Asthma: Was erwartet mich beim Arzt?

Wenn Sie Ihren Arzt zum ersten Mal wegen pfeifender Atmung, trockenem Husten und anfallsartig auftretender Luftnot aufsuchen, wird er versuchen herauszufinden, ob Sie wirklich an Asthma leiden oder ob eine andere Erkrankung hinter Ihren Beschwerden steckt. 

Neben einer Befragung und einer körperlichen Untersuchung gibt es eine Reihe weiterer technischer Untersuchungen, die ihm helfen, seinen Verdacht zu bestätigen oder zu widerlegen.

Bei der Behandlung des Asthmas sollten Ihr Arzt und Sie Partner werden! Für eine erfolgreiche Behandlung müssen Sie als Betroffener und Fachmann für Ihren eigenen Körper und Ihre speziellen Lebensumstände und Ihr Arzt mit seinem medizinischen Fachwissen und seiner Erfahrung zusammenarbeiten.

Günstige Voraussetzung für eine solche Zusammenarbeit ist Vertrauen, basierend auf der Möglichkeit und der Bereitschaft, Fragen zu stellen und Probleme oder unterschiedliche Ansichten offen zu besprechen.

Welche Untersuchungsmethoden gibt es?

Bei Asthma (wie auch bei vielen anderen Erkrankungen) gilt: Es gibt keine einzelne Untersuchung, die sicher bestätigt, dass Sie an Asthma leiden. Eine sichere Aussage kann man erst machen, wenn die Ergebnisse vieler verschiedener Untersuchungen zusammengenommen werden. Wenn Ihr Arzt den Verdacht hat, dass Sie an Asthma leiden, sollten immer eine Befragung, eine körperliche Untersuchung und das Messen der Lungenfunktion (Peak-Flow-Messung und Spirometrie) erfolgen.

Befragung und körperliche Untersuchung

Die Befragung und die körperliche Untersuchung stehen im Mittelpunkt des Arztbesuches. Sowohl im ersten Gespräch als auch im weiteren Verlauf der Behandlung (oder besser: der "Zusammenarbeit") ist Ihr Arzt auf Ihre Berichte und Erfahrungen angewiesen.

Um sich ein genaues Bild von Ihren Beschwerden zu machen, wird Ihr Arzt Ihnen viele gegebenenfalls auch persönliche Fragen stellen. So ist es nicht nur wichtig zu erfahren, welche Beschwerden wann auftreten und unter welchen Bedingungen sie wieder abklingen, sondern auch, ob Sie oder Familienangehörige an Asthma oder Allergien erkrankt sind, ob Sie selber als Kind häufig unter Husten oder pfeifender Atmung litten und ob Sie in Ihrem familiären oder beruflichen Umfeld besonders schädlichen Substanzen (Dämpfen, Sprays) oder belastenden Situationen ausgesetzt sind. Versuchen Sie Ihren Arzt als Partner zu sehen und scheuen Sie sich nicht, ihm Ihre Sorgen, Bedenken und Einwände mitzuteilen.

Beim Arztbesuch sollten Sie auf folgende Fragen vorbereitet sein:

  • Treten die Beschwerden anfallsartig auf?
  • Haben Sie nachts Atemnot oder Husten (mit und ohne Auswurf)?
  • Gibt es bestimmte Stoffe oder Situationen, die Husten und Atemnot hervorrufen?
  • Haben Sie nach körperlicher Belastung Beschwerden?
  • Haben Sie häufige Atemwegsinfektionen mit Luftnot?
  • Ändern sich Ihre Beschwerden mit den Jahreszeiten?
  • Ändern sich die Beschwerden bei Kontakt mit Tieren, Pflanzen oder Nahrungsmitteln?
  • Ändern sich die Beschwerden an bestimmten Orten, zum Beispiel am Arbeitsplatz oder im Urlaub?
  • Sind bei nahen Verwandten (Eltern, Geschwister) Asthma oder Allergien bekannt?
  • Rauchen Sie oder Ihre Angehörigen? Ändern sich die Beschwerden, wenn Sie rauchen oder mit rauchenden Personen in einem Raum sind?

