Homöo­pa­thie: Therapie mit Kügel­chen

Gleiches mit Gleichem behandeln - das ist das Prinzip, mit dem die Homöopathie Kügelchen als Heilmittel auswählt. Sie geht davon aus, dass eine Krankheit, die sich mit bestimmten Symptomen äußert, durch eine Substanz geheilt werden kann, die beim gesunden Menschen genau diese oder zumindest sehr ähnliche Beschwerden hervorruft.

Koffein im starken Kaffee sorgt vor allem für Nervosität und Herzrasen. Bienengift lässt bei einem Stich unsere Haut anschwellen und sich röten. Verdünnt und verschüttelt dagegen werden Coffea und Apis - wie die Kaffeepflanze und das Bienengift Lateinisch heißen - als homöopathisches Heilmittel eingesetzt. Sie lindern laut der Homöopathie genau diese Beschwerden, die sie selbst eigentlich hervorrufen.

Typische homöopathische Darreichungsform sind die sogenannten Globuli, kleine Kügelchen aus Rohrzucker. Daneben gibt es auch Tabletten, Tinkturen, Salben und Zäpfchen.

Mittel fürs innere Gleichgewicht

Nach der Theorie der Homöopathie soll der ganze Mensch mit seinen körperlichen und seelischen Leiden erfasst werden: "Symptome sind nicht nur organisch bedingt, sondern haben in der Homöopathie immer mit einem gestörten inneren Gleichgewicht zu tun", erklärt Petra Rudnick vom TK-Ärztezentrum. "Ein Körper wird danach krank, weil er gegen diesen disharmonischen Zustand ankämpft", so die Ärztin für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren.

Die Mittel sollen nach der Theorie der Homöopathie die Selbstheilung des Organismus stärken. Basierend auf der Krankengeschichte jedes einzelnen Patienten entwickelt ein Homöopath einen individuell abgestimmten Therapieplan, der sich nach der Theorie der Homöopathie sowohl am Krankheitsbild als auch an weiteren Aspekten wie der Persönlichkeit orientiert.

Das Ähnlichkeitsprinzip der Homöopathie

"Similia similibus curentur" - Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden. Auf dieser Grundregel basieren alle Wirkstoffe der Homöopathie. Sie findet sich bereits in Schriften des griechischen Arztes Hippokrates aus der Zeit um 400 vor Christus, geriet dann aber lange in Vergessenheit. Wiederentdeckt wurde die Heilmethode vom deutschen Arzt Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755-1843), dem Begründer der heutigen Homöopathie.

Die Kraft der Verdünnung

Als Hahnemann begann, die ersten Patienten mit homöopathischen Medikamenten zu behandeln, wählte er stets eine geringe Dosis, um Nebenwirkungen auszuschließen.

Er schilderte danach die Entdeckung: Je mehr man die Ausgangsstoffe verdünnt und dabei verschüttelt, desto wirksamer sind sie. Seitdem gilt in der Homöopathie bei der Medikamentenzubereitung das Prinzip der Potenzierung, das heißt der schrittweisen Verdünnung und Verschüttelung.

Potenzierung: Was bedeutet D6 oder C200?

Bei der Medikamentenzubereitung wird ein Teil der Ursubstanz und neun Teile Alkohol oder Milchzucker vermischt, um die erste Dezimal-Potenz (D-Potenz) D1 zu erhalten. In der nächsten Stufe, der Dynamisierung, vermischt man einen Teil der D1-Substanz mit neun Teilen Verdünnungsmittel, verschüttelt das Mittel zehnmal und erhält die Potenz D2. Die Herstellung höherer D-Potenzen erfolgt entsprechend. In einer D6-Potenz befindet sich also ein Teil Wirkstoff auf 999.999 Teile Verdünnungssubstanz. Neben den Zehnerpotenzen gibt es auch Centisemal (C-) Potenzen, die einer Verdünnung von 1:100 pro Schritt entsprechen.

Wie wirken homöopathische Medikamente?

Die Tatsache, dass in hochpotenzierten Verdünnungen mit chemischen Analysemethoden nicht einmal mehr ein einziges Molekül der Wirksubstanz nachgewiesen werden kann, hat der Homöopathie immer wieder Kritik eingebracht. Befürworter gehen davon aus, dass die Information des Wirkstoffes in den Wassermolekülen gespeichert ist, und zwar in Form einer Veränderung des Energiemusters.

Naturwissenschaftlich bewiesen ist diese Theorie nicht. Da die Homöopathie aber auch auf einer anderen Vorstellung von krank und gesund beruht und die ganzheitliche Betrachtung des Patienten im Mittelpunkt der Therapie steht, kann es gut sein, dass die naturwissenschaftlichen Erklärungsmethoden nicht greifen - so die Argumentation vieler Homöopathen.

Wann werden homöopathische Mittel angewendet?

Prinzipiell können Sie homöopathische Arzneimittel bei sehr vielen Krankheiten als begleitende Maßnahme zu schulmedizinischen Therapien einsetzen. Dies sollten Sie allerdings immer mit Ihrem behandelnden Arzt absprechen.

Was müssen Sie beachten?

Aufgrund des Ähnlichkeitsprinzips kann es nach der Theorie der Homöopathie am Anfang einer homöopathischen Behandlung zur Verschlimmerung der Beschwerden kommen. Dies deutet die Homöopathie als ein Zeichen dafür, dass der Organismus auf die Substanz anspricht und seine Selbstheilungskräfte mobilisiert.

Keineswegs sollten Sie vergessen, dass bei der Heilmethode auch Mittel verwendet werden, die in hoher Dosis schädlich oder gar giftig sein können. Von einer Selbsttherapie ist deshalb überwiegend abzuraten, die Behandlung sollten Sie mit einem speziell dafür ausgebildeten Arzt absprechen.

Die optimale Therapie muss für jeden Patienten ausgehend von seinen Lebensgewohnheiten, der psychischen Verfassung, der körperlichen Konstitution und der persönlichen Krankengeschichte individuell festgelegt werden.

All diese Punkte erfasst der Arzt in einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) und stellt dann die Behandlung zusammen, die nach der Theorie der Homöopathie speziell für diesen Menschen und seine persönliche Situation geeignet ist. Deshalb kommen bei verschiedenen Patienten mit derselben Symptomatik keineswegs immer die gleichen homöopathischen Medikamente zum Einsatz.

Unter Homöopathen gilt die Therapie, von einem erfahrenen Therapeuten durchgeführt, als sanftes Verfahren. Als unseriös hingegen gelten diejenigen, die in allen Fällen Heilung versprechen, denn wie die Schulmedizin hat auch die Homöopathie ihre Grenzen.