Als gastroösophagealen Reflux bezeichnen Mediziner den Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre. Man spricht auch von der Reflux-Krankheit. Der saure Inhalt kann bis in die Mundhöhle gelangen. Er verursacht nicht nur ein unangenehmes Brennen im Rachen und einen üblen Geschmack, sondern kann die Speiseröhre reizen und schädigt möglicherweise auch die Zähne. Entzündungen der Speiseröhre (Refluxösophagitis) und Karies können die Folge sein.

Asthmapatienten haben auffallend häufig auch Probleme mit Reflux. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass die Reflux-Krankheit bestehendes Asthma und andere Atemwegskrankheiten wie die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) verschlechtern kann. Deshalb hängen Asthma und Reflux möglicherweise ursächlich zusammen und sind immer wieder Thema aktueller wissenschaftlicher Arbeiten. 

Kann Reflux Asthma auslösen?

Bisher ist nur bekannt, dass Asthma und Reflux häufig gemeinsam auftreten. Eine zusammenfassende Analyse vergangener Studien ergab jüngst, dass 30 bis 90 Prozent der in den Untersuchungen berücksichtigten Asthmapatienten zusätzlich eine Reflux-Krankheit hatten. Im Vergleich dazu betrifft Reflux nur ungefähr 24 Prozent der Menschen ohne Asthma. Auch COPD-Patienten haben häufiger mit dem Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre Probleme. 

Diese Ergebnisse lassen Experten vermuten, dass die Reflux-Krankheit Asthma auslösen könnte. Als Beweis eines ursächlichen Zusammenhangs sind die bisherigen Studien jedoch nicht ausreichend. Auch deshalb, weil Therapien der Reflux-Krankheit ein bestehendes Asthma nicht zuverlässig verbesserten. Asthmapatienten mit Reflux haben häufig Atembeschwerden, trotz medikamentöser Therapie. Deshalb gehen Experten davon aus, dass die Reflux-Krankheit den Behandlungserfolg bei Asthma negativ beeinflussen kann.

Schwere des Asthmas hängt mit Reflux zusammen

Eine Studie an 92 Asthmapatienten konnte außerdem zeigen, dass der Schweregrad des Asthmas mit dem Auftreten von Reflux zusammenhängt. So war der Atemwegswiderstand bei Studienteilnehmern mit der Reflux-Krankheit objektiv signifikant höher als bei Teilnehmern ohne Reflux. Der Atemwegswiderstand ist bei Asthma bronchiale typischerweise erhöht und die Bronchien sind verengt.

Beim Asthmakontrolltest schnitten jedoch beide Gruppen gleich gut ab. Bei dem Test handelt es sich um einen Fragebogen, der Betroffenen helfen soll herauszufinden, wie gut ihr Asthma eingestellt ist. Dabei schätzen Patienten jedoch ihre Beschwerden subjektiv ein. Geringfügige Veränderungen des Atemwegswiderstands lassen sich demnach nicht abbilden.

Im Zweifel: Reflux abklären und behandeln

Wer an Asthma und Reflux leidet, bekommt durch die derzeitige Studienlage noch keine zufriedenstellende Antwort darauf, ob seine Atemwegsbeschwerden Folge der Reflux-Krankheit sind. Dennoch ist es sinnvoll, seinen Arzt auf den Reflux anzusprechen. Die Problematik abzuklären und einen Behandlungsversuch zu starten, könnte zumindest im individuellen Fall einen positiven Einfluss auf das Asthma haben.