Wie setzt sich menschliches Blut zusammen?

Man unterscheidet zwischen den festen Blutbestandteilen, den Blutkörperchen, und dem flüssigen Anteil des Blutes, dem Blutplasma.

Den weitaus größten Anteil an den Blutzellen haben die roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Ihre wesentliche Aufgabe ist die Sauerstoffversorgung von Organen und Muskeln. Erythrozyten können nach entsprechender Aufbereitung als sogenannte "Blutkonserven" übertragen werden.

Die nächst kleinere Gruppe der Blutzellen sind die Blutplättchen (Thrombozyten). Sie haben eine wichtige Funktion bei der Blutgerinnung, insbesondere beim Verschluss von Wunden. Auch Thrombozyten lassen sich aus einer Blutspende gewinnen und zur Übertragung aufbereiten.

Die dritte Gruppe der Blutzellen sind die weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Sie erfüllen Aufgaben des körpereigenen Abwehrsystems. Ihre Beimengung zu Erythrozyten- und Thrombozyten-Präparaten sollte vermieden werden, da sie Unverträglichkeitsreaktionen auslösen können.

Das Blutplasma besteht im Wesentlichen aus Wasser, das aber zahlreiche wichtige Inhaltsstoffe wie Plasma-Eiweiße enthält. Diese sind zum Beispiel wichtig für die Blutgerinnung (Fibrinogen) und die Immunabwehr (Immunglobuline). Albumin bindet Wasser und wirkt so dem Austreten von Flüssigkeit aus der Blutbahn in die Gewebe und Organe (Ödeme) entgegen. Daneben enthält Plasma auch Mineralien, Nährstoffe, Spurenelemente und Hormone.

Blutplasma kann verabreicht werden, wenn sich durch große Blutverluste nicht nur ein Mangel an roten Blutkörperchen, sondern auch an Gerinnungsfaktoren und Eiweißen eingestellt hat. Medikamente zur Behandlung bestimmter Blutgerinnungsstörungen werden durch die Isolation einzelner Gerinnungsfaktoren aus menschlichem Blut hergestellt.

Welche Bedeutung haben die Blutgruppen?

Das AB0 - System

Nach dem AB0-System werden die Blutgruppen A, B, AB und 0 unterschieden. Die Bezeichnung der Blutgruppe ergibt sich dabei aus bestimmten Eigenschaften der Oberfläche der roten Blutkörperchen. Jeder Mensch hat fast von Geburt an im Blut Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die jeweils andere Blutgruppe. Daher sind Blutgruppen untereinander nicht mischbar.

Das Rhesussystem

Der Rhesusfaktor ist ein Merkmal, das erstmals beim Rhesusaffen entdeckt wurde. Dieser Faktor wird heute mit dem Buchstaben D bezeichnet. Rhesus-positive Menschen besitzen das Antigen D auf der Oberfläche ihrer roten Blutkörperchen.

Im Gegensatz zum AB0-System bildet der Körper rh-negativer Personen aber keine Antikörper gegen das Antigen D. Zur Bildung von Anti-D-Antikörpern muss der rh-negative Mensch mit rh-positivem Blut in Berührung kommen. Dies kann durch Bluttransfusion oder während der Geburt eines rh-positiven Kindes einer rh-negativen Mutter passieren.

Weitere Blutgruppenmerkmale

Es gibt noch über 300 weitere Blutgruppenmerkmale. Diese müssen bei einer Bluttransfusion nicht überprüft werden, da sie allenfalls leichte Unverträglichkeitsreaktionen auslösen.

Bei Risikogruppen (Kinder und insbesondere Frauen vor dem beziehungsweise im gebärfähigen Alter) sollten jedoch diese Blutgruppenmerkmale (vor allem die "Kell"-Blutgruppe) bei Spender und Empfänger übereinstimmen, um zum Beispiel bei einer Schwangerschaft eine Gefährdung des ungeborenen Kindes durch mütterliche Antikörper auszuschließen.

Was ist eine Unverträglichkeitsreaktion?

Als Unverträglichkeitsreaktion bei Bluttransfusionen bezeichnet man allgemein eine Abwehrreaktion des Körpers auf Bestandteile von Blutkonserven, insbesondere auf verbliebene weiße Blutkörperchen. Wenn die Blutgruppen von Spender und Empfänger übereinstimmen, werden in der Regel nur leichtere Reaktionen wie Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Blutdruckabfall, hervorgerufen. Wenn diese Zeichen auftreten, muss die Blutübertragung sofort gestoppt werden.

Wie geht eine Bluttransfusion vor sich?

Liegt kein dringender medizinischer Notfall vor, ist für eine Bluttransfusion die schriftliche Zustimmung des Patienten einzuholen.

Nach der Überprüfung der Blutgruppen von Patient und Blutkonserve wird dann im Reagenzglas eine sogenannte Kreuzprobe durchgeführt. Hierbei werden rote Blutkörperchen aus der zur Übertragung vorgesehenen Blutkonserve mit Blutflüssigkeit des Empfängers vermischt. So kann eine Unverträglichkeitsreaktion ausgeschlossen werden. Außerdem werden in einem zweiten Testansatz Antikörper beim Empfänger gesucht. Sind beide Tests negativ, wird die Erythrozytenkonserve freigegeben. 

Unmittelbar vor der Transfusion muss der Arzt die AB0-Blutgruppe des Empfängers zum Ausschluss von Verwechselungen nochmals überprüfen. Die genaue Aufzeichnung aller Daten der Konserve, des Arztes, des Patienten sowie etwaiger Zwischenfälle ist gesetzlich vorgeschrieben, sodass sich im Zweifelsfall der Weg einer Blutkonserve von ihrer Entstehung bis zum Empfänger verfolgen lässt.

Eine Blutgruppenüberprüfung ist vor einer Übertragung von Blutkonserven oder Blutbestandteilen gesetzlich vorgeschrieben. Kein Arzt darf sich auf die Aussage des Patienten oder auf eine vorgelegte Bescheinigung über die Blutgruppe verlassen.

Nahezu alle verwendeten Blutprodukte stammen von Wohlfahrtsorganisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz, es gibt aber auch einige private Unternehmen. Bei Letzteren wird eine Blutspende in der Regel bezahlt, bei Organisationen wie dem Deutschen Roten Kreuz erfolgt die Blutspende unentgeltlich, wie es die Weltgesundheitsorganisation fordert.

Grundsätzlich gilt, dass das Blut verschiedener Spender zur Herstellung von Erythrozytenkonzentraten nicht gemischt wird. Damit ist gewährleistet, dass der Ursprung jeder einzelnen Blutkonserve nachvollziehbar bleibt.

Welches Infektionsrisiko besteht bei der Gabe von Blutkonserven?

Die größte Sorge eines Empfängers von Blutkonserven ist, sich über die Konserve mit Krankheitserregern anzustecken. Um hier größtmögliche Sicherheit zu bieten, werden die Spender von allen anerkannten Blutspendediensten gründlich untersucht, insbesondere auf die Viren HIV, HBV und HCV.

Die Übertragung von HIV (AIDS) durch Blutkonserven

AIDS ist eine Erkrankung des Immunsystems, die durch das HI-Virus ausgelöst werden kann. Die Erkrankung kann heute noch nicht geheilt werden.

Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass jeder Spender auf Antikörper gegen das HI-Virus untersucht wird. Die Nachweismethode ist sehr genau. Zwischen einer Infektion des Spenders und dem Auftreten der Antikörper können allerdings bis zu drei Monate vergehen, sodass in dieser Zeit eine Infektion mit dieser Methode nicht festgestellt werden kann.

Durch den Nachweis von Erbsubstanz kann eine Infektion mit dem HI-Virus deutlich früher entdeckt werden. Diese Methode wird bereits bei vielen Herstellern durchgeführt, ist aber noch nicht vorgeschrieben. Der Test wird die Nachweisgenauigkeit voraussichtlich weiter erhöhen, eine vollständige Sicherheit bietet jedoch auch dieses Verfahren nicht.

Die Übertragung von Hepatitis B durch Blutkonserven

Hepatitis B ist eine durch Viren verursachte Leberentzündung. Gesetzlich vorgeschrieben ist die Untersuchung jeder Blutspende auf einen Bestandteil des Hepatitis B-Virus (HBV). Das momentan übliche Testverfahren bietet keine absolute Sicherheit, wird jedoch noch weiterentwickelt.

Die Übertragung von Hepatitis C durch Blutkonserven

Die Leberentzündung Hepatitis C wird ebenfalls durch ein Virus verursacht. Im Unterschied zur Hepatitis B besteht eine höhere Gefahr für eine chronische Leberentzündung.

Seit 1999 ist die Testung aller Spenden auf das Erbmaterial des Hepatitis C-Virus gesetzlich vorgeschrieben. Eine Verringerung des Infektionsrisikos ist zu erwarten, ebenfalls wegen neuer empfindlicherer Tests. Auch hier stehen Studienergebnisse aus.

Die Übertragung von anderen Erkrankungen durch Blutkonserven

Die Übertragung von anderen Viren über eine Blutkonserve hat normalerweise für den Patienten keine Auswirkungen. Nur bei Risikopatienten mit verminderter körpereigener Abwehr wie Früh- und Neugeborene, Patienten nach Organtransplantation oder AIDS-Patienten müssen die Blutkonserven frei von diesen Erregern sein.

Wann sollten Erythrozytenkonzentrate gegeben werden?

Mit der Gabe von Erythrozytenkonzentraten soll ein durch Blutarmut verursachter Sauerstoffmangel im Körper oder in einzelnen Organen verhindert werden. 

Ein plötzlicher Blutverlust, etwa durch eine größere Verletzung, wird vom Körper schlechter vertragen als ein schleichender Blutverlust, zum Beispiel durch eine wiederholte Sickerblutung aus einem Magengeschwür, durch starke Monatsblutungen oder Blutbildungsstörungen.

Ist die Sauerstoffversorgung einzelner Organe oder des gesamten Organismus ohnehin vermindert, zum Beispiel durch Asthma oder einer Verengung der Herzkranzgefäße, verkraftet der Patient eine Blutarmut deutlich schlechter als ein gesunder Mensch.

Nicht in jedem Fall muss bei einer Blutarmut eine Transfusion erfolgen. Daher prüft der Arzt im Einzelfall, ob durch Gabe von Eisen, bestimmten Vitaminen oder andere Maßnahmen der Ausgleich der Blutarmut auch vom Körper selbst bewerkstelligt werden kann.

Die Ablehnung von notwendigen Transfusionen kann jedoch bleibende Organschäden durch einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt begünstigen und im schlimmsten Fall zum Tode des Patienten führen.

Was ist wissenswert über Thrombozytenkonzentrate?

Auch Blutplättchen (Thrombozyten) lassen sich aus Blutspenden gewinnen. Dabei ist eine Mischung verschiedener blutgruppengleicher Spenden zulässig. In der Regel sind für eine wirksame Steigerung der Blutgerinnung Thrombozyten aus vier bis sechs Einzelspenden erforderlich. Die Haltbarkeit ist abhängig von der Herstellungsart und beträgt zwölf Stunden bis maximal fünf Tage.

Da der Nachweis von Virus-Erbsubstanz bis zu drei Tage dauern kann, liegt das Ergebnis dieser Untersuchung noch nicht vor, wenn das Konzentrat übertragen wird. Aus diesem Grund werden Thrombozytenkonzentrate nur aus Blutkonserven von Spendern gewonnen, die bereits wiederholt Blut gespendet haben und bei denen in der Vergangenheit stets alle Untersuchungsergebnisse in Ordnung waren. Die Infektionsrisiken entsprechen daher trotz des theoretisch höheren Risikos im Wesentlichen denen der Erythrozytenkonzentrate.

Was ist eine Eigenblutspende?

Einige Wochen vor geplanten Operationen, die erfahrungsgemäß mit größeren Blutverlusten verbunden sind, ist eine sogenannte Eigenblutspende möglich. Dazu wird dem Patienten zwei- bis viermal jeweils circa ein halber Liter Blut entnommen. Die aufbereiteten Erythrozytenkonzentrate sind rund einen Monat haltbar. Auch durch eigene Blutkonserven können Krankheiten übertragen werden: Da Krankheitserreger sich in Blutkonserven vermehren können, dürfen Patienten mit akuten Infekten kein Eigenblut spenden.

Welche Medikamente werden aus Blut hergestellt?

Im Blutplasma finden sich zahlreiche Gerinnungsfaktoren. Daher wird es zur Behandlung schwerster Störungen der Blutgerinnung, beispielsweise nach sehr großen Blutverlusten, eingesetzt. Gerinnungsfaktoren werden auch einzeln aus dem Plasma isoliert und zu Medikamenten verarbeitet. Patienten mit Störungen der Blutgerinnung, zum Beispiel Bluter, müssen im Laufe ihres Lebens wiederholt mit solchen Präparaten behandelt werden.

Neben den Gerinnungsfaktoren werden auch andere Bluteiweiße (Albumin, Immunglobuline) aus Plasma gewonnen und in eng begrenztem Rahmen zur Behandlung von entsprechenden Mangelzuständen eingesetzt. Hier ist durch eine Hitzebehandlung im Herstellungsprozess weitgehende Sicherheit vor Virusinfektionen gegeben. Der medizinische Nutzen dieser Medikamente unterliegt immer noch der Überprüfung in wissenschaftlichen Studien und wird nicht einheitlich beurteilt.