichtigten Hauttest Antihistaminika (Antiallergika) gemieden beziehungsweise abgesetzt werden. Kochsalz dient hier als Negativkontrolle und Histamin als Positivkontrolle.

Labortests (Bluttests)

Hier werden mithilfe von Blutproben die Reaktionsbereitschaft und spezifische Sensibilisierung gegen die untersuchten Allergene im Labor getestet. Bei einer Allergiebereitschaft sind spezifische IgE-Antikörper im Blut erhöht.

Nachanamnese und Provokationstest

Die Deutung des Testergebnisses erfordert eine Überprüfung durch Erhebung einer Nachanamnese (ist der Patient überhaupt dem Allergen ausgesetzt? Passen Symptome und Testergebnis zusammen?). Im Provokationstest wird das klinische Symptom (zum Beispiel Bindehautentzündung, allergischer Schnupfen, Hautausschlag) durch Nachahmung der "natürlichen Bedingungen" reproduziert. Bei einer Hausstaubmilbenallergie wird beispielsweise das Milbenallergen nasal provoziert, also in die Nase gebracht.

Welche Therapie ist die richtige?

Allergenkarenz

Das Mittel der ersten Wahl, um allergische Reaktionen zu verhindern, ist das Meiden des Auslösers (Karenz). Je nach Allergieauslöser umfasst die Karenz das Weglassen eines Lebensmittels, Sanierungsmaßnahmen bei einer Hausstaubmilbenallergie oder den Wechsel einer Hautcreme. Sind die Allergieauslöser allerdings allgegenwärtig, ist eine Vermeidung nicht möglich. Pollenallergiker zum Beispiel können ihrem Auslöser nicht immer aus dem Weg gehen. Die Behandlung der Wahl ist dann die Hyposensibilisierung.

Hyposensibilisierung

Die Hypo- oder Desensibilisierung gilt als ursächliche Allergietherapie. Bei dieser Behandlungsform wird dem Allergiekranken das für ihn aktuelle Allergen allmählich in steigender Dosis zugeführt, um ihn dagegen unempfindlich zu machen.

Medikamentöse Behandlung

Die medikamentöse Behandlung dient der Linderung und Vermeidung der Krankheitssymptome. Sie ist oft die einzige Strategie, damit der betroffene Patient ohne oder mit nur geringen Beschwerden durch den Tag kommt. Je nach Wirkstoff wird zwischen topischen und systemischen Medikamenten unterschieden. Topische Medikamente umfassen Augentropfen, Nasenspray, Cremes und Asthmasprays. Sie wirken nur an der Stelle des Körpers, an der sie angewendet werden. Systemische Medikamente wie Tabletten oder Spritzen verbreiten ihre Wirkung im gesamten Organismus.

Unterschiedliche Wirkstoffe

Antihistaminika sind relativ weit verbreitet. Die zumeist ohne Rezept in der Apotheke erhältlichen Produkte sind nebenwirkungsarm, effektiv und schnell in ihrer Wirkung. Es gibt sie in Tablettenform, als Tropfen oder Spray.

Kortison - oder genauer Glukokortikoid - wird heutzutage erfolgreich in lokaler Form, also an der Stelle, an der Beschwerden auftreten (zum Beispiel den Atemwegen), angewendet. Die Wirkung ist sehr gut und die Nebenwirkungen sind gering. Im Gegensatz zu den Antihistaminika sind die meisten kortisonhaltigen Präparate verschreibungspflichtig. DNCG ist die Abkürzung für Dinatriumcromoglicinsäure. Hierbei handelt es sich um einen speziellen Zellstabilisator, der das Ausschütten von entzündungsfördernden Botenstoffen (zum Beispiel Histamin) verhindern soll. Der Wirkerfolg ist verhältnismäßig gering, weshalb DNCG-Präparate kaum noch angewendet werden.

Kann man Allergien überhaupt vorbeugen?

Den "einzig wahren" und garantiert erfolgsversprechenden Tipp zur Allergievorbeugung gibt es nicht. Allerdings kann es hilfreich sein, schon im Säuglingsalter die eine oder andere Präventionsmaßnahme zu beherzigen.

Die Häufigkeit von Allergien und Asthma bei Kindern und Jugendlichen hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Vor allem in allen industrialisierten Ländern ist die Zahl der Allergiker dramatisch angewachsen - etwa dreimal so viele Menschen wie noch in den 80er Jahren sollen heute allergisch sein. Mit geeigneten vorbeugenden Maßnahmen lässt sich das Risiko einer allergischen Erkrankung, Asthma oder Neurodermitis bei Kindern um etwa die Hälfte senken.

Welche Kinder sind allergiegefährdet?

Leider gibt es zurzeit noch keine verlässliche Testung, um das Allergierisiko des Kindes festzulegen. Bekannt ist, dass die Veranlagung, eine Erkrankung des atopischen Formenkreises zu entwickeln (Asthma, Neurodermitis, Heuschnupfen, Lebensmittel-Allergien), vererbt wird. Daher ist die Familiengeschichte (Anamnese) das einzige Mittel zur Einschätzung des Risikos bei Kindern.

