Komplementärmedizinische Methoden werden nicht nur von Ärzten angeboten, sondern auch von Angehörigen anderer Gesundheitsberufe, wie zum Beispiel:

  • Heilmasseure,
  • Physiotherapeuten,
  • Gesundheitspfleger,
  • Psychotherapeuten,
  • Ergotherapeuten
  • Heilpraktiker.

Das ist soweit auch in Ordnung. Problematisch ist dabei aber:

  • Es gibt einige Methoden, die auch angewandt werden, ohne dass der Therapeut einer der oben genannten Berufsgruppen angehört und eine bestimmte medizinische Grundausbildung absolviert hat, und
  • nicht alle Berufsgruppen müssen eine bestimmte Qualifikation in der Anwendung einer Methode nachweisen, um diese auch eigenständig anzuwenden.

Aus diesem Umstand ergibt sich im Bereich der Alternativmedizin ein gewisser rechtlicher Graubereich. Achten Sie daher darauf, dass Sie nur von Therapeuten mit entsprechenden Qualifikationen behandelt werden!

Auf Zusatzbezeichnungen achten

Achten Sie auf Zusatzbezeichnungen! Denn sie sind eine erste Hilfe, um den richtigen Therapeuten zu finden.

So dürfen zum Beispiel Heilmethoden unter der Bezeichnung "Naturheilverfahren" nur von approbierten Ärzten und Heilpraktikern mit entsprechender Heilerlaubnis angeboten und auch eigenständig angewendet werden. Das gilt auch für bestimmte Methoden wie Homöopathie oder Osteopathie. Außerdem dürfen Physiotherapeuten nach ärztlicher Verordnung osteopathisch behandeln.

Das heißt, solche Therapeuten haben ein umfassendes medizinisches Grundwissen erworben: Ärzte haben mindestens sechs Jahre Medizin studiert, Physiotherapeuten und Heilpraktiker in der Regel eine mehrjährige Ausbildung an einer Schule für Physiotherapie beziehungsweise Heilpraktik besucht. Und sie haben ihr Wissen bei der Ärztekammer beziehungsweise beim Gesundheitsamt (Heilpraktiker) oder ihrer Schule (Physiotherapeuten) mit einer Prüfung erfolgreich unter Beweis gestellt.

Zusatzbezeichnungen sind nicht geschützt

Wenn Sie eine bestimmte Zusatzbezeichnung auf einem Praxisschild lesen, heißt das aber noch lange nicht, dass der Therapeut über eine fundierte Ausbildung in dem speziellen Bereich verfügt.

Beispiel Osteopathie

Um eine qualifizierte Behandlung zu gewährleisten, gilt in der Osteopathie zum Beispiel eine vier- bis fünfjährige Ausbildung. Kann ein Osteopath diese Voraussetzungen vorweisen, haben Sie die Sicherheit, dass Sie fachgerecht behandelt werden. Das lässt sich aber anhand der Zusatzbezeichnung "Osteopath" nicht überprüfen, denn sie ist nicht geschützt. Und es gelten für die verschiedenen Berufsgruppen unterschiedliche Weiterbildungsbestimmungen.

Wie gut die Weiterbildung sein muss, bestimmt der Beruf

Ärzten ist es zum Beispiel im Bereich Homöopathie oder Osteopathie erst nach einer einheitlichen Ausbildung erlaubt, homöopathisch oder osteopathisch zu therapieren. Diese wird von den Landesärztekammern vorgeschrieben. Heilpraktiker dagegen dürfen relativ frei wählen, welche Ausbildung sie absolvieren möchten.

Für Patienten bedeutet das: Ob ein Therapeut lediglich ein selbst ernannter Experte ist, nur auf einen Schnellkurs verweisen kann oder eine fundierte Aus- oder Weiterbildung in dem Spezialgebiet erhalten hat, ist oftmals schwer zu unterscheiden.

