Es gibt mehrere Nebenhöhlen: zwei Stirn-, zwei Kiefer- und Keilbeinhöhlen sowie die Siebbeinzellen zwischen den Augenhöhlen. Kleine Öffnungen und Gänge verbinden die Nebenhöhlen mit der Nasenhöhle. So kann das Sekret, das die Schleimhaut in den Nebenhöhlen produziert, über die Nase in den Rachen abfließen.

Wie kommt es zu einer Sinusitis?

Entzündungen der Nebenhöhlenschleimhaut entstehen meistens im Anschluss an einen Schnupfen (Rhinitis). Schleimhautschwellungen infolge des Infekts können die engen Gänge und Öffnungen der Nebenhöhlen verlegen, und es kommt zu Belüftungsstörungen und Sekretstau in den Nebenhöhlen.

Nase schnäuzen oder hoch­zie­hen?

Der Schleim in der Nase ist wichtig, denn er bindet Bakterien, Viren und Dreck. Dr. Johannes Wimmer klärt die Frage, wohin soll das Ganze entsorgt werden?

Eine Nasennebenhöhlenentzündung entwickelt sich in der Regel aus einer Infektion der Nase mit Viren. Gelangen außerdem Bakterien in die Nebenhöhlen, kann eine eitrige Sinusitis entstehen. Verbiegungen der Nasenscheidewand und vergrößerte Nasenmuscheln begünstigen Entzündungen der Nasennebenhöhlen. Der Schleimtransport in der Nase wird durch diese anatomischen Besonderheiten gestört. Das führt dazu, dass die Nasennebenhöhlen verengen und zu wenig frische Luft von außen in sie hinein gelangen kann. Dann kann die Nasennebenhöhlenentzündung immer wieder auftreten und letztlich in eine chronische Sinusitis übergehen. Ab einer Krankheitsdauer von zwölf Wochen gilt eine Nasennebenhöhlenentzündung als chronisch.

Auch die Entzündung einer Zahnwurzel im Oberkiefer oder eine Zahnentfernung verursachen gelegentlich eine Kieferhöhlenentzündung.

Welche Beschwerden sind typisch?

Bei einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung sind die Symptome anfangs einem Schnupfen ähnlich. Ein vermehrter Ausfluss aus der Nase hält über Tage an. Typisch für eine akute Sinusitis sind ein Druckgefühl und ein pochender, stechender Schmerz über den Wangenknochen (Kieferhöhlen), zwischen den Augen (Siebbeine) und über der Stirn (Stirnhöhle). Der Schmerz verstärkt sich, wenn der Kopf nach unten gebeugt wird oder der Patient auf einem Bein hüpft. Auch starker Schwindel gehört gelegentlich zum Krankheitsbild.

Wenn die Keilbeinhöhlen entzündet sind, haben die Betroffenen Schmerzen am Hinterkopf. Die Nasenatmung ist behindert, das heißt die Nase ist zugeschwollen und die Betroffenen können nur schlecht durch die Nase atmen. Die Nase läuft wässrig, bei Vorliegen einer bakteriellen Infektion auch eitrig. Allerdings bedeutet ein eitriges Sekret nicht zwangsläufig, dass es sich um eine bakterielle Infektion handelt. Riechstörungen, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl sind möglich.

Bei Kindern steht meistens nicht der Schmerz im Vordergrund, sondern die laufende Nase und ein Hustenreiz durch Sekret im Rachen.

Wie verläuft eine akute Nasennebenhöhlenentzündung?

In der Regel heilt eine akute Sinusitis ohne Folgen nach zwei Wochen aus. Wenn die Beschwerden länger als zwölf Wochen bestehen und zwischendurch nicht verschwinden, spricht man von einer chronischen Entzündung der Nasennebenhöhlen.

Eine bakterielle, eitrige Infektion der Schleimhaut kann die Ausheilung verzögern und zu Komplikationen führen, die im Allgemeinen selten sind und vor allem bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem auftreten. Die Entzündung kann sich in die Gesichtsweichteile (Schwellung, Rötung, Abszessbildung), in Richtung des Gehirns (Gehirn- und Hirnhautentzündung, Hirnabszesse) und zum Auge hin ausbreiten.