  • Ist kein Elternteil allergisch, liegt das Allergierisiko des Kindes bei 0 bis 5 Prozent.
  • Ist bereits ein Geschwisterteil allergisch, bei 25 bis 30 Prozent.
  • Ist ein Elternteil allergisch, bei 20 bis 40 Prozent.
  • Sind beide Elternteile allergisch, bei 50 bis 60 Prozent.
  • Haben beide Elternteile die gleiche Allergie, bei 60 bis 80 Prozent

Ob es allerdings zum Krankheitsausbruch kommt, hängt zusätzlich von den Bedingungen ab, in denen ein Kind aufwächst. Sowohl der zu frühe als auch der intensive Kontakt mit möglichen Allergieauslösern spielen dabei eine wesentliche Rolle. Darüber hinaus werden Umwelteinflüsse wie Zigarettenrauch und Luftschadstoffe in Innenraum und Außenluft für eine Allergieentwicklung verantwortlich gemacht.

Welche Präventionsmaßnahmen werden empfohlen?

Vorbeugen in der Stillzeit

Fisch hat nach neuesten Erkenntnissen allergiepräventive Effekte und sollte daher zweimal wöchentlich auf dem Speiseplan stehen. Davon mindestens einmal fettreicher Seefisch - wie beispielsweise Hering, Lachs oder Makrele.

Kein Zigarettenrauch

Beginnen Sie bei der Allergievorbeugung mit einem rauchfreien Umfeld für Ihr Kind. Dies gilt für beide Elternteile!

Vier Monate stillen

Insbesondere Kinder aus allergiebelasteten Familien sollten, wenn möglich, vier Monate voll gestillt werden. Falls trotz aller Anstrengung ein ausschließliches Stillen nicht möglich ist, wird für Risikokinder eine Spezialnahrung empfohlen. Bei diesen Nahrungen liegt das Eiweiß in einer aufgespaltenen Form vor und ist damit in der Allergenität vermindert (hydrolysierte Säuglingsnahrung). Diese Nahrung sollte bis zur Vollendung des vierten Lebensmonats ausschließlich gefüttert werden. Dabei werden von führenden Experten in diesem Bereich die leicht hydrolysierten Produkte, sogenannte HA- Nahrungen, empfohlen, die ihre Effizienz in wissenschaftlichen Studien unter Beweis gestellt haben (zum Beispiel Beba HA). Ziegen- und Schafsmilch sowie Sojagetränke sind als Ersatz für Muttermilch nicht geeignet.

Beikost schrittweise einführen

Die Beikost beginnt damit, schrittweise Milchmahlzeiten durch Breimahlzeiten zu ersetzen und gegen Ende des ersten Lebensjahres auf die Familienmahlzeiten umzustellen. Jedes Kind braucht Zeit, um sich an die Breimahlzeit zu gewöhnen.

Haustiere

Der Einfluss von Haustieren auf die Entstehung von Allergien wird zurzeit kontrovers diskutiert. Schaffen Sie daher keine neuen Haustiere wie Katzen, Hamster oder Vögel an. Das Verbleiben eines bereits vorhandenen Haustieres in der Wohnung ist je nach familiärem Risiko vertretbar.

Empfohlene Schutzimpfungen

Auch bei allergiegefährdeten Kindern sollten die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Impfungen durchgeführt werden. Mehrere große Untersuchungen haben gezeigt, dass Schutzimpfungen die Allergie- oder Neurodermitisrate nicht erhöhen!

Sinnvoll außerdem:

  • Cremes und Shampoos, die frei sind von Duft- und Farbstoffen
  • Kein frühes Ohrlochstechen
  • Kein frühes Tragen von Modeschmuck
  • Kein Kinderparfum
  • Regelmäßiges Lüften, keine Raumsprays, Luftschadstoffe im Innenraum minimieren
  • Innenraumklima mit hohen Raumluftfeuchten vermeiden, damit kein schimmelpilzförderndes Innenraumklima entsteht. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40 bis höchstens 60 Prozent liegen.
  • Schimmelpilzschäden müssen umgehend saniert werden. Dafür ist es unerlässlich, die Ursache für den Schaden zu ermitteln, damit eine dauerhafte Beseitigung der Schimmelpilze erreicht wird. Ein Überstreichen eines Schimmelpilzschadens ist keine Lösung des Problems.

Ist es gut, beim allergischen Schnupfen das Niesen zu unterdrücken?

Beim Niesen kann nicht nur ohrenbetäubender Lärm entstehen. In der Atemmuskulatur (von Brust und Bauch) werden vielmehr Geschwindigkeiten "heraufbeschworen", die es mit jedem Rennauto aufnehmen können. Mit bis zu 160 Stundenkilometer schleudert ein niesender Mensch Luft, Speichel, Nasensekret und Keime durch Mund und Nase.

Das Niesen zu unterdrücken, ist bei solch einer Hochgeschwindigkeit nicht ratsam. Denn der Schleim wird auf diese Art womöglich in die Nebenhöhlen oder sogar bis in die Ohren gedrückt. Versuchen Sie doch einfach mal, ganz fest die Bauchmuskeln anzuspannen, wenn sich ein "Hatschi" ankündigt. Da sich dann die Stimmritze nicht öffnen kann, hat der Nieser somit keine Chance, sich laut seinen Weg zu bahnen.