Durch die Bestimmung von Substanzen im Blutserum kann die Diagnostik einer Vielzahl von Erkrankungen unterstützt werden. Blutwerte werden in der Regel nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit anderen Faktoren wie Beschwerdebild oder weiteren Untersuchungsergebnissen betrachtet.

Einige der gemessenen Parameter erlauben zudem eine Beurteilung von Organfunktionen. So lassen sich zum Beispiel Blutwerte zur Beurteilung von Nieren, Herz, Leber, Magen oder Darm bestimmen. Zu den im Serum gemessenen Substanzen gehören unter anderem Mineralstoffe, Hormone, Eiweiße, Vitamine und Enzyme.

Im Folgenden wird die Bedeutung der Laborwerte erläutert, die am häufigsten in der ärztlichen Praxis ermittelt werden. Bei den Normalwerten können die Angaben aufgrund unterschiedlicher Bestimmungsmethoden von Labor zu Labor schwanken.

Albumin

Albumin ist das am häufigsten vorkommende Eiweißmolekül (Protein) im Blut. Es dient vor allem als Transportmittel für Stoffe, die sich nur in Verbindung mit Eiweißmolekülen im Blut aufhalten können. Zudem beeinflusst Albumin den Druck in den Blutgefäßen und dadurch die Regulation der Flüssigkeitsmenge des Blutes.

Der Normalwert des Albumins beträgt 35 bis 52 g/l beziehungsweise 54 bis 65 Prozent des Gesamteiweißes.

Alkalische Phosphatase (AP)

Bei der alkalischen Phosphatase handelt es sich um ein Enzym, das vor allem in der Leber, den Gallenwegen und im Knochen zu finden ist und daher bei Verdacht auf eine Erkrankung dieser Organe bestimmt wird.

Der Normalwert der alkalischen Phosphatase beträgt bei erwachsenen Männern beziehungsweise Frauen: 40 bis 130 beziehungsweise 35 bis 105 U/l.

Alpha-Amylase

Die Alpha-Amylase ist ein Enzym, das sowohl in der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) als auch in Speicheldrüsen zu finden ist. Sie ist wesentlich an der Verdauung von Kohlenhydraten beteiligt und wird bei Verdacht auf eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse bestimmt.

Der Normalwert der Alpha-Amylase beträgt bis 110 U/l.

Bilirubin

Bilirubin ist der Gallenfarbstoff. Er entsteht beim Abbau des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) in der Leber und wird über die Gallenflüssigkeit in den Darm und dann über den Stuhl ausgeschieden. Bilirubin wird in der Regel bei Verdacht auf Blut-, Leber- oder Gallenwegserkrankungen bestimmt.

Der Normalwert des Gesamtbilirubins beträgt bis 1,1 mg/dl.

Cholesterin

Cholesterin zählt zu den Blutfetten. Es wird durch tierische Fette mit der Nahrung aufgenommen, aber auch vom Organismus selbst produziert. Der Körper benötigt es zum Beispiel für die Funktionen der Körperzellen sowie für die Produktion der Gallensäuren und einiger Hormone. Zu hohe Konzentrationen begünstigen allerdings die Arterienverkalkung (Arteriosklerose) und damit die Entstehung von Herz- und Kreislauferkrankungen.

Es gibt zwei Formen des Cholesterins, die bei der Beurteilung der Werte von Bedeutung sind. Das LDL-Cholesterin soll schädigend auf die Gefäßwände wirken, während dem HDL-Cholesterin eine schützende Wirkung zugeschrieben wird. Daneben ist der Gesamtcholesterinwert von Interesse.

Die Bestimmung des Cholesterins muss nüchtern erfolgen, das heißt man darf einige Stunden vor der Blutabnahme nichts mehr gegessen und getrunken haben.