Bei der körperlichen Untersuchung erfasst der Arzt Ihren allgemeinen gesundheitlichen Zustand. Beim Abklopfen und Abhören der Lunge achtet er vor allem auf Zeichen einer Atemwegsverengung, zum Beispiel Geräusche wie Giemen, Pfeifen oder Brummen beim Atmen, außerdem kontrolliert er die Dauer des Ausatmens. Um bei Asthma bronchiale die Diagnose zu stellen, schließt der Arzt andere Ursachen sowie Erkrankungen mit einem ähnlichen Erscheinungsbild aus, zum Beispiel eine akute Entzündung der Bronchien (Bronchitis), Keuchhusten (Pertussis) oder das Einatmen eines Fremdkörpers. Dazu sind eventuell weitere Untersuchungen erforderlich, zum Beispiel die Inspektion des Mund- und Rachenraums und das Abtasten der Lymphknoten.

Prüfung der Lungenfunktion

Im Rahmen der Asthma-Diagnose erfolgen weitere Untersuchungen, beispielsweise Lungenfunktionstests, mit denen man feststellen kann, wie leistungsfähig Ihre Lunge ist. Der Arzt erhält so genaue Informationen über die Atemfunktion und die Art der Atemeinschränkung. Bei Menschen mit Asthma ist es besonders wichtig zu messen, ob die Atemluft frei und ungestört durch die Bronchien strömen kann oder ob der normale Atemfluss durch eine Verengung der Bronchien gestört ist. Außerdem ist es möglich, mithilfe von Lungenfunktionstests zwischen Asthma und chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) zu unterscheiden.

Für die Prüfung der Lungenfunktion eignen sich drei Methoden: die Peak-flow-Messung, die Spirometrie und die Bodyplethysmografie.

Peak-flow-Messung

Die Peak-Flow-Messung (peak flow = stärkste Strömung, deutscher Fachbegriff: Messung des Spitzenflusses) ist für die Erstdiagnose der Erkrankung nicht geeignet. Aber sie ist wichtig für die langfristige Beobachtung der Erkrankung. Daher kann es sinnvoll sein, dass Sie den Peak-Flow-Wert selbstständig zu Hause messen. Der Peak-Flow-Wert sagt etwas über die asthmatypische Verengung der Bronchien aus.

Das Peak-flow-Meter ist ein kleines handliches Gerät, in das Sie, nach tiefem Luftholen, mit aller Kraft hineinpusten. Es misst die Geschwindigkeit des Luftstroms beim Ausatmen. Die Kraft Ihres Atemstoßes ist abhängig von der Weite beziehungsweise der Verengung Ihrer Bronchien. Erinnern Sie sich noch an das Beispiel mit dem Strohhalm? Die Stärke der Atmung beziehungsweise den "Wind", der dort beschrieben wird, misst das Peak-Flow-Meter (siehe auch Peak-Flow-Selbstmessung und -Protokoll).

Die Spirometrie

Die aussagekräftigste Untersuchung zur Messung der Lungenfunktion und zur Beurteilung der Atemwege beim Asthma ist die Spirometrie. Sie kann beim Hausarzt durchgeführt werden: Ein Gerät, in dessen Mundstück Sie hineinpusten, misst die Kraft, mit der Sie ausatmen, und die Menge der ausgeatmeten Luft. Es bildet die Ergebnisse in Form von Kurven oder Werten ab, die Ihr Arzt dann ablesen kann. Dabei werden folgende Werte gemessen:

