Im Kindesalter vergrößert sich die Rachenmandel natürlicherweise. Das Wachstum kommt in der Pubertät zum Stillstand und im Erwachsenenalter werden sie, ebenso wie die Gaumenmandeln (Tonsilla palatina), wieder kleiner. Deswegen ist die Rachenmandelvergrößerung (adenoide Hyperplasie) meistens eine Erkrankung im Kindesalter. Sie wird im Volksmund als Rachenpolypen bezeichnet.

Begünstigt durch häufige Infekte der Atemwege kann es dazu kommen, dass die Rachenmandel so stark an Größe zunimmt, dass sie die hinteren Nasenöffnungen und die Belüftungswege des Mittelohres (Ohrtrompete) verlegt. Die Ohrtrompete verbindet das Mittelohr mit dem Nasenrachen. Dies verursacht dann eine Reihe von Beschwerden.

Welche Beschwerden verursacht eine Rachenmandelvergrößerung?

Infolge der Größenzunahme der Rachenmandel kann es zu Belüftungsstörungen des Mittelohrs, häufigen Mittelohrentzündungen, Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr und einer Hörminderung kommen. Bleibt eine solche Flüssigkeitsansammlung mit Hörminderung über Monate bestehen, kann sich die Sprachentwicklung verzögern.

Häufig ist durch die vergrößerte Rachenmandel die Nasenatmung behindert. Die Kinder atmen mehr durch den Mund, näseln und schnarchen. Die Mundatmung führt zu trockenen Schleimhäuten der Atemwege, die anfällig für Infekte werden können. Typisch sind ein dauernder Schnupfen sowie tastbare Lymphknoten im Kieferwinkel und im Nacken.

Sind Rachenmandel und Gaumenmandeln vergrößert, kann es zu Schlaf- und Schluckstörungen kommen. Eine Rachenmandelvergrößerung kann zudem auch Folgen für die Entwicklung von Gebiss, Gesicht und Gaumen haben.

Wie wird eine Rachenmandelvergrößerung festgestellt?

Wichtige Hinweise liefert das Gespräch zwischen dem behandelnden Arzt, dem betroffenen Kind und (vor allem bei sehr kleinen Kindern) dessen Eltern. Die geschilderten Beschwerden sind häufig typisch und lenken den Verdacht auf eine Rachenmandelvergrößerung. Untersuchungen des Rachens, der Ohren und der Trommelfelle sowie eine Hörprüfung können den Verdacht bestätigen.

Mit einer Spiegeluntersuchung des Nasenraumes (Rhinoskopie), bei der ein abgewinkelter Spiegel über die Nasenhöhle eingeführt wird, kann der Arzt sowohl den Gaumenbereich (vordere Rhinoskopie) als auch die Rachenmandel begutachten (hintere Rhinoskopie). Diese stellt sich oft vergrößert und rötlich verfärbt dar.

Durch eine Ohrmikroskopie hat der Arzt Einblick auf das Trommelfell, das bei einer Rachenmandelvergrößerung durch den von der Belüftungsstörung der Ohrtrompete ausgelösten Unterdruck im Mittelohr häufig zurückgezogen erscheint. Manchmal findet sich auch eine bernsteinfarbene Flüssigkeitsansammlung im Mittelohr.

Die Untersuchungen hängen stark von der Mitarbeit der Patienten ab. Hörprüfungen oder eine Spiegeluntersuchung des Nasenrachenraums sind bei Kleinkindern oft noch nicht möglich. Dagegen kann eine Prüfung der Druckverhältnisse im Ohr in der Regel relativ einfach erfolgen.

In Einzelfällen sind zusätzliche Untersuchungen durch einen Kieferorthopäden oder einen Spezialisten für kindliche Hör- und Sprachstörungen (Phoniatrie und Pädaudiologie) notwendig.

Wie behandelt man eine Rachenmandelvergrößerung?

Die operative Entfernung einer vergrößerten Rachenmandel ist dann notwendig, wenn die Beschwerden die Entwicklung des Kindes belasten und keine Anzeichen einer Besserung bestehen. Bei starker gesundheitlicher Beeinträchtigung wie Schluckstörungen, unzureichender Nahrungsaufnahme und Gedeihstörungen sowie bei gehäuften Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr und einer andauernden Hörminderung mit der Gefahr einer Sprachentwicklungsverzögerung, aber auch bei Schnarchen mit nächtlichen Atemaussetzern kann eine operative Behandlung sinnvoll sein.

Die Operation der vergrößerten Rachenmandel erfolgt in der Regel in Vollnarkose. Von der Mundhöhle aus schält der Arzt mit einem speziellen Instrument die vergrößerte Rachenmandel ab. Nach der Entfernung des Rachenmandelgewebes erfolgt die Blutstillung. Zum Operationsabschluss wird der Nasenrachenraum nochmals auf Bluttrockenheit kontrolliert. Den Eingriff bezeichnet man als Rachenmandel-Entfernung (Adenotomie). Befindet sich Flüssigkeit hinter dem Trommelfell, kann der Arzt die Entfernung der Rachenpolypen auch mit einem Trommelfellschnitt (Parazentese) oder mit der Einlage eines Röhrchens in das Trommelfell kombinieren, um die Flüssigkeit abzusaugen und die Belüftung im Mittelohr für einige Zeit zu sichern.

Nach der Operation haben die Kinder meistens nur leichte Schmerzen und sind in der Regel nur wenig beeinträchtigt. Am Tag nach der Operation sollte ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt eine Kontrolluntersuchung durchführen. Selten kommt es zu Nachblutungen und Schluckstörungen. In der Woche nach der Operation sollten die Kinder körperliche Belastungen vermeiden.