Die Lunge besteht aus einem rechten und einem linken Lungenflügel. Sie nimmt den größten Teil des Brustkorbes ein. Ihre Aufgabe besteht darin, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen und beim Stoffwechsel entstandene Abfallstoffe (Kohlendioxid) abzugeben.

Die Lunge ist mit einem dünnen Lungenfell (Pleura viszeralis) überzogen. Begrenzt wird sie im Brustkorb einerseits vom Rippenfell (Pleura parietalis), das die Innenwand des Brustkorbs überzieht, andererseits vom Zwerchfell, das die Lungen von den Verdauungsorganen abgrenzt.

Zwischen Lungenfell und Rippenfell liegt der Pleuraspalt. In ihm herrscht ein Unterdruck. Der Unterdruck spannt das Lungengewebe auf und saugt förmlich Luft in die Lunge: Man atmet ein. Bei der Ausatmung wird die Luft ausgepresst und der Unterdruck wieder aufgebaut.

Wie entsteht ein Pneumothorax?

Gerät Luft zwischen Lungenfell und Rippenfell in den Pleuraspalt, geht der Unterdruck verloren und der für das Einatmen wichtige Sog kann nicht aufrechterhalten werden. Die Lunge fällt wie ein Luftballon, aus dem die Luft herausgelassen wird, in sich zusammen.

Welche Ursachen führen zu einem Pneumothorax?

Bei einem Riss des Lungenfells kann Luft aus der Lunge in den Pleuraspalt übertreten. Dies geschieht manchmal ohne äußeren Anlass. Vor allem bei jungen, großen Männern kann es beim Heben, Stoßen oder Springen zu einem Lungenfellriss und somit zum Pneumothorax kommen.

Bei Männern kommt die Erkrankung etwa siebenmal häufiger vor als bei Frauen. Mehr als 90 Prozent der Betroffenen sind Zigarettenraucher. Die Häufigkeit von Erkrankungsfällen beträgt etwa sieben Fälle pro 100.000 Einwohner jährlich. Andere mögliche Ursachen für einen Pneumothorax sind Verletzungen des Rippen- oder Lungenfells, zum Beispiel durch Rippenbrüche, Messerstiche oder andere in den Brustkorb gestochene spitze Gegenstände, aber auch ärztliche Untersuchungen, zum Beispiel eine Entnahme von Leber- oder Lungengewebe.

Ein Pneumothorax kann auch als Komplikation von Lungenerkrankungen entstehen. Vor allem Menschen, die an Asthma bronchiale, Lungenverhärtung (Lungenfibrose) oder Lungentumoren erkrankt sind, erleiden häufiger als die Normalbevölkerung einen Pneumothorax.

Eine besonders gefährliche Form des Pneumothorax ist der Spannungs-Pneumothorax. Er kann auftreten, wenn durch eine Verletzung des Brustkorbs ein Loch in der Brustwand entsteht. Problematisch ist hier der "Ventilmechanismus“. Beim Einatmen oder von außen gelangt Luft in den Brustraum, die aber nicht wieder entweichen kann. Dadurch steigt der Druck im Brustraum, sodass die Lunge und die Venen immer weiter zusammengedrückt werden und der Rückstrom des Blutes zum Herzen abnimmt. Dieser Zustand kann lebensbedrohlich sein.

Wie wird ein Pneumothorax erkannt?

Erstes Zeichen eines Pneumothorax ist meist ein stechender Schmerz in der betroffenen Brustseite, der oft von einem Hustenreiz begleitet ist. Bei einigen Patienten entwickelt sich der Pneumothorax langsam, sodass die Beschwerden anfangs unauffällig sind. Abhängig davon, wie vollständig die Lunge in sich zusammenfällt, tritt mehr oder weniger starke Atemnot auf.

Beim Spannungs-Pneumothorax kommt es auch zu schneller Atmung, erhöhter Herzfrequenz, niedrigem Blutdruck und Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten.

Der Arzt wird die Lunge abhören und abklopfen. Weitere Hinweise liefert eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs. Die Diagnose eines Pneumothorax kann er so im Allgemeinen rasch stellen.

Die Rückfallraten (Rezidivraten) des Pneumothorax schwanken zwischen 16 und 52 Prozent beim Erstereignis, nach bereits erlittenem Pneumothorax treten erneute Rezidive in 62 bis 80 Prozent der Fälle auf.

Wie wird ein Pneumothorax behandelt?

Da ein Pneumothorax lebensbedrohlich sein kann, müssen die Betroffenen sofort ins Krankenhaus.

Bei geringen Beschwerden wird der Patient nur beobachtet, denn meistens kann der Körper aus eigener Kraft den zum Atmen erforderlichen Unterdruck wiederherstellen.

Wenn bei einem Pneumothorax eine bakterielle Infektion entsteht, ist eine Behandlung mit Antibiotika ratsam.

Bei stärkeren Beschwerden muss man die Luft aus dem Pleuraspalt entfernen. Dafür bringt der Arzt einen dünnen Schlauch mit seitlichen Löchern (Drainage) unter örtlicher Betäubung in den Pleuraspalt ein. Die Gabe hustenstillender Medikamente kann weitere Linderung verschaffen. Anschließend sollte man sich körperlich schonen und schwere Belastungen vermeiden.

Eine schnelle Behandlung erfordert der Spannungs-Pneumothorax, da es sich um einen lebensbedrohlichen Zustand handelt. Beide Lungen und die Herz-Kreislauf-Funktion können drastisch eingeschränkt sein. Dieser Pneumothorax ist ein Notfall. Die Therapie besteht darin, aus dem Pleuraspalt die Luft schnellstmöglich zu entfernen. Hierbei führt der Arzt eine Nadel in den Pleuraspalt ein und legt anschließend eine Drainage an.

Vor allem bei wiederholtem Auftreten eines Pneumothorax ohne erkennbare Ursache sowie bei fehlender Rückbildung trotz Saugdrainage innerhalb einer Woche zieht man eine Operation in Betracht, bei der man Teile des Brustfells entfernt (Pleuraresektion). Eine weitere Möglichkeit ist, das Lungenfell mit dem Brustfell zu verbinden (Pleurodese).

Bei der Operation und auch beim Legen der Drainagen können Lungengewebe, Nerven und Blutgefäße verletzt werden und Infektionen auftreten. Sowohl durch eine Operation als auch durch den Pneumothorax selbst kann die Atmung dauerhaft eingeschränkt werden.

Nach einem Pneumothorax sollte man sich über Monate schonen. Je nach Art und Schwere des Pneumothorax sollte man dauerhaft oder zumindest vorübergehend auf Tauchen und Fliegen verzichten, da dies die Gefahr eines erneuten Pneumothorax durch die Druckbelastung der Lunge erhöht.