Im Bereich der Alternativmedizin gibt es kaum ein Verfahren, für das es keine Studien gibt, die die Wirksamkeit belegen. Und gleichzeitig gibt es für viele Verfahren manchmal sogar ebenso viele Studien, die das Gegenteil aussagen.

Dabei macht es die Sache nicht einfacher, dass manche Verfahren zu den Therapien gehören, deren grundlegenden Prinzipien denen der modernen Naturwissenschaften widersprechen, wie dem von Ursache und Wirkung bei der Homöopathie. Denn obwohl manche homöopathischen Lösungen so stark verdünnt sind, dass sie kein einziges Molekül der Ausgangssubstanz mehr enthalten, können laut mehrerer Studien mit den homöopathischen Mitteln gewünschte Behandlungserfolge erzielt werden.

Manche Heileffekte bleiben rätselhaft

Den Beleg für die Wirksamkeit führen Forscher durch sogenannte placebokontrollierte Doppelblindstudien. Und diese wenden sie auch an, wenn sie alternative Methoden untersuchen.

Placebokontrollierte Doppelblindstudien

In diesen Versuchsreihen bekommt ein Teil der Patienten die zu untersuchende Behandlung verabreicht. Zum Beispiel schlucken diese Patienten homöopathische Kügelchen. Ein anderer Teil, die sogenannte Kontrollgruppe, schluckt ein Placebo, also Pillen ohne Wirkstoff. "Doppelblind" heißen die Studien, weil weder der Arzt noch die Patienten wissen, wer das Placebo bekommen hat und wer die Arznei. Erst beim Auswerten wird das Geheimnis gelüftet.

Um eine Aussage über die Wirksamkeit von alternativen Methoden zu treffen, werden zudem Metastudien durchgeführt. Metastudien sind eine Art Durchschnitt von Einzelstudien. Eine der bekanntesten Metastudien über Homöopathie zum Beispiel veröffentlichte 2005 Aijing Shang von der Universität Bern im Fachblatt Lancet. Shang und Kollegen kamen darin zum Schluss, dass die Wirksamkeit der Homöopathie alleine auf eine Art Placebo-Effekt zurückzuführen sei.

Dieses Ergebnis wurde in Fachkreisen stark diskutiert. Neben Fehlern in Statistik und Studienauswahl wurde als eine Kritik genannt, dass klinische Studien im Allgemeinen nicht geeignet sind, um die Wirksamkeit der Homöopathie zu beurteilen. Zum Beispiel weil Patienten mit den gleichen Symptomen schon alleine aufgrund ihrer unterschiedlichen Konstitution unterschiedliche Globuli bekommen müssen, das aber in der Regel in klinischen Studien nicht berücksichtigt wird.

Studien, deren Design den Prinzipien der Homöopathie entsprächen, würden Wirkung und Wirksamkeit der Homöopathie bestätigen, so die Befürworter der Homöopathie. Die Studienauswahl enthielt nach deren Meinung nur eine einzige aus homöopathischer Sicht verwertbare Studie (Jacobs 2000, individuelle homöopathische Behandlung bei kindlicher Diarrhoe), die ein positives Ergebnis ergeben hätte.

Wirksamkeitsnachweis ist noch zu erbringen

Die naturwissenschaftlich orientierte Medizin wird damit leben müssen, dass manche Heileffekte im komplexen Gefüge dessen, was Gesundheit und Krankheit bestimmt, rätselhaft bleiben. Das spricht aber nicht dagegen, die Wirkung komplementärmedizinischer Methoden weiterhin zu erforschen und ihre Erfolge zu überprüfen.

Der mündige Patient informiert sich

Mangels "Beweisen" bleibt Patienten bei der Entscheidung für eine Komplementärtherapie oft nur die Möglichkeit, sich von der jeweiligen Theorie, den eigenen Erfahrungen mit der jeweiligen Methode oder der Erfahrung anderer überzeugen zu lassen - und an die Heilwirkung der Therapie zu glauben.

Dass fester Glaube heilen kann, ist eine alte Binsenweisheit. Doch angesichts der Heilversprechen mancher Therapeuten geht vielen allzu Leichtgläubigen häufig der kritische Blick, mit dem sie zuvor die Schulmedizin betrachtet haben, bei den alternativen Methoden verloren.

Denn die sogenannte  Komplementärmedizin ist, wenn sie denn wirkt, durchaus nicht immer sanft. Klar, es gibt nirgendwo so viele nebenwirkungsarme Therapien wie in der Alternativmedizin. Aber: Alles, was wirkt, kann auch unerwünschte Wirkungen haben - so sind zum Beispiel pflanzliche Arzneimittel teilweise hochwirksam und können vor allem bei falscher Dosierung unangenehme oder gar gefährliche Nebenwirkungen haben.

Unerwünschte Nebenwirkungen vermeiden

Für mündige Patienten gilt, ob sie sich nun der Schul- oder der sogenannten Komplementärmedizin anvertrauen: Es ist ratsam, nicht alles zu "schlucken", was Arzt oder Therapeut verschreiben oder als Stein des Weisen verkaufen, sondern kritische Fragen zu stellen, den gesunden Menschenverstand einzusetzen und sich möglichst umfassend über die Erkrankung und deren Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.