Sollwerte:

  • Gesamtcholesterin: unter 200 mg/dl
  • LDL-Cholesterin: unter 160 mg/dl bei sehr geringem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unter 130 mg/dl bei hohem Risiko, unter 100 mg/dl bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen beziehungsweise Arteriosklerose
  • HDL-Cholesterin: Frauen über 45 mg/dl, Männer über 35 mg/dl

C-reaktives Protein (CRP)

Dieses Protein wird bei Entzündungsreaktionen im Organismus vermehrt gebildet. Die Höhe des CRP-Wertes gibt Anhaltspunkte über Ausmaß und Aktivität des entzündlichen Geschehens.

Der Normalwert des CRP beträgt unter 5 mg/l.

Eisen

Eisen ist ein wesentlicher Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, das wiederum in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) vorkommt. Es bindet und transportiert den Sauerstoff.

Der Normalwert des Eisens beträgt bei Frauen 50 bis 150 µg/dl, bei Männern 50 bis 160 µg/dl.

Elektrolyte

Elektrolyte sind zur Aufrechterhaltung des Flüssigkeitshaushaltes und des Stoffwechsels von großer Bedeutung. Der Elektrolythaushalt wird zum Beispiel über die Atmung und die Nierenfunktion reguliert. Die Elektrolytwerte liefern daher direkt oder indirekt eine Aussage über viele verschiedene Körperfunktionen.

Von wesentlicher Bedeutung für die Untersuchung des Elektrolythaushaltes ist die Bestimmung folgender Elemente:

Normalwerte für Erwachsene:

  • Chlorid: 97 bis 108 mmol/l
  • Kalium: 3,6 bis 5,0 mmol/l
  • Kalzium: 2,2 bis 2,6 mmol/l
  • Natrium: 135 bis 145 mmol/l
  • Magnesium: 0,65 bis 1,05 mmol/l

Ferritin

Ferritin dient als Eisenspeicher in verschiedenen Organen. Es kann neben der Eisenkonzentration zur Diagnostik eines Eisenmangels herangezogen werden.

Der Normalwert beträgt je nach Alter bei Frauen sechs bis 120 µg/l, bei Männern zehn bis 400 µg/l.

Gamma-GT (Gamma-Glutamyltransferase)

Dieses Enzym befindet sich vor allem in der Leber und in den Gallenwegen. Erhöhte Werte liegen dementsprechend bei Entzündungen der Leber und der Gallenwege, bei Gallensteinen, bei Fettleber oder bei häufigem Alkoholkonsum vor.

Der Normalwert beträgt bei Frauen unter 40 U/l, bei Männern unter 60 U/l.

GOT und GPT

GOT (Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, auch AST Aspartat-Aminotransferase) und GPT (Glutamat-Pyruvat-Transaminase, auch ALT Alanin-Aminotransferase) sind Enzyme, die in der Leber vorkommen. Die GOT liegt auch in Muskeln und dem Herzmuskel vor.

Eine Erhöhung beider Enzyme kann auf eine Lebererkrankung wie Entzündungen, Zirrhose oder Tumore hinweisen. Die GOT spielt zudem unter anderem bei der Beurteilung von Muskelerkrankungen eine Rolle.

Die Normalwerte für GOT und GPT betragen - abhängig von der Bestimmungsmethode - bei Frauen unter 35 U/l und bei Männern unter 50 U/l.

Gesamteiweiß

Die orientierende Bestimmung des Gesamteiweißgehaltes im Blut erfolgt unter anderem bei Verdacht auf Erkrankungen des Verdauungssystems, bei Entzündungen oder Tumorerkrankungen. Neben Albumin werden auch die anderen Eiweißkomponenten des Blutes (Globuline) bestimmt.

Der Normalwert des Gesamteiweißes beträgt 6,6 bis 8,3 g/dl.

Harnsäure

Im menschlichen Stoffwechsel entsteht beim Abbau bestimmter Stoffe, der Purine, Harnsäure. Ist der Harnsäuregehalt im Blut dauerhaft erhöht, kann dies zu Gicht oder Nierensteinen führen.

Der Normalwert beträgt bei Frauen bis zu 6,0 mg/dl, bei Männern bis zu 6,4 mg/dl.