  • Der FEV-Wert (forciertes expiratorisches Volumen) wird bestimmt, indem Sie aufgefordert werden, schnell und kräftig alle Luft auszuatmen. Menge und Druck dieser "Ausatmung" werden aufgezeichnet.
  • Einsekundenkapazität, FEV1 (Einsekundenkapazität, forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde, auch Atemstoßtest oder Tiffenau-Test genannt): Dies ist die Menge an Luft, die Sie mit aller Kraft in einer Sekunde ausatmen können. Sind Ihre Bronchien durch die Asthmaerkrankung verengt, können Sie in einer Sekunde nicht so viel Luft wie ein Gesunder ausatmen. Wird die Messung allerdings in einer Zeit durchgeführt, in der Sie keine Beschwerden haben, kann der Wert normal sein. Die Messung der Einsekundenkapazität sollte bei jedem Menschen mit Asthma erfolgen. Sie eignet sich sowohl für die Erstdiagnose als auch zur Verlaufskontrolle, da man die Werte älterer und neuerer Untersuchungen vergleichen und daran die Veränderungen der Atemwege über längere Zeit verfolgen kann.
  • Die Vitalkapazität bezeichnet die Menge Luft, welche Sie in der Lunge maximal aufnehmen können. Für die Messung müssen Sie zunächst langsam tief Luft holen und danach ausatmen, soviel Sie können.

Erklärende Grafik: Spirometrieuntersuchung bei einem Kind
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Die Ergebnisse der Spirometrie wird noch aussagekräftiger, wenn Sie nach der ersten Messung:

1. Ein Asthmamedikament bekommen, das verengte Bronchien erweitert, und anschließend eine weitere Messung erfolgt (Reversibilitätstest). Fällt das Ergebnis besser aus als vor der Einnahme des Medikamentes, kann man sagen, dass Ihre Bronchien vorher verengt waren, das Asthmamedikament Ihnen geholfen hat, und Sie sehr wahrscheinlich an Asthma leiden.

2. Eine Zeit lang laufen oder Fahrrad fahren - sich also körperlich belasten - oder einen Reizstoff inhalieren, und dann eine erneute Messung erfolgt (Provokationstest). Diese zusätzliche Untersuchung ist besonders wichtig, wenn Sie zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Beschwerden haben und die Messung der Sekundenkapazität normale Werte ergeben hat. Durch die körperliche Belastung oder den Reizstoff verengen sich bei fast allen Menschen mit Asthma die Bronchien, und das Ergebnis der Messung wird schlechter ausfallen als vor der körperlichen Belastung.

3. Zu Hause in regelmäßigen Abständen Peak-flow-Messungen durchführen. Bei einem Menschen mit Asthma fällt auf, dass die Peak-flow-Werte häufig sehr unterschiedlich sind und zwischen eher guten und schlechteren Werten hin- und herschwanken. Diese Peak-flow-Variabilität ist ein typisches Merkmal der Asthmaerkrankung.

Weitere Parameter der Lungenfunktionsprüfung sind:

  • AZV = Atemzugvolumen
  • IRV = Inspiratorisches Reservevolumen
  • ERV = Exspiratorisches Reservevolumen
  • RV = Residualvolumen

Die Werte dieser Messungen spielen aber keine wichtige Rolle in der Beurteilung des Asthmas.

Bodyplethysmografie

Eine weitere Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit Ihrer Lungen zu messen, ist die Bodyplethysmografie (Ganzkörper-Plethysmografie/große Lungenfunktion). Die Plethysmografie kann zusätzliche Leistungen der Lunge messen und noch genauere Werte darstellen. Während der Untersuchung sitzen Sie in einer Glaskammer (ähnlich einer Telefonzelle).

Die Bodyplethysmografie erfolgt beim Lungenfacharzt. Sie ist in der Regel nur notwendig, wenn die oben genannten Untersuchungen nicht möglich waren oder keine klaren Ergebnisse erbracht haben. Da die Spirometrie auch von der Mitarbeit des Patienten abhängt und dadurch beeinflussbar ist, kann die Untersuchung zum Beispiel auch aus gutachterlichen Gründen angezeigt sein.

