Atmen ist die wichtigste Tätigkeit des Menschen. Ohne Trinken kommt der Mensch tagelang aus, ohne Essen wochenlang, aber er kann nur wenige Minuten überleben, ohne zu atmen. Als umso bedrohlicher erleben Menschen mit Asthma oder COPD eine Atemnot.

Da kann es hilfreich sein, zu verstehen, wie der Ein- und Ausatmungsprozess in der Lunge funktioniert. Eine der wichtigsten Erkenntnisse dabei ist: Weniger die Einatmung, sondern die Ausatmung ist bei Asthma und COPD behindert.

Warum wir atmen

Der Mensch benötigt für die verschiedenen Körperfunktionen Sauerstoff. Dieser gelangt beim Einatmen in die Lunge und wird an das Blut abgegeben, das ihn im ganzen Körper verteilt. Bei den Stoffwechselvorgängen entsteht als Abfallprodukt Kohlendioxid, das über die Atmung aus dem Körper entfernt werden muss. Die Atmung hat also zwei Funktionen: Sauerstoff zuführen und Kohlendioxid herausschaffen. Dieser Gasaustauschprozess findet in der Lunge statt, genauer gesagt in den Lungenbläschen, von denen der Mensch rund 300 Millionen hat.

Einatmen ist über die Nase oder den Mund möglich. Ersteres empfiehlt sich, denn in der Nase wird die Luft bereits erwärmt, angefeuchtet und gefiltert. Das ist besonders wichtig für Asthmatiker, bei denen kalte Luft oder Reizstoffe wie Pollen einen Asthmaanfall auslösen können.

Über den Rachen gelangt die Luft in die Luftröhre und von dort aus über das fein verästelte Bronchialsystem in die beiden Lungenflügel.

Das Zwerchfell - zentraler Motor der Atmung

Dann beginnt die Arbeit der Lunge, wobei: Sie arbeitet nicht selbst, sie lässt arbeiten. Eingebettet im Brustkorb, vollzieht sie dessen Bewegungen nach. Erweitert er sich, erweitert sich auch die Lunge und umgekehrt.

Die eigentliche Arbeit beim Atmen verrichtet also die Muskulatur des Brustkorbs beziehungsweise des Zwerchfells. Und ebendie können Menschen mit Asthma oder COPD durch spezielle Übungen trainieren, so wie sie auch die Beweglichkeit ihres Brustkorbs verbessern können.

So funktioniert die Bauchatmung

Atmet der Mensch ein, senkt sich das Zwerchfell. Der Bauch wölbt sich sichtbar, deshalb wird die Zwerchfellatmung auch Bauchatmung genannt. Bei der Ausatmung sollte das Zwerchfell in seine ursprüngliche Position zurückkehren.

Kann die Lunge jedoch nicht ausreichend entleert werden, wie es bei Atemwegserkrankungen oder beim Lungenemphysem oft der Fall ist, bleibt es weit unten im Bauchraum. Folge: Beim nächsten Atemzug können sich die Muskeln nur gering zusammenziehen; es gelangt weniger Luft in die Lunge.

In der Regel findet die Bauchatmung kombiniert mit der Brustatmung statt. Dabei vergrößert beziehungsweise verkleinert sich der Brustraum - und damit auch die Lunge - durch Heben und Senken des Brustkorbs mithilfe der Rippenmuskulatur.

Bauchatmung ist effektiver als Brustatmung

An Brustkorb, Hals und Schultergürtel befinden sich weitere Muskelgruppen, die die Einatmung unterstützen. Man spricht hier von Atemhilfsmuskulatur. Um sie einzusetzen, muss der Schultergürtel stabilisiert werden - jeder, der schon einmal an Atemnot litt, kennt den Reflex, die Arme aufzustützen und nach Luft zu schnappen.

Allerdings ist die Effektivität dieser Muskeln für die Atmung nicht besonders groß. Gleiches gilt für die Brustatmung. Am effektivsten ist die Zwerchfellatmung. Gerade Menschen mit Asthma oder COPD sollten sie deshalb gezielt einsetzen.

"Lippenbremse" gegen Überblähung der Lunge

Beide Krankheitsbilder gehen einher mit einer Entzündung der Bronchien und einer damit verbundenen Verkrampfung der Muskulatur. Anders gesagt: Die Atemwege verengen sich. Besonders schwer fällt dann das Ausatmen. Es muss mehr Kraft aufgewendet werden, um die Lungenbläschen zu entleeren.

Je schlechter jedoch die Luft aus der Lunge entweichen kann, desto schlechter kann neue Luft eingesogen werden; die Lunge ist überbläht. Ein Teufelskreis, der dadurch verschlimmert wird, dass Kurzatmigkeit oft Erstickungsangst verursacht und Angst die Atemnot weiter verstärkt.

Bewusstes Ausatmen bei aufrechter Körperhaltung kann diesen Kreislauf oft durchbrechen. Asthmatiker und COPD-Patienten sollten auf jeden Fall die sogenannte "Lippenbremse" beherrschen, bei der gegen die fast geschlossenen Lippen ausgeatmet wird.