Wann Sie wirk­lich Anti­bio­tika nehmen müssen

Haben Sie auch schon Antibiotika eingenommen und erleichtert festgestellt: Ihnen ging es schnell besser? Was einige nicht wissen: Gegen Viren helfen sie nicht. Patienten, die bei etwa durch Viren ausgelösten Erkältungen von ihrem Arzt eine Antibiotikaverschreibung fordern oder Antibiotika in Eigenregie einnehmen, tun vor allem eins: Sie leisten der Entwicklung von resistenten Keimen Vorschub.

Sie gelten als Meilenstein der Medizin: Antibiotika. Erst mit der Entdeckung dieser Wirkstoffgruppe konnten lebensbedrohende Infektionen wie Blutvergiftung oder Lungenentzündung bekämpft werden. Auch große Operationen wie Organtransplantationen wären ohne Antibiotika undenkbar. Überschätzt werden sollten die Medikamente dennoch nicht: Sie wirken nur gegen Bakterien, und das immer weniger.

Wie Antibiotika wirken

Für die Therapie mit Antibiotika stehen verschiedene Substanzen, so genannte Wirkstoffklassen, zur Verfügung. Jede Substanzgruppe verfügt über ihren eigenen Wirkmechanismus, aber alle Antibiotika haben ein Ziel: Krankmachende Bakterien im menschlichen Körper an ihrer Verbreitung zu hindern und abzutöten. Dafür greifen die Antibiotika in den Stoffwechsel der Bakterien ein und hemmen das weitere Wachstum der Krankheitserreger oder töten die Bakterien gezielt ab.

"Wann ein Patient ein Antibiotikum benötigt, kann nur ein Arzt entscheiden, der den Patienten untersucht hat und seine Konstitution und Krankengeschichte kennt", sagt Petra Rudnick, Allgemeinärztin im TK-Ärztezentrum. Leichtfertig verschriebene oder gar eigenmächtig eingenommene Antibiotika führen zu einem häufigen und unnötigen Einsatz der Arzneimittel, zum Beispiel bei Erkältungskrankheiten ‑ immerhin die häufigste Infektion in Europa. Nahezu 90 Prozent aller Erkältungen mit den typischen Symptomen wie Schnupfen, Husten und Halsschmerzen werden durch Viren hervorgerufen.

Gegen Viren sind Antibiotika jedoch machtlos. Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und bieten Antibiotika damit keine Angriffsfläche. Gleichzeitig wird durch die unnötige Einnahme das Risiko erhöht, dass gegen Antibiotika unempfindliche Bakterien häufiger auftreten und die verfügbaren Medikamente nicht mehr wirken.

Antibiotika gezielt einsetzen

Als einen weiteren Grund, warum Resistenzen immer häufiger vorkommen, nennen Experten auch den oftmals fragwürdigen Einsatz von Breitbandantibiotika, wenn eine gezielte Antibiotikatherapie möglich wäre.

Was sind Breitbandantibiotika?

Mit ihren unterschiedlichen Wirkweisen können einige Antibiotika gezielt bestimmte Bakterien außer Gefecht setzen - und zwar mit folgenden "Taktiken": 

  • Zerstörung der Zellwand und damit Abtötung
  • Hemmung der Eiweiße, die für das Bakterienwachstum benötigt werden
  • Hemmung des Vitamins Folsäure, das für die Bakterienvermehrung benötigt wird
  • Hemmung eines Enzyms, das für die Bakterien lebenswichtig ist

Breitbandantibiotika nutzen auch diese Wirkweisen, wirken jedoch gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Bakterien. Welcher Erreger die Infektion ausgelöst hat, wird im Labor festgestellt.

"Wenn das Laborergebnis noch nicht feststeht, sollten Breitbandantibiotika nur in einer Akutphase eingesetzt werden", sagt Rudnick. "Sobald der Erreger bekannt ist, sollte so schnell wie möglich auf die gezielte Antibiotikatherapie umgestellt werden. Das erhöht den Behandlungserfolg und reduziert unerwünschte Nebenwirkungen."

Wann eine Einnahme sinnvoll ist

Wann ein Antibiotikum sinnvoll eingesetzt wird, entscheidet der Arzt. Wichtige Gründe, ein Antibiotikum einzunehmen, sind zum Beispiel eine Lungenentzündung und schwere Harnwegsinfektionen.