Kinder mit Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, entwickeln später häufig weitere allergische Erkrankungen wie Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen oder Asthma. Das Phänomen wird auch als "atopischer Marsch" bezeichnet, denn es bleibt meist nicht bei der überempfindlich reagierenden Haut. Forscher machten dafür unlängst sieben verschiedene Genorte verantwortlich, die das Risiko für allergische Erkrankungen erhöhen. Zwei dieser Risikogene bringen Neurodermitis und Asthma in einen direkten Zusammenhang.

Risikogene für Neurodermitis und Asthma

Die entdeckten Gene ließen die Frage aufkommen, ob eine Behandlung der Neurodermitis möglicherweise auch dem Beginn anderer allergischer Krankheiten vorbeugen kann. Wissenschaftler um Julie Deckers aus Gent, Belgien, untersuchten den Zusammenhang zwischen Neurodermitis und Asthma an Mäusen im Labor, um herauszubekommen, ob eine Behandlung der Neurodermitis den Tieren hilft, die spätere Entwicklung von Asthma zu verhindern.

Wie erwartet zeigte sich, dass Ausscheidungen der Hausstaubmilbe nicht nur Hautentzündungen auslösten, sondern auch entzündliche Reaktionen der Atemwege verstärkten. Die Entzündungsreaktion der Atemwege unterschied sich jedoch von Atemwegsentzündungen, die entstehen, wenn die Atemwege dem direkten Kontakt zum Allergen ausgesetzt waren. Dies zeige, dass der Zusammenhang allergischer Erkrankungen hochkomplex und noch nicht hinreichend verstanden sei, so die Forscher.

Therapie der Neurodermitis kann Asthma reduzieren

Die Wissenschaftler kombinierten nun zwei antientzündlich wirksame Substanzen, Kortikosteroide (meist einfach als Kortison bezeichnet) und einen Rezeptoragonisten, der die Aktivität eines bestimmten antientzündlich wirkenden Zellrezeptors fördert.

Die Kombinationstherapie besserte die Neurodermitis, konnte aber die allergische Asthmareaktion in den Atemwegen nicht vollständig unterbinden. Allerdings fiel die asthmatische Reaktion deutlich geringer aus. Die Kombinationstherapie war gegen eine spezifische Immunreaktion in den Atemwegen wirksam, die für die Schwere der Asthmareaktion mitverantwortlich ist. Die Wirkstoffkombination konnte also beides: Die Neurodermitis verbessern und allergische Reaktionen der Atemwege reduzieren.

Die Wissenschaftler sehen einen direkten Nutzen ihrer Forschungsergebnisse: Die konsequente Behandlung der Neurodermitis bei Kindern könnte helfen, deren Fortschreiten positiv zu beeinflussen und zudem den atopischen Marsch hin zu einer Entwicklung von Asthma zu unterbrechen. In Planung sind nun Studien an Menschen. Auch möchten die Forscher weitere Untersuchungen anstellen, um den Zusammenhang zwischen Neurodermitis und Asthma noch besser erklären zu können.