Gut informiert ist, wer bei Unsicherheit nachfragt

Wenn Sie Zweifel an der Qualifikation eines Therapeuten haben: Informieren Sie sich auf der Website Ihres Wunschtherapeuten über dessen Ausbildung und Erfahrung - oder fragen Sie telefonisch in der jeweiligen Praxis nach, bevor Sie einen ersten Termin vereinbaren. So gehen Sie auf Nummer sicher.

Zertifikate und Verbandssiegel als Richtschnur

Zertifikate können bei der Auswahl eines geeigneten Therapeuten helfen - im Bereich der Homöopathie zum Beispiel das Homöopathie-Diplom des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) oder der Stiftung Homöopathie-Zertifikat (SHZ) und im Bereich der Osteopathie zum Beispiel das Zertifikat des Verbandes Freier Osteopathen.

Zertifiziert werden nur Heilpraktiker und Ärzte, die nach bestimmten Regeln arbeiten und genau festgelegte Kriterien erfüllen wie zum Beispiel eine bestimmte Anzahl an Weiterbildungsstunden in diesem Spezialgebiet.

Ein Qualifikationshinweis: die Mitgliedschaft in Berufsverbänden

Auch die Zugehörigkeit zu bestimmten Berufsverbänden kann ein Anhaltspunkt für die Qualifikation eines Therapeuten sein: So legen zum Beispiel die Osteopathenverbände in Deutschland Richtlinien fest, wann man sich Osteopath nennen darf und wann nicht. Diese Richtlinien sind in Deutschland kein Gesetz und genießen keine rechtliche Verbindlichkeit.

Dennoch gibt die Mitgliedschaft in einem Verband in der Regel an, dass bestimmte Qualifikationskriterien vom Therapeuten erfüllt sind, wie zum Beispiel eine bestimmte Anzahl absolvierter Ausbildungseinheiten. 

Sechs Kriterien, dass Sie richtig sind

Es gibt einige Hinweise, die einem kritischen Patienten schon beim ersten Gespräch mit dem Therapeuten verraten, ob er ihm vertrauen kann.

Das ist der Fall, wenn der Therapeut:

  • ein umfassendes Diagnosegespräch führt, bei dem er sich ein umfassendes Bild über die Erkrankung, die vorherige schulmedizinische Diagnose und Behandlung einschließlich Medikation, sowie den Lebensstil (Ernährung, Bewegung, Lebens- und Arbeitssituation) des Patienten verschafft,
  • eine gründliche körperliche Untersuchung vornimmt,
  • dem Patienten erklärt, wie die Diagnose lautet und nach welchen Kriterien er sie gestellt hat,
  • das Behandlungsverfahren erläutert, einen zeitlich begrenzten Behandlungsplan aufstellt und mögliche Alternativen aufzeigt,
  • ärztlich verschriebene (schulmedizinische) Medikamente berücksichtigt,
  • die Behandlungskosten und deren eventuelle Erstattungsmöglichkeiten im voraus darlegt, offen über seine Ausbildung und berufliche Praxis Auskunft gibt.

Dann sollten Sie die Praxis schnell verlassen

Die Praxis schnell wieder verlassen sollte man, wenn der Therapeut:

  • eine rasche und vollkommene Heilung verspricht,
  • nach nur kurzem Gespräch und ohne oder nur flüchtige Untersuchung vorgibt zu wissen, was einem fehlt,
  • andere Therapieverfahren außer den selbst angewendeten kompromisslos ablehnt und auf kritische Fragen unwirsch reagiert,
  • nicht über mögliche Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten aufklärt,
  • verlangt, dass alle anderen Therapien abgebrochen und verschriebene Medikamente sofort abgesetzt werden,
  • den Behandlungsplan nicht erläutern und auf Besonderheiten des Einzelfalls nicht eingehen will,
  • die Behandlungskosten nicht offen legt oder Vorauszahlungen für länger dauernde Behandlungen verlangt,
  • seine Qualifikation nicht glaubwürdig nachweisen kann.