Meist unbewusst und nebenbei atmet ein gesunder Mensch 16-mal pro Minute unter normalen Bedingungen ein und aus - 960-mal in der Stunde, gut 20.000-mal am Tag und achteinhalb Millionen Mal im Jahr. Dieser Ablauf ist lebensnotwendig. Denn durch die Atmung wird der Körper mit Sauerstoff versorgt, ohne den alle Zellen im Körper innerhalb kürzester Zeit absterben.

Asthma - wenn das Atmen zur Qual wird

Die für einen Asthmaanfall typische Atemnot tritt auf, weil sich die Lunge nicht mehr richtig entleeren kann. Die Atemwege verengen sich, es gelangt pro Atemzug weniger Sauerstoff in die Lunge als erforderlich. Um genügend Sauerstoff in den Körper zu bekommen, erhöhen Asthmatiker die Atemfrequenz und fangen regelrecht an zu hecheln und nach Luft zu schnappen. Die Atemmuskulatur verkrampft sich, der Atemwegswiderstand steigt und die Luftnot nimmt weiter zu. Angst und Panikgefühle verschlimmern die Situation.

Diesen Teufelskreis können Menschen mit Asthma durchbrechen, indem sie einen bewussten Umgang mit der Atmung erlernen. Bestimmte Atemtechniken, Körperhaltungen und Gymnastik können dabei helfen.

Einfach und effektiv: die Lippenbremse

Atmen Asthmatiker zu schnell aus, werden die schon krankheitsbedingt verengten Atemwege noch enger. Die Luft kann also kaum ausgeatmet werden und entweicht nur schwer. Dagegen hilft die sogenannte Lippenbremse: Eine leicht zu erlernende Technik, die dazu führt, dass sich die Atemwege beim Ausatmen weiten und so bei einem Asthmaanfall schnell hilft.

Und so geht's: Atmen Sie entspannt und langsam durch die aufeinanderliegenden Lippen aus, so als ob Sie eine Kerze auspusten. Dabei blähen sich Ihre Wangen leicht auf.

Durch diese Technik geben Sie Ihrer Lunge bei der Ausatmung mehr Zeit und wirken der Verengung der Atemwege entgegen. Ein weiterer wichtiger Effekt: Die Atemluft kann gleichmäßiger in der Lunge verteilt werden. Denn besonders bei Atemwegserkrankungen kann die Belüftung der Lunge unterschiedlich sein. So gibt es Bereiche der Lunge, die durch die verengten Atemwege mehr Zeit brauchen, um sich mit Luft zu füllen.

Atemerleichternde Positionen

Die atemerleichternden Positionen helfen Ihnen, das Gewicht des Schultergürtels von den Rippen zu nehmen und Ihre Rückenmuskulatur zu entspannen. Immerhin wiegen Schultergürtel und Arme zusammen zwischen acht bis zehn Kilogramm.

So erleichtert zum Beispiel der Kutscher- oder Reitersitz das Atmen im Sitzen. Setzen Sie sich mit gespreizten Beinen leicht nach vorne gebeugt auf einen Stuhl. Ihre Arme ruhen entweder auf den Oberschenkeln (Kutschersitz) oder auf den Stuhllehnen (Reitersitz).

Im Stehen kann es helfen, sich in der Torwartstellung auf die Oberschenkel oder auf ein Geländer zu stützen. Jeder Mensch mit Asthma sollte ausprobieren, welche Körperhaltung ihm das Atmen bei aufkommender Luftnot erleichtert. Bei einem Asthmaanfall sollten Sie eine der atemerleichternden Positionen einnehmen, durch die Nase ein und die Lippenbremse wieder ausatmen.

Gymnastik hilft beim Atmen

Ob die Atmung effektiv ist, hängt auch von der Beweglichkeit Ihres Brustkorbs ab. Mit gymnastischen Übungen lässt sich Ihr Brustkorb mobilisieren und die Atemmuskulatur lockern:

  • Setzen Sie sich auf einen Gymnastikball oder einen Stuhl und legen Sie die Hände vor der Brust zusammen, die Ellenbogen zeigen dabei nach außen. Nun drehen Sie den Oberkörper auf eine Seite und folgen Sie der Bewegung mit dem Kopf. Danach drehen Sie Ihren Oberkörper zurück in die Ausgangsposition und wechseln die Seite.

  • Setzen Sie sich auf einen Stuhl - die Lehne sollte am unteren Rand der Schulterblätter enden - nehmen Sie die Arme nach oben und verschränken Sie die Hände hinter dem Kopf und strecken Sie die Wirbelsäule, indem Sie versuchen, den Oberkörper gegen die Rückenlehne aufzurichten. Dabei atmen Sie ein. Nehmen Sie dann das Knie auf die Brust und rollen Sie sich langsam in Rundrückenposition ein, atmen Sie dabei aus.