Um ihre Kinder zu schützen, erwägen Brustkrebspatientinnen häufig, ihnen die Krankheit zu verschweigen. Fachleute raten jedoch, mit Kindern so früh wie möglich über die Erkrankung zu sprechen.

Kinder spüren, wenn sich in der Familie etwas verändert. Schweigen oder ausweichende Antworten sind für sie ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt und ihre Eltern nicht darüber sprechen können. Zu der quälenden Vorstellung, was das sein könnte, kommt das Gefühl, ausgeschlossen zu sein. Manche Kinder kommen zu dem Schluss: Mama und Papa haben mich nicht mehr lieb! Andere befürchten eine bevorstehende Trennung.

Kinder, denen die Krankheit eines Elternteils verheimlicht wird, reagieren nach außen, je nach Alter und Gemüt, sehr unterschiedlich. Kleinkinder benehmen sich zum Teil wieder wie Babys. Sie beginnen am Daumen zu lutschen und nässen unter Umständen wieder ein. Andere fallen im Kindergarten oder der Schule durch aggressives Verhalten auf. Zuvor gute Schüler bringen schlechte Noten nach Hause. Manche Kinder zeigen solche Auffälligkeiten zeitnah zur Diagnose, andere erst Monate später.

Es ist also wichtig, offen in der Familie über die Erkrankung zu sprechen. Bestenfalls liegt der Zeitpunkt für ein Gespräch nicht zu fern von der Diagnosestellung, damit den Kindern die Ungewissheit erspart bleibt. Gleichzeitig sollten sich die betroffenen Frauen dazu in der Lage sehen, ihre Erkrankung als Teil ihres und des Familienlebens zu verstehen. Gefühle zeigen ist dabei ausdrücklich erlaubt, denn nur so lernen auch die Kinder, ihre Emotionen nach außen zu tragen.

Das sollte Ihr Kind wissen!

Grundsätzlich gilt: Im Gespräch mit Ihren Kindern hat die Wahrheit höchste Priorität. Versprechen Sie auch nur Dinge, die Sie sicher halten können. Achten Sie auch darauf, dass Ihre Erklärungen zu Erkrankung und Therapie dem Alter Ihres Kindes entsprechen.

Schon Kinder unter zwei Jahren merken, wenn in ihrem Umfeld Veränderungen auftreten. Sie können jedoch wenig mit theoretischen Erklärungen anfangen. Mehr als erklärende Worte zählen für sie feste Bezugspersonen. Wenn Sie beispielsweise im Krankenhaus sind, wäre es gut, wenn eine vertraute Person für Ihr Kind da ist. Rituale wie das gemeinsame Bilderbuchanschauen am Abend sollten Sie, wenn möglich, beibehalten. Das gibt den Kleinen Sicherheit.

Sind Ihre Kinder zwischen zwei und fünf Jahre alt, erklären Sie Ihnen, dass Sie Brustkrebs haben und dieser nicht ansteckend ist, wie etwa Durchfall oder Husten. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie ihnen klarmachen, dass sie keine Schuld daran haben. Kinder fühlen sich oft mitverantwortlich für die Erkrankungen ihrer Eltern. Sprechen Sie auch darüber, welche Veränderungen es im Familienalltag geben wird und was gleich bleibt.

Haben Sie Grundschulkinder zu Hause, wissen Sie, wie neugierig sie sein können. Erklären Sie ihnen, was Krebs ist und was Ärzte dagegen machen können. Am besten geben Sie ihnen möglichst viel Raum für eigene Fragen, damit sie nur das erfahren, was sie auch wissen möchten. Ermutigen Sie Ihre Kinder, immer wieder mit Ihnen oder mit Freunden über die Krankheit zu sprechen. Ihr Brustkrebs sollte kein Geheimnis sein, das Ihre Kinder hüten müssen.

Auch Jugendlichen erzählen Sie am besten so viel, wie sie wissen möchten. Da sie sich häufig selbst im Internet informieren, sollten Sie immer wieder das Gespräch mit ihnen suchen. Nur dann haben Sie ein Gefühl dafür, was sie gelesen haben und wovor sie sich gegebenenfalls ängstigen.

Wenn Sie offen über Ihren Brustkrebs sprechen, vermitteln Sie Ihren Kindern das Gefühl, ernst genommen zu werden. Gleichzeitig geben Sie so Spekulationen und diffusen Ängsten weniger Raum.

Weitere Informationen

Weitere Informationen bieten Ihnen unter anderem die Internetseiten www.hilfe-fuer-kinder-krebskranker-eltern.de und www.mum-hat-brustkrebs.de.

In der TK-Broschüre "Leben leben - trotz Krebs" schildert eine betroffene Mutter ihre Erfahrungen sehr eindrücklich.