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Wenn Antibiotika nicht mehr zuverlässig gegen bakterielle Infektionen wirken, kann es gefährlich werden. Vor allem für Menschen, deren natürliches Abwehrsystem geschwächt ist. Im Krankenhaus kommen besonders viele Menschen mit Abwehrschwäche auf engem Raum zusammen. Bakterien finden hier ideale Bedingungen vor.

Die Keime können im Krankenhaus leichter von einem Patienten zum nächsten übertragen werden. Damit das nicht passiert, herrschen strenge Hygieneregeln für die Mitarbeiter - und auch die Patienten selber können einiges dafür tun, dass sich gefährliche Keime nicht weiter verbreiten.

Nicht jeder Keim ist schlecht für den Menschen. Im Gegenteil: Fast eine Billion Mikroben, die ständig in unserem Körper oder auf unserer Haut leben, sorgen dafür, dass zum Beispiel unser Darm überhaupt erst arbeiten kann und unsere Haut gesund ist. 

Viele Menschen tragen sogar einen Keim in sich, der häufig mit einer Antibiotika-Unempfindlichkeit in Verbindung gebracht wird: Der Staphylococcus aureus. Etwa 15 bis 40 Prozent der Bevölkerung ist mit diesem Hautkeim besiedelt - vor allem in der Nase. Bei den meisten besiedelten Menschen hat der Staphylococcus aureus noch keinen Resistenzmechanismus entwickelt, ist also noch kein MRSA geworden, kein Methicilin- oder auch Multiresistenter Staphylococcus aureus.

Gefährliche Reise in den Körper

Riskant werden die Keime, mit denen der Mensch dauerhaft oder vorübergehend besiedelt ist, wenn sie an Stellen gelangen, an denen diese Bakterien normalerweise nicht hingehören. Ein Hautkeim wie Staphylococcus aureus zum Beispiel hat in der Blutbahn nichts zu suchen.

Der Ort, an dem sich den Keimen die beste Gelegenheit für einen Ausflug in fremde Körperregionen bietet, ist das Krankenhaus. Bei einer Operation wird die Hautbarriere durch den Schnitt unterbrochen. Dabei könnten Keime in die Wunde gelangen. Auch ein so genannter Zugang, ein Katheter, der den Patienten mit Flüssigkeit und Medikamenten versorgt, bietet den Keimen Eintrittspforten.

Haben die Keime erst einmal fremde Körperregionen besiedelt, können sie sich weiter ausbreiten und eine Entzündung entsteht. Je umfassender der Erreger gegen Antibiotika resistent ist, desto schwieriger wird die Erkrankung zu behandeln sein. Bei der totalen Unempfindlichkeit, einer Multiresistenz gegen alle Antibiotika, gibt es gegen die Infektion schließlich kein Mittel mehr - sie wird lebensbedrohlich.

Hygiene für Personal und Patienten

Die gute Nachricht: Noch sind in Krankenhäusern etwa sechs Prozent der Keime, die bei Infektion nachgewiesen wurden, unempfindlich gegen Antibiotika. Der überwiegende Teil der Antibiotika hilft also noch. Die schlechte Nachricht: Die multiresistenten Erreger (MRE) breiten sich immer mehr aus.

Die beste Vorbeugung gegen die Verbreitung der gefährlichen Keime ist eine gute Hygiene. Im Mittelpunkt steht dabei die Händehygiene. Denn 90 Prozent aller Erreger werden über die Hände übertragen. Besonders sauber sollte sie vor allen Tätigkeiten sein, bei denen die Keime Gelegenheit haben, in den Körper zu gelangen. Die Mitarbeiter im Krankenhaus desinfizieren sich die Hände mit alkoholischen Mitteln. Sie können damit nahezu alle gefährlichen Erreger in kurzer Zeit abtöten.

So können Sie als Patient vorbeugen

Als Patient stehen Sie im Mittelpunkt der Behandlung. Sie können selbst einen Beitrag dazu leisten, dass sie keine Infektion bekommen und Keime nicht weiter verbreiten. Diese Maßnahmen helfen dabei: 

  • Bei der Aufnahme in ein Krankenhaus werden Sie unter anderem gefragt, ob schon einmal ein resistenter Keim festgestellt wurde, ob im vergangenen halben Jahr eine Antibiotikatherapie durchgeführt wurde oder ob chronische Wunden vorliegen. Nehmen Sie sich Zeit und antworten Sie gewissenhaft. Die Fragen dienen dazu, Ihr persönliches Risiko für diese Keime zu erkennen. Und das trägt zu Ihrem Schutz bei.
  • Wenn Sie beobachten, dass die Mitarbeiter bei Ihnen einen Katheter legen, wechseln oder mit der Hand prüfen, ohne sich vorher die Hände zu desinfizieren, sprechen Sie sie ruhig darauf an. Bei diesen Tätigkeiten können Keime besonders schnell in den Körper gelangen.
  • Berühren auch Sie Ihren Katheter oder Ihren Wundverband nicht mit den Händen. Sollte etwas nicht in Ordnung sein, bitten Sie die Mitarbeiter, sich darum zu kümmern.
  • Desinfizieren auch Sie sich die Hände und bitten Sie auch Ihren Besuch, dies zu tun. Wichtige Situationen:
    • Bei Betreten des Patientenzimmers
    • Bei Verlassen des Patientenzimmers
    • Vor dem Essen
    • Nach dem Toilettengang
    • Vor und nach Kontakt mit der eigenen Wunde oder Kathetern.

Eine Händedesinfektion ist im Krankenhaus in den genannten Situationen sinnvoll. Zuhause ist in der Regel keine Händedesinfektion erforderlich.

Händedesinfektion - so geht’s

  • Damit die Händedesinfektion auch sicher wirkt, sollten Sie ausreichend Hände-Desinfektionsmittel in die trockene hohle Hand geben.
  • Die Menge sollte ausreichen, um alle Stellen auf der Hand richtig zu befeuchten.
  • Danach das Hände-Desinfektionsmittel sorgfältig über 30 Sekunden in die Hände einreiben und alle Hautpartien erfassen. Achten Sie beim Einreiben gezielt auf die Fingerkuppen und die Daumen! An diesen Stellen halten sich besonders viele Keime auf. 

Tipp: Um die Zeit einzuhalten, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation, im Stillen zwei Mal "Happy Birthday" von Anfang bis Ende zu summen.