Allergie-Tests

Wenn Sie an allergischem Asthma leiden, reagieren Ihre Atemwege überempfindlich auf an sich ungefährliche Stoffe (Allergene, zum Beispiel Pollen).

Die Überempfindlichkeit der Atemwege (Hyperreagibilität) kann der Facharzt mithilfe eines Tests messen (Metacholin-/Histamintest). Dieser Test sagt noch nichts darüber aus, welche Stoffe gerade für Sie gefährlich werden können.

Beim Ermitteln der Allergene kommt es auf Sie an! Ein Blick auf den Pollenflugkalender und auf die Bio-Wettervorhersage kann auf mögliche Gefahren aufmerksam machen. Ihre Beobachtungen sind die Grundlage für weitere Untersuchungen beim Spezialisten. Fragen wie "Wann oder wodurch könnten die Beschwerden ausgelöst worden sein (während der Sommermonate, abends, während der Arbeit, nach dem Genuss bestimmter Lebensmittel, beim Betten aufschütteln, ...)“ können nur Sie beantworten!

Der Facharzt kann dann mit Allergietests (Hauttests oder direkter Reizung der Atemwege durch das Einatmen bestimmter Substanzen) bestätigen, ob Ihre Vermutung zutrifft.

Ein Bluttest gibt Aufschluss darüber, ob Antikörper gegen bestimmte Allergene im Blut vorhanden sind. Er liefert weitere Hinweise auf das Vorliegen einer Allergie.

Weitere Untersuchungen

Weitere Untersuchungen sind immer dann notwendig, wenn nicht ganz klar ist, ob Sie tatsächlich an Asthma oder an einer anderen Erkrankung leiden. Normalerweise kann der Arzt dies aber bereits durch die Befragung, die körperliche Untersuchung und die Messung der Lungenfunktion hinreichend klären.

Röntgen der Lunge

Ein Röntgenbild der Lunge wird bei der Erstuntersuchung vom Arzt normalerweise nur dann in Erwägung gezogen, wenn die Beschwerden und Untersuchungsbefunde nicht typisch für Asthma sind.

Blutgasanalyse

Die Blutgasanalyse dient eher dazu, andere Atemwegserkrankungen auszuschließen. Sie ist nicht bei allen Patienten mit Asthma notwendig. Bei der Blutgasanalyse wird Blut aus dem Ohrläppchen entnommen, um herauszufinden, ob das sauerstoffreiche Blut des Körperkreislaufs genügend Sauerstoff enthält.

Um andere Erkrankungen auszuschließen, können in speziellen Fällen weitere Untersuchungen sinnvoll sein, zum Beispiel ein EKG (Elektro-Kardiogramm) zur Beurteilung des Herzens.

Welche Rolle spielt der Lungenfacharzt?

Der wichtigste ärztliche Ansprechpartner in der Langzeitbetreuung wird Ihr Hausarzt sein. Bei ihm laufen alle Informationen über Ihre Erkrankung und deren Behandlung zusammen.

Wenn es erforderlich ist, überweist er Sie oder Ihr Kind an einen Facharzt (Pneumologe, Lungenfacharzt) beziehungsweise eine fachlich besonders spezialisierte Einrichtung). Zum Beispiel bei speziellen Fragen und Untersuchungen, die die Atmung betreffen wie eine ausführliche Prüfung der Lungenfunktion mithilfe der Plethysmografie. Der Facharzt wird Sie wieder zu Ihrem Hausarzt überweisen, wenn Ihr Zustand sich verbessert hat.

Ein Lungenfacharzt ist ein Arzt für Innere Krankheiten (Internist), der sich zusätzlich auf Lungenkrankheiten spezialisiert hat und ausschließlich Menschen mit Lungenkrankheiten untersucht und behandelt.