Solche schwerwiegenden Komplikationen bedürfen je nach ihrem Ausmaß einer unverzüglichen chirurgischen beziehungsweise fachübergreifenden Behandlung im Krankenhaus (Hals-Nasen-Ohren-Klinik, Augenklinik, Neurochirurgie) und der Gabe von Antibiotika.

Wie wird festgestellt, dass die Nasennebenhöhlen entzündet sind?

Der Arzt stellt die Diagnose anhand der Vorgeschichte, der Beschwerden und der Ergebnisse der Untersuchungen.

Bei Bedarf (zum Beispiel bei unklarer Diagnose oder in komplizierten Fällen) kann der Hals-Nasen-Ohren-Arzt zusätzlich das Naseninnere durch eine Nasenspiegelung (Rhinoskopie) untersuchen. Er benutzt kleine Spiegelgeräte (Endoskope), um die hinteren und die seitlichen Abschnitte in der Nase mit den Ausführungsgängen der Nebenhöhlen einzusehen. Die Nasenschleimhaut wird vorher mit einem abschwellenden Spray eingesprüht, um die Sicht zu verbessern.

Ultraschallbilder, Röntgenaufnahmen oder eine Computertomografie der Nasenebenhöhlen sind normalerweise nicht notwendig. 

Wie wird diese Erkrankung behandelt?

Die Therapie kann darauf abzielen, die Beschwerden durch Medikamente und andere nicht-operative Maßnahmen zu lindern. Die Symptome einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung können häufig sogar ohne Behandlung innerhalb von rund zwei Wochen von allein abklingen.

Abschwellende Nasentropfen verbessern den Sekretabfluss aus den Nebenhöhlen, sollten aber höchstens sieben bis zehn aufeinanderfolgende Tage lang zur Anwendung kommen.

Empfohlen wird auch die Anwendung eines kortisonhaltigen Nasensprays, um die Entzündung zu hemmen und die Schleimhaut in den Nebenhöhlen abschwellen zu lassen.

Zusätzlich kann der Arzt ein Schmerzmittel verordnen, zum Beispiel mit den Wirkstoffen Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen. Antibiotika kommen nur dann zum Einsatz, wenn sicher ist, dass Bakterien die Nasennebenhöhlenentzündung verursacht haben. Meistens sind jedoch Viren die Auslöser der Erkrankung. Gegen Viren sind Antibiotika jedoch unwirksam.

Breitet sich eine akute Nasennebenhöhlenentzündung aus, können angrenzende Strukturen in die Entzündung einbezogen werden. Besonders das Auge und das Gehirn in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Nebenhöhlen sind hier gefährdet. Solche Komplikationen erfordern oft eine operative Behandlung.

Gibt es vorbeugende Maßnahmen?

Wenn sich eine Erkältung beziehungsweise ein banaler Schnupfen mit Niesreiz und wässrigem Nasenlaufen anbahnt, können abschwellende Nasentropfen (ohne Kortison) und Inhalationen Belüftungsstörungen der Nebenhöhlen entgegenwirken.

Bei Schnupfen sollte die Nase nur vorsichtig geputzt werden, da sonst der Schleim in die Nebenhöhlen oder auch in das Mittelohr katapultiert wird. Ein Nasenloch sollte man dabei zuhalten. Den Nasenschleim "hochzuziehen" schont die Nebenhöhlen. Es ist besser, als die Nase zu schnäuzen.

Abschwellende Nasentropfen sollten nicht länger als zehn Tage benutzt werden, da es dann oft zu einer dauerhaften Schleimhautschwellung kommt. Allgemeine Maßnahmen wie Bettruhe und körperliche Schonung, ausreichende Vitaminzufuhr sowie Nikotin- und Alkoholverzicht unterstützen den Heilungsprozess. Bei kaltem Wetter ist auch der Kopf warm zu halten.