Harnstoff

Harnstoff ist das Endprodukt des Eiweißstoffwechsels und wird über die Niere ausgeschieden. Die Bestimmung der Harnstoffkonzentration gibt Aufschluss über die Stoffwechsellage des Organismus. Die Harnstoffkonzentration steigt bei starker Einschränkung der Nierenfunktion an.

Der Normalwert des Harnstoffes beträgt: 10 bis 50 mg/dl

Kreatinin

Kreatinin entsteht im Stoffwechsel der Muskulatur und wird über die Nieren ausgeschieden. Die Bestimmung des Kreatinins dient der Überprüfung der Nierenfunktion. Der Wert ist zum Beispiel bei akuten und chronischen Nierenerkrankungen erhöht. Alte Menschen haben niedrigere Werte.

Der Normalwert beträgt bei Frauen bis 0,9 mg/dl, bei Männern bis 1,1 mg/dl.

Kreatinphosphokinase (CK)

Dieses Enzym ist von besonderer Bedeutung für die Diagnose von Herz- und Muskelerkrankungen sowie von Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark). Ist der Gesamtwert erhöht, kann durch Bestimmung der verschiedenen Untertypen (CK-MM, CK-MB, CK-BB) unterschieden werden, welches Organ von einer Störung betroffen sein könnte.

Die CK wird vor allem bei Verdacht auf einen Herzinfarkt bestimmt.

Der Normalwert beträgt bei Frauen bis 170 U/l, bei Männern bis 190 U/l.

Laktatdehydrogenase (LDH)

Die LDH ist ein Enzym, das in vielen verschiedenen Organen des Körpers vorkommt. Es wird ergänzend bei Verdacht auf eine Erkrankung der Muskulatur, der Leber, des Herzens, des Blutes oder des Nervensystems bestimmt.

Der Normalwert der LDH beträgt unter 250 U/l.

Lipase

Die Lipase ist wie die Alpha-Amylase ein Enzym der Bauchspeicheldrüse und ist wichtig für die Fettverdauung. Ein erhöhter Lipasewert im Blut kann daher auf eine Erkrankung dieses Organs hinweisen.

Der Normalwert der Lipase beträgt 13 bis 60 U/l.

Triglyzeride (Neutralfette)

Diese Gruppe der Blutfette wird wie das Cholesterin mit der Nahrung aufgenommen oder im Organismus gebildet, zum Beispiel aus überschüssigen Kohlenhydraten. Triglyzeride dienen als Energiespeicher.

Erhöhte Triglyzeridwerte begünstigen eine Arterienverkalkung und damit die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Blutabnahme zur Bestimmung der Triglyzeride muss nüchtern erfolgen.

Der Normalwert der Triglyzeride beträgt unter 150 mg/dl.

TSH, fT3 und fT4 (Schilddrüsenwerte)

Die Bestimmung der Schilddrüsenhormone ist eine der häufigsten Hormonuntersuchungen in der Praxis. Sie erfolgt zur Diagnose einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse.

TSH (Schilddrüsen- beziehungsweise Thyroidea-stimulierendes Hormon) ist ein in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gebildetes Hormon, das die Funktion der Schilddrüse reguliert. fT4 (freies Tetrajodthyronin oder Thyroxin) und vor allem fT3 sind die biologisch aktiven Formen.

Normalwerte:

  • TSH basal: 0,4 bis 2,5 mU/l
  • fT3: 2,2 bis 5,5 pg/ml
  • fT4: 0,6 bis 1,8 ng/dl
Erläuterung der Messgrößen
AbkürzungBedeutung
mm= Millimeter
mg= Milligramm
g= Gramm
dl= Deziliter
ml= Milliliter
l= Liter
U= Unit (Maß für Enzymaktivität)
µ= My = 1 x 10-6
n= Nano = 1 x 10-9
n= Piko = 1 x 10-12
mmol= Millimol (Maß für die Konzentration einer